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Tag des Schlafes am 21. Juni 2018

Schnarchen schwächt das Herz

Wer in der Nacht häufig Bäume zersägt, fördert Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen.
Wer nachts stark schnarcht, kann auf Dauer sein Herz schwächen.

Nächtliches Sägen kann zum Gesundheitsrisiko werden – und das nicht nur für die Ohren des Partners. Denn das erschwerte Luftholen, vor allem über Jahre, belastet das Kreislaufsystem. Die Folge können Bluthochdruck oder sogar eine Herzschwäche sein. Kommen Übergewicht oder ein ungesunder Lebensstil hinzu, steigt das Risiko noch einmal erheblich. Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Nikolaus Büchner erklärt ein eher unbekanntes Phänomen.

Nimmt man es ganz genau, schläft unser Körper eigentlich nie wirklich – er legt eher eine Art Boxenstopp ein: Während wir entspannt träumen, teilen sich unsere Körperzellen bis zu zehnmal schneller als am Tag, Leber und Niere entgiften, unser Gehirn verarbeitet Erlebnisse und spült Schadstoffe wie etwa das „Alzheimer-Eiweiß“ Beta-Amyloid aus. Das allein zeigt, wie wichtig unsere nächtlichen Ruhephasen sind. Allerdings ist es nachts in Deutschlands Schlafzimmern ziemlich laut: Rund 60 Prozent der Männer, 40 Prozent der Frauen und sogar 10 Prozent der Kinder schnarchen. Einige erreichen dabei Geräuschpegel ähnlich einem Lastwagen bei voller Fahrt. Und die Wahrscheinlichkeit, nachts zur Lärmquelle zu werden, steigt mit zunehmendem  Alter noch weiter an. Ursächlich sind übrigens meist schwache Muskeln und schlaffes Gewebe im Rachen. „Das Zäpfchen und der Schleimhautlappen, an dem es hängt, das sogenannte Gaumensegel, flattern dann beim Ein- und Ausatmen unkontrolliert in der Luft“, so Schlafmediziner Dr. Büchner. „Ein alkoholischer Schlummertrunk verstärkt diesen Effekt übrigens, da er die Muskeln zusätzlich entspannt.“ Große Rachenmandeln oder ein verkürzter Unterkiefer können ebenfalls ursächlich sein, da sie die Atemwege einengen und so das Schnarchen begünstigen. Bei Rückenschläfern kann zudem die Zunge in den Rachenraum zurückfallen und der Luft so den Weg versperren.

Chefarzt Priv.-Doz. Dr. med. Nikolaus Büchner

Bei etwa der Hälfte der Betroffenen ist es harmlos, das nächtliche Sägen kann allerdings auch ein ernstzunehmendes Alarmsignal sein und auf eine schlafbezogene Atemstörung, die sogenannte Schlafapnoe, hindeuten. Betroffene Patienten berichten dann oft über einen nicht erholsamen Schlaf und starke Tagesmüdigkeit, denn ihre Nächte werden durch die wiederholte Atemnot permanent unterbrochen, ohne, dass sie das bewusst bemerken. „Zudem kann der fehlende Sauerstoff zu schwerwiegenden Nebenwirkungen führen, da das Herz viel Kraft aufwenden muss, um alle Körperteile weiterhin mit Nährstoffen zu versorgen“, so Dr. Büchner. Das ist für den Kreislauf extrem belastend und erschwert die Regeneration der Zellen. Der Körper kompensiert die negativen Folgen zwar meist eine Zeitlang, doch ohne Behandlung droht ein langfristiger „Motorschaden“. Die ersten Symptome sind oftmals vermehrte Müdigkeit und Unruhe sowie leichter Bluthochdruck, allerdings können im weiteren Verlauf sogar Herzrhythmusstörungen auftreten. Auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall steigt massiv an. „Daher ist es wichtig, Schnarchen nicht auf die leichte Schulter zu nehmen und das Schlafverhalten möglichst umfassend zu analysieren“.

Das geschieht in der Regel in einem Schlaflabor wie dem an der Helios St. Johannes Klinik. Dort können Betroffene mit Elektroden verkabelt träumen, während hochsensible Geräte verschiedene Parameter wie die nächtliche Hirn- und Muskelaktivität, Augen- und Beinbewegungen aufzeichnen. Die Auswertung dieser sogenannten Polysomnographie verrät den Ärzten dann oft bereits nach einer Nacht die möglichen Gründe für die Schlafstörungen. Die anschließende Therapie wird dann individuell festgelegt. Betroffene können zum Beispiel durch eine Atemmaske mit Luftzufuhr unterstützt werden.

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