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Hingeschaut

Gewitter im Kopf - Volkskrankheit Migräne

Etwa 10 bis 15 Prozent der Deutschen leiden unter Migräne. Doch was weiß die Medizin heute über diese Krankheit? Einblicke und Tipps zur Vorbeugung von Neurologe Prof. Dr. Till Sprenger.
Kopfschmerzen. Foto: canva

Jeder 10 Patient leidet unter Migräne mit Aura. Frauen sind von Migräne doppelt so oft betroffen wie Männer. Faktoren wie Schlaf, Temperatur- und Luftdruckwechsel, bestimmte Lebensmittel und Sport wirken beinflussend.
Wir sprachen mit Prof. Dr. Till Sprenger, Chefarzt der Neuroradiologie in der DKD Helios Klinik Wiesbaden über die Volkskrankheit, ihre Entstehung und Tipps wie man vorbeugen kann.

Prof. Dr. Till Sprenger, Chefarzt der Neuroradiologie in der Helios Klinik Wiesbaden

Mechanismen zur Entstehung einer Migräne sind bislang nur teilweise geklärt.

Neben einer genetischen Neigung wird eine Fehlfunktion von Regelkreisen im Gehirn vermutet, die eigentlich die Schmerzverarbeitung hemmen sollten. Daneben könnten sich entzündliche Prozesse an den Hirnhäuten abspielen.
Sicher ist, dass es während Migräneattacken zu der Ausschüttung eines gefäßerweiternden Botenstoffes, dem sogenannten CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide), kommt.
Es wird angenommen, dass CGRP Schmerzfasern im Bereich der Hirnhäute sensibilisiert, aber auch im Bereich des Trigeminusnervengeflechts und im Gehirn selbst Migräneattacken begünstigt.


Mittel der Migräneakuttherapie

Bei leichten Migräneanfällen können Schmerzmittel helfen. Bei schweren Migräneattacken können spezielle Migränemedikamente, sogenannte Triptane, verwendet werden. Sie beeinflussen das Serotoninsystem und hemmen die Schmerzverarbeitung. Wichtig ist bei allen Akutmitteln, sie nicht zu häufig zu verwenden. Sonst kann es zur Chronifizierung, vermehrten Nebenwirkungen und einem schlechteren Ansprechen auf vorbeugende Therapien kommen.


Migräne durch Verhaltensänderungen vorbeugen

Auslöser für Migräne sollten vermieden werden. Positive Effekte auf den Verlauf der Migräne haben regelmäßiger Schlaf, Sport und auch Entspannungstechniken. Auch ein Verhaltenstraining zum Durchbrechen von krankheitsfördernden Denkmustern kann sinnvoll sein.
Viele Patienten schaffen es so, die Migräne ohne dauerhafte Medikamenteneinnahme in den Griff zu bekommen.


Neue vorbeugende Therapien

Reichen die Maßnahmen nicht aus, gibt es Medikamente, die regelmäßig eingenommen die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken reduzieren können. Eine ganz neue Gruppe von Medikamenten stellen monoklonale Antikörper dar. Diese Antikörper blockieren entweder die Andockstellen für CGRP auf Nervenzellen oder sie sind in der Lage, CGRP im Blut „wegzufangen“. Bisherige Studien haben gezeigt, dass diese Medikamente wirksam sind. Mit Erenumab wurde die erste Substanz zugelassen und wird im November 2018 als subkutane Monatsspritze für bestimmte Migränepatienten verfügbar sein.

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