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"Schlafstörungen? Nicht auf meiner Station!"

"Haben Sie gut geschlafen? - Angela Kraus, Stationsleitung Pflege Wahlleistung und Privatklinik in der Helios Klinik Titisee-Neustadt achtet darauf, dass ihre Patienten die besten Bedingungen für einen erholsamen Schlaf erhalten.
Angela Kraus, Stationsleitung Pflege Wahlleistung und Privatklinik in der Helios Klinik Titisee-Neustadt

1. Was sind Ihrer Erfahrung nach die Ursachen für Schlafstörungen bei Patienten?

Die Ursachen sind sehr vielfältig. Ein Störfaktor ist zum Beispiel ein hoher Geräuschpegel auf dem Flur, wenn sich Patienten oder Kollegen unterhalten. Unruhige Mitpatienten können eine weitere Ursache sein. Auch das Piepsen der Geräte oder die „Nachtschwester“, die ihren routinemäßigen Rundgang macht, stören den Schlaf. Daher ist es mir wichtig, Rundgänge priorisiert im Sinne der Patientenruhe durchzuführen. Das bedeutet: Patienten, die ein höheres Maß an Überwachung benötigen, werden öfter besucht als Patienten, bei denen das nicht erforderlich ist. Dadurch können Unterbrechungen der Nachtruhe auf ein gesundes Maß reduziert werden.

Eine wesentliche Rolle spielt aber auch die psychische Verfassung des Patienten. Eine ungewohnte Umgebung und das Gedankenkreisen, ob Zuhause alles in Ordnung ist, halten vom Schlaf ab. Auch eine schwere Diagnoseeröffnung kann einem den Schlaf rauben. Hinzu kommen Gründe wie zu wenig Bewegung oder zu spätes Kaffeetrinken. Einige Patienten haben ein Anliegen, müssen zum Beispiel auf die Toilette, trauen sich aber nicht, die Klingel zu betätigen. Sie warten aus Rücksicht lieber bis morgens die Pflegekraft hereinkommt. Das ist übrigens nicht notwendig, Patienten dürfen und sollen jederzeit nach uns klingeln. In der Regel gibt es hierfür immer einen legitimen Grund.

2. Welche Konsequenzen ergeben sich für Patienten bei zu wenig Schlaf?

Insbesondere bei älteren Patienten kann Schlaflosigkeit zu Unruhe und Verwirrtheit führen. Dadurch ist der persönliche Zugang zum Patienten erschwert. Im schlimmsten Fall kann es zu einem Delir kommen.

Darüber hinaus ist die Mobilität betagter Menschen in der Klinik häufig eingeschränkt, die Folge kann ein erhöhtes Sturzrisiko sein. Das wird besonders in der Nacht zu einer Gefahr.

Einige Patienten ziehen sich auch in sich selbst zurück.

Somit können Schlafstörungen insgesamt negative Auswirkungen auf den Genesungsverlauf und den Behandlungsprozess haben.

3. Wie stehen Sie zur Einnahme bzw. Vergabe von Schlafmitteln?

Ich würde Schlafmittel niemals proaktiv anbieten. Eine Ausnahme kann gemacht werden, wenn Patienten bereits Zuhause über einen längeren Zeitraum hinweg regelmäßig Schlafmedikamente eingenommen haben und eine Gewöhnung stattgefunden hat. Hier würde ich, in Rücksprache mit dem behandelnden Arzt, vor allem vor dem Hintergrund einer durchschnittlichen Verweildauer von 5-6 Tagen, keine Veränderungen vornehmen wollen.

Grundsätzlich bevorzuge ich immer alternative Methoden gegenüber der Verabreichung von Schlafmitteln.

4. Was sind die Alternativen: Wie können Pflegekräfte das Schlafverhalten ihrer Patienten verbessern?

Ich versuche schon bei der ersten persönlichen Begegnung eine Vertrauensbasis zum Patienten aufbauen. Im Vordergrund stehen dabei das Vermitteln von Sicherheit und Verbindlichkeit. Zusagen an den Patienten müssen demzufolge eingehalten und auf Fragen sollte individuell eingegangen werden. Signalisiert der Patient Redebedarf oder Angst, versuche ich, wann immer es meine Zeit zulässt, aktiv zuzuhören. Hierzu setze ich mich an sein Bett – häufig gelingt dann das Einschlafen etwas leichter. In einigen Fällen helfe ich mit alternativen Methoden, wie zum Beispiel einer atemstimulierenden Einreibung oder dem Anwenden von ätherischen Ölen. Durch Berührung kann zusätzlich Vertrauen aufgebaut und Angst oder innere Unruhe reduziert werden. Darüber hinaus sollten die von Zuhause gewohnten Zu-Bettgeh-Rituale (zum Beispiel gelüftetes Zimmer/Abendtoilette) des Patienten nach Möglichkeit beibehalten werden.

5. Was kann der Patient selber tun?

Wenn der Patient noch mobil ist: Ausreichende körperliche Aktivität im Rahmen seiner Belastungsgrenzen. Ansonsten sollten Patienten nach 16 Uhr keinen Kaffee mehr trinken.

Meistens weiß jeder Patient selbst am besten, was er darüber hinaus noch tun kann, um möglichst gut schlafen zu können.

6. Was tun Sie selbst, um gut einschlafen zu können?

Mein Motto ist: bewegen, bewegen, bewegen. Deshalb powere ich mich in meiner Freizeit mit verschiedenen sportlichen Aktivitäten aus. Besonders gerne laufe ich um den nahegelegenen Schluchsee. Das ist für mich ein schöner Ausgleich zu meinem Job, der an manchen Tagen schon anstrengend sein kann, dem ich aber sehr leidenschaftlich nachgehe – und so habe ich in der Regel auch keine Einschlaf- und Durchschlafprobleme.

Angela Kraus ist Stationsleiterin Pflege Wahlleistung und Privatklinik in der Helios Klinik Titisee-Neustadt und arbeitet seit 2011 bei Helios.

 

Weitere nützliche Informationen rund um das Thema "Gesunder Schlaf" finden Sie unter: https://www.helios-gesundheit.de/gesunderschlaf/

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