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Fastenzeit

Heilfasten als innerlicher Frühjahrsputz – was steckt dahinter?

Vom religiösen Brauch ist das Fasten für viele zum Gesundheits-Trend geworden. Wir erklären was hinter dem „inneren Frühjahrsputz“ steckt, wie es am besten praktiziert wird und worauf beim Heilfasten geachtet werden sollte.
Fotocredit: ©Hetizia/fotolia

Heilfasten soll zumeist der Entschlackung, Regeneration und der seelischen Reinigung dienen. So unterschiedlich wie die Motive der Fastenden, sind auch die Methoden.

Der Fastende verzichtet für begrenzte Zeit auf feste Nahrung und Genussmittel und ernährt sich, je nach Fasten-Modell, ausschließlich von Gemüsebrühe, Säften, Tee und Wasser. Während für viele Menschen das Fasten ein Hochgenuss für Körper, Geist und Seele darstellt, raten viele Ärzte von dieser Methode ab.

Was bedeutet Fasten?

Fasten ist der freiwillige und bewusste Verzicht auf Nahrungs- und Genussmittel für eine begrenzte Zeit (5 Tage bis 5 Wochen). Dabei kann entweder vollständig verzichtet werden oder nur auf einzelne Dinge wie zum Beispiel Süßigkeiten, Fleisch, Alkohol oder Rauchen. Einige gängige Formen des Fastens sind beispielsweise:

  • Heilfasten (z.B. nach Buchinger)
  • Kurzzeitfasten
  • Therapeutisches Langzeitfasten
  • Wasser-, Tee-, Saftfasten
  • Totales Fasten (Nulldiät)

Da beim Fasten dem Körper der Nachschub fehlt, reagiert dieser sofort und geht an seine Zucker-, Eiweiß- und Fettreserven.

„Fasten erfordert eine enorme Anpassung des Stoffwechsels, wobei nun nicht mehr auf-, sondern abgebaut wird. Der Körper wechselt auf Sparflamme.“, sagt Prof. Dr. med. Michael Ritter, Leiter der Diabetologie und Endokrinologie im Helios Klinikum Berlin-Buch.

Beim Fasten ist auf reichliche Flüssigkeitszufuhr und regelmäßige Darmentleerung sowie ausreichend Bewegung und Entspannung zu achten.

In vielen Religionen, wie beispielsweise im Judentum, im Christentum und dem Islam, ist das Fasten eine alte Tradition. Dabei sind die Motivationen ganz unterschiedlich. Meist soll der Verzicht der Reinigung der Seele und der Buße dienen.

Heilfasten hingegen ist eine Form des nicht religiös motivierten Fastens. Bereits der griechische Arzt Hippokrates soll im 5. Jahrhundert vor Christus von dieser Heilmethode gesprochen haben.

Das Heilfasten ist in den vergangenen Jahren zum Trend geworden, Fastenkuren werden immer beliebter. Die Gründe für das Heilfasten sind ganz unterschiedlich: Häufig wird das Heilfasten zur „Entgiftung“ des Körpers und der Seele angewendet. Die körpereigenen Selbstheilungskräfte sollen aktiviert werden.

Angestrebt wird eine Änderung des Lebensstiles (z. B. mit ausreichender körperlicher Aktivität) und der Ernährung (z. B. kalorienreduzierte, vollwertige und ballaststoffreiche Kost).

Durchführung des Heilfastens
Beim Heilfasten wird auf feste Nahrung verzichtet. Brühe, Tee und Saft stehen in der Zeit auf dem Ernährungsplan. (Fotocredit: canva.com)

In den ersten drei Tagen wird die Nahrungszufuhr zunächst stark reduziert und gegebenenfalls der Darm mithilfe von Einläufen gereinigt. Bei längeren Fastenkuren ist es ratsam, im Vorfeld eine ärztliche Untersuchung durchführen zu lassen.

Da in der Hauptphase des Fastens die Nahrungsaufnahme teilweise oder vollständig ausgesetzt wird, ist es wichtig, mindestens drei Liter Flüssigkeit pro Tag zu sich zu nehmen. Die Fastenzeit hängt von der Fastenmethode ab und dauert zwischen wenigen Tagen bis hin zu mehreren Wochen.

Das sogenannte Fastenbrechen beendet die Fastenzeit. In diesen Aufbautagen wird dem Körper die erste Nahrung nach der eigentlichen Fastenzeit zugeführt.

Am besten eignen sich hier leicht verdauliche Lebensmittel, wie z.B. Äpfel oder Mohrrüben. Je länger eine Fastenkur angedauert hat, desto schonender sollte der Körper wieder an Nahrung gewöhnt werden.

Während einer Fastenkur können unterstützende Maßnahmen sinnvoll sein, um den Stoffwechsel anzuregen und das Wohlbefinden zu steigern. Hierzu zählen vor allem regelmäßige Saunagänge, Kneipp-Kuren, Entspannungsübungen (Yoga, Autogenes Training), Massagen, Bäder und leichte sportliche Betätigung an der frischen Luft.

Risiken und Komplikationen des Fastens

Grundsätzlich sollte Fastenkuren nur nach ärztlicher Absprache und mit fachkundiger Begleitung erfolgen. Generell ist Fasten nur bei gesunden Personen empfohlen, da es dem Körper während des Fastens an wichtigen Nährstoffen mangelt.

Eine längere Fastenkur schwächt das Immunsystem und der Körper ist anfälliger für Krankheiten. Prof. Dr. med. Michael Ritter, Leiter der Diabetologie und Endokrinologie im Helios Klinikum Berlin-Buch: „Der Körper wird beim sog. Heilfasten durch Abbauprodukte vermehrt belastet, was nur ein gesunder Körper aushält. Die Ausschüttung von Endorphinen – bei längerem Fasten – kann man schneller und einfacher und anhaltender durch regelmäßigen Sport erreichen.“

Bei Krankheit hat Fasten in aller Regel eine kontraproduktive Wirkung. Durch das Fasten steigt der Harnsäurewert im Körper und es werden vermehrt Ketonkörper produziert, welche die Bildung von Blasen- und Nierensteinen begünstigen. Der erhöhte Harnsäurewert kann zudem Gichtanfälle auslösen. Generell ist Fasten ungeeignet bei

  • Essstörungen
  • Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
  • Hämophilie (Bluterkrankheit)
  • Schilddrüsenerkrankungen
  • Krebs
  • Durchblutungsstörungen


Schwangere Frauen sowie Kinder sollten ebenfalls auf eine Fastenkur verzichten.

Die positiven Auswirkungen des Fastens sind wissenschaftlich nicht oder nur bedingt belegt.

Ob nach Buchinger, oder aber Rohkost-, Smoothie- oder Basen-Fasten. Wer sich für eine Fastenkur entscheidet, sollte in jedem Fall vorher ärztlich abklären lassen, ob das Fasten ein gesundheitliches Risiko darstellt.

Unser Tipp: Warum nicht mal Plastik, Müll und Flaschenwasser „fasten“?

Informieren Sie sich über unsere Diabetologie und Endokrinologie. Vereinbaren Sie gern einen Termin bei uns.

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