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Leisure Sickness

Warum werden wir im Urlaub krank?

Ausgerechnet dann, wenn wir zur Ruhe kommen, passiert es: Eine Erkältung kündigt sich an; und zwar dann, wenn wir es am wenigsten brauchen: am Wochenende oder im Urlaub. Der Hildesheimer Herzspezialist Prof. Dr. Jürgen Tebbenjohanns erklärt, was man dagegen tun kann.
(Bildquelle: Fotolia)

(Herbst-)Ferienzeit ist Reisezeit. Die Koffer sind gepackt und die Vorfreude auf ein paar entspannte Tage macht sich breit. Doch ausgerechnet dann passiert es, es kratzt es im Hals, die Nase läuft und der Kopf hämmert. Wissenschaftler sprechen hier von der sogenannten „Leisure Sickness“. Doch wie kann man diesem Phänomen entgegenwirken und was kann man dagegen tun?

Prof. Dr. Jürgen Tebbenjohanns ist Chefarzt für Kardiologie am HELIOS Klinikum Hildesheim

„Das Phänomen tritt häufig bei Personen auf, die über viel Stress im Job oder über eine hohe Arbeitsbelastung klagen. Grund dafür ist oft der eigene Perfektionismus. Deshalb sind meistens Menschen betroffen, die eine starke Verpflichtung gegenüber ihrem Job haben und selbst in der Freizeit schlecht abschalten können“, erklärt Prof. Dr. Jürgen Tebbenjohanns, Chefarzt der Klinik für Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin am HELIOS Klinikum Hildesheim. „Ruhe und Entspannung können dann mit Schuldgefühlen verbunden sein, was sie daran hindert, ihre freien Tage richtig zu genießen. Die Symptome einer Erkrankung werden dann erst in der Ruhephase wahrgenommen.“

Je höher der Stress, desto eher erkranken wir im Urlaub

Nerven- und Immunsystem sind eng miteinander verbunden, sie wirken wechselseitig aufeinander. Unter Stress verändert sich das körpereigene Immunsystem, denn der Körper schüttet vermehrt Kortisol aus, auch als sogenanntes „Stresshormon“ bekannt. Kommt es zu einer Infektion, reagiert der Organismus zwar auch in dieser Situation mit einer Immunantwort, die genau auf den Erreger zugeschnitten ist, durch das Stresshormon wird die Immunabwehr aber gleichzeitig gedämpft. Die Folge ist, dass die Symptome wie beispielsweise einer  Erkältung zunächst ausbleiben. Stress macht also anfälliger für bakterielle und virale Infekte, Entzündungen und Autoimmunerkrankungen, weil es die Immunantwort des Körpers unterdrückt. Das bedeutet: Um die nötige Leistung zu erbringen, werden andere Funktionen des Körpers heruntergefahren, dazu kann auch das Immunsystem zählen. Lässt der Stress nach und der Körper kommt zur Ruhe, kann er sich um die Bekämpfung der Viren und Bakterien kümmern. Das ist dann oft an den Wochenenden oder im Urlaub der Fall. Die Immunantwort des Körpers tritt also zeitlich verzögert ein.

Bewusst Phasen der Entspannung und Zeit für Hobbies einplanen

Das Phänomen „Leisure Sickness“ trifft vor allem Menschen, die viel Verantwortung tragen oder im Beruf großen emotionalen Belastungen ausgesetzt sind wie Selbstständige, Manager und Führungskräfte oder aber auch Personen, die im Schichtdienst arbeiten wie Ärzte oder Pflegepersonal. Vor allem bei diesen Berufsgruppen fällt die wichtige Pause zur Entspannung oftmals weg, obwohl sie Entlastung bringen soll. „Es ist wichtig die eigenen Grenzen zu kennen und auf erste Warnsignale wie häufige Müdigkeit und Reizbarkeit zu hören und so ins Gespräch mit Vorgesetzten und Mitarbeitern zu gehen, um ein gutes Pausen- und Zeitmanagement zu gewährleisten“, so Prof. Tebbenjohanns. Auch regelmäßiger Sport tut gut, da er das Immunsystem stärkt. Die sportliche Betätigung sollte allerdings moderat sein und in erster Linie Spaß machen. Wer sich auch beim Sport gleich wieder einem Leistungsdruck aussetzt, schwächt den Körper zusätzlich.

 „Selbst eine halbe Stunde spazieren gehen mehrmals die Woche reicht aus, um den Kopf wieder frei zu bekommen und Dinge konzentrierter anzugehen. Das verringert den Stress deutlich und man ist wieder frisch für neue Aufgaben. Der Motor des Körpers, unser Herz, wird es Ihnen danken“, rät der Kardiologe. „Denn meistens ist es gar nicht die Arbeit, die uns krank macht, sondern die Arbeit ohne Pausen und bewusst geplante Erholungsmomente. Wichtig sind zudem ausreichend viel Schlaf und Zeit für die eigenen Hobbies oder mit Freunden und Familie einzuplanen.“

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