Regionen
Nachrichten aus Ihrer HELIOS Region.

Unliebsame Untermieter

Wann sind Parasiten für uns gefährlich?

Kaum zu glauben: Ganze 80 Prozent der gut sieben Milliarden Menschen auf unserer Erde sind ein ungewollter Wirt für Parasiten. Die kleinen Krankheitsüberträger kommen überall auf der Welt vor, vermehrt aber in südlichen Ländern. Trotzdem sind einige von ihnen auch in hochentwickelten Ländern wie Deutschland nicht zu unterschätzen.
Parasiten: Unliebsame Mitbewohner
Fotocredit: © ira_kalinicheva/Fotolia

Plasmodien

Diese parasitischen Einzeller sind unter anderem Krankheitserreger von Malaria, einer der bedeutendsten Infektionskrankheiten weltweit. Übertragen werden sie durch den Stich der Anopheles-Mücke. Die Stechmückenart kommt vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten vor. In Deutschland treten pro Jahr etwa 600 Erkrankungsfälle auf, wobei es sich in der Regel um unerfreuliche Reisemitbringsel aus Afrika, Asien oder Südamerika handelt. Wenn also ein Urlaub in diesen Regionen geplant ist, sollte vorher eine reisemedizinische Beratungsstelle aufgesucht werden.

Es gibt fünf Plasmodien-Arten, die beim Menschen eine Malaria-Erkrankung auslösen können. Die größte Bedeutung kommt dabei dem Erreger Plasmodium falciparum zu. Er löst die Malaria tropica, die schwerste und die in Deutschland mit Abstand häufigste Form der Malaria aus. Fieber, das nach einem Aufenthalt in den Tropen auftritt, sollte daher unbedingt abgeklärt werden. Relativ unspezifische Anfangssymptome bergen zudem die Gefahr, als grippaler Infekt oder Magen-Darm-Infektion fehlinterpretiert zu werden. „Die Malaria ist eine gut behandelbare Erkrankung, vorausgesetzt, sie wird rechtzeitig erkannt. Reisende können sich mit einfachen Mitteln gut selbst schützen“, sagt Dr. Andreas Langeheinecke, „denn auch eine medikamentöse Prophylaxe schützt nicht zu 100 Prozent.“

Wie schütze ich mich?

  • Mückenstiche durch Insektensprays und Moskitonetze vermeiden
  • je nach Reise, der Krankheit mit Antimalaria-Mitteln (Chemoprophylaxe) vorbeugen
  • Standby-Medikamente mitführen


Toxoplasma gondii

Bei Katzenliebhabern ist der Parasit Toxoplasma gondii gut bekannt: Er gehört zu den am weitesten verbreiteten Parasiten der Welt und wird in den meisten Fällen von Katzen übertragen. Etwa jeder zweite Erwachsene ist mit T. gondii infiziert. Problematisch ist die Erstinfektion besonders für schwangere Frauen, da sie beim Ungeborenen zu Schädigungen des Nervensystems und der Augen führen kann. Patienten mit einem geschwächten Immunsystem sind ebenso gefährdet.

Bei gesunden Menschen verläuft die Infektion in der Regel symptomlos und bleibt daher unerkannt. Nur selten kommt es zu einer Toxoplasmose mit grippeähnlichen Symptomen, die ohne Therapie wieder nachlassen. Der Parasit besiedelt Muskeln undGehirn und bleibt dauerhaft im Organismus. Dank körpereigener Abwehrstoffe werden wir nach der Erstinfektion lebenslang immun gegen die Erkrankung.

Was kann ich tun?

  • kein ungewaschenes Gemüse oder ungenügend gegartes Fleisch essen
  • Vorsicht vor Ansteckung bei Reinigung des Katzenklos


Der Fuchsbandwurm

Die Fuchsbandwurm-Infektion, auch Echinokokkose genannt, zählt zu den gefährlichsten Parasitosen in Europa. Der Echinococcus multilocularis ist besonders im süddeutschen Raum verbreitet. Menschen können sich durch die orale Aufnahme der Bandwurm-Eier infizieren – diese gelangen zum Beispiel über die Hände nach Kontakt mit einem infizierten Tier in unseren Körper. Gefährdet sind daher besonders Jäger. Auch der Verzehr von verunreinigten Waldbeeren oder Pilzen kann zur Infektion führen.

Medizinisch ist die Echinokokkose tückisch. Beschwerden treten häufig erst Monate oder Jahre nach der Infektion auf und die Erkrankung selbst wird meist nur zufällig über einen Ultraschall des Bauchraums entdeckt. Fuchsbandwurm-Larven setzen sich in der Leber ab und wuchern dort im Gewebe. „Bei unklaren Ultraschallbefunden – tumorverdächtig oder zystisch – sollte eine Echinokokkose immer abgeklärt werden“, rät Dr. Langeheinecke.

Vorbeugende Maßnahmen

  • Freilandprodukte gründlich waschen
  • Lebensmittel auf über 60 Grad Celsius erhitzen zur Abtötung des Erregers
  • Haustiere regelmäßig entwurmen


Unser Experte

Dr. Andreas Langeheinecke ist Chefarzt der Gastroenterologie und Infektiologie am Helios Krankenhaus Bad Kissingen. Der Internist und Infektiologe arbeitete mehrere Jahre in Südamerika, wo er beim Aufbau einer Tropenklinik im Regenwald von Peru unterstützte. Zudem engagiert er sich im Vorstand des Freundeskreis Indianerhilfe e.V. für die gesundheitliche Versorgung der indigenen Völker Südamerikas.

zurück zur Übersicht

News for international patients