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Immer mehr Kleinkinder mit Diabetes

Seit mehr als 20 Jahren betreut Oberärztin Diplom-Medizinerin Kirsten Praedicow, Kinderdiabetologin am Helios Klinikum Aue, Kinder von der Diagnose bis zum 18. Geburtstag. Dabei darf sie erleben, dass dank immer modernerer Behandlungsmöglichkeiten Diabetes längst kein Schreckgespenst mehr ist.
Ein Interview mit Dipl.-Medizinerin Kirsten Praedicow
Dipl.-Medizinerin Kirsten Praedicow, Oberärztin und Kinderdiabetologin im Helios Klinikum Aue. Foto: Dorothee Sykora

Stimmt es, dass immer öfter Kinder an Diabetes erkranken?

Ja, vor allem bei den unter Fünfjährigen konnten wir in den letzten Jahren eine deutliche Zunahme  verzeichnen.

Was sind die Gründe dafür?

Leider ist die Ursache für Diabetes immer noch nicht erkannt. Die Kinder erkranken zu rund 99 Prozent am Typ-1-Diabetes – einer Autoimmunerkrankung, bei der Übergewicht oder falsche Ernährung keine Rolle spielen.

Ist Diabetes heilbar?

Nein, heilbar ist Diabetes leider nicht. Die Behandlung mit Insulin ist bei Typ-1-Diabetes nach wie vor die einzige mögliche Therapie. Aber die Medizintechnik hat sich in den letzten Jahren gravierend verbessert. Fast jedes zweite Kind ist heute auf eine Insulinpumpe eingestellt, welche auch die Abgabe kleinster Insulinmengen möglich macht. Der Blutzucker wird mit einem Sensor gemessen – dabei steckt ein kleiner Fühler unter der Haut, der den Gewebezucker kontinuierlich misst und abspeichert. Damit kann man auf Schwankungen sofort reagieren. Bei manchen Geräten ist sogar eine Weiterleitung der Blutzuckerwerte aufs Handy der Eltern möglich. Gerade bei Kindergarten- und Schulkindern bedeutet das eine große Sicherheit für die Eltern. In Kombination mit der Insulinpumpe wird den Patienten heute ein fast normaler Alltag ermöglicht.


Diabetes

Diabetes ist die häufigste Stoffwechselerkrankung bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland.
Es wird unterschieden in:

  • Typ 1 (Ursache ist eine Autoimmunerkrankung. Dieser Typ tritt hauptsächlich bei Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen auf.)
  • Typ 2 (Ursachen vererbte Veranlagung oder starkes Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen.)

Hauptsymptome sind übermäßiger Durst, sehr häufiges Wasserlassen, kribbelnde oder taube Füße und Beine, Gewichtsabnahme und Müdigkeit.

Wichtig zu wissen - Bei Diabetes Typ 1 produziert die Bauchspeicheldrüse kein Insulin mehr. Bei Diabetes Typ 2 wird zwar Insulin produziert, jedoch ist der Körper unempfindlich dafür. Die Körperzellen sind in beiden Fällen nicht mehr in der Lage, den Zucker aufzunehmen, und so kommt es zu einer  Steigerung des Blutzuckerspiegels. Wenn Diabetes nicht richtig behandelt wird, steigt die Komplikationsrate bei Herzinfarkt, Herzinsuffizienz und Schlaganfall (zwei- bis dreimal so hoch).

Diagnose Diabetes
Oberärztin Kirsten Praedicow (Mitte) und Diabetesberaterin Carina Görner (links) zeigen Mama Anka Schott den richtigen Umgang mit der Insulinpumpe. Foto: Dorothee Sykora

Als Anka Schott mit ihrer gerade ein Jahr alt gewordenen Tochter Yuna zur Routine-Untersuchung zum Kinderarzt ging, ahnte sie noch nicht, dass sie und ihre Tocher die nächsten 14 Tage im Krankenhaus verbringen würden. Dabei hatte es bereits erste Anzeichen gegeben, dass etwas mit ihrer Tochter nicht stimmt. Die Kleine hatte in den vorangegangenen Tagen sehr viel getrunken, war am Vorabend kaum zu beruhigen gewesen. Als die Mutter der Ärztin davon berichtete, war diese sofort alarmiert. Ein Blutzuckertest zeigte, dass Yuna viel zu hohe Werte hat. Schott wurde mit ihrer Tochter sofort ins Krankenhaus geschickt. Im Helios Klinikum Aue ist man auf Diabeteskinder spezialisiert und hat mit Oberärztin Kirsten Praedicow eine Kinderendokrinologin an Bord.

Die kommenden Stunden und sogar Tage zogen wie ein Film an der 38-Jährigen vorbei. Das Legen der Infusion, das Anschließen an die Überwachungsmonitore – für Schott ein unwirklicher Alptraum. „Ich habe nicht nachgedacht, nur noch funktioniert“, erzählt sie. „Es war so erschreckend, die Kleine zwischen all den Kabeln zu sehen. Dazu die Ungewissheit, was die Diagnose für Yuna bedeutet.“ Täglich Insulin spritzen, ständiges Blutzuckermessen – Schott hat nur eine vage Vorstellung, was auf die Familie zukommt. Erste Zuversicht gab ihr Carina Görner, die Diabetesberaterin, die zusammen mit Diplom-Medizinerin Praedicow die kleinen und großen Patienten von der Diagnose bis zum 18. Lebensjahr begleitet. Von ihr lernten Schott und ihr Mann in den nächsten Tagen alles über die Erkrankung und deren Behandlung. „Die beiden haben uns Hoffnung gemacht, dass Yuna ein relativ normales Leben führen kann.“

Autorin: Katharina Kurzweg


Mit Diabetes Typ 1 leben lernen
Das Team der Diabetes-Ambulanz im Helios Klinikum Schleswig erarbeitet auf kreative Weise neue Therapieansätze. Foto: Andrea Schumann

Umfassende Betreuung und Therapie in der Diabetes-Ambulanz im Helios Klinikum Schleswig Schleswig Blutzucker messen, Essensportionen berechnen und Insulin spritzen. Das bestimmt den Alltag von Typ-1-Diabetikern – ein Leben lang. Ob beim Essen, Naschen oder Herumtoben, ob Tag oder Nacht, stets müssen die Blutzuckerwerte für die Insulintherapie im Auge behalten werden. Gerade im Kindesalter verlangt es allen Beteiligten viel Selbstdisziplin ab. In der Diabetes-Ambulanz des Helios Klinikums Schleswig erhalten Kinder, Jugendliche und Eltern umfassende Beratung und Information. „Unser Ziel ist es, Betroffenen Wege aufzuzeigen, sodass sie ein fast ganz normales Leben führen können“, so Dr. Urte Büßen, Chefärztin der Kinderund Jugendmedizin mit Zusatzausbildung für Diabestes-Typ-1-Erkrankungen. Dank Insulinpumpentherapie, Pen-Therapie oder drahtlosen Blutzuckersensoren lässt sich der Diabetes heute „gut managen“. „Entscheidend bei der Wahl der Therapie sind die individuellen Bedürfnisse der Patienten“, erklärt Dr. Büßen. Doch damit nicht genug. Auch Schulungen sind wichtig, weiß Diabetesberaterin Birgit Goldmann: „Die Kinder und Jugendlichen müssen lernen, die Signale ihres Körpers richtig zu deuten und entsprechend darauf zu reagieren“. In den regelmäßig stattfindenden Diabetes-Schulungen lernen sie viel über Ernährung, den eigenen Zuckerspiegel, das Zusammenspiel von Bewegung und Ernährung, die Berechnung von Insulinmengen und was es bei der jeweiligen Therapie zu beachten gilt. „Auch der Umgang mit den Insulinpumpen oder Pens muss gelernt sein“, sagt Goldmann.
Autorin: Andrea Schumann

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