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15 Jahre digitale Bibliothek

„Einige von uns hatten noch nie einen Computer gesehen“

Am 3. Mai 2017 feiert das HELIOS Bibliotheksportal 15-jähriges Jubiläum. Die langjährige Leiterin Betty Johannsmeyer und ihr Nachfolger Alexander Schröder über stürmische Anfangszeiten, hartes Feilschen und Visionen für die Zukunft.

Vor 15 Jahren, am 3. Mai 2002, ging die digitale Bibliothek an den Start. Wie haben Sie die Anfangszeit in Erinnerung, Frau Johannsmeyer? 

Betty Johannsmeyer: Als stürmische Zeit. Ich arbeitete als Diplombibliothekarin in der Bibliothek in Berlin-Buch, als die Klinik von HELIOS übernommen wurde. Zunächst hatten wir den Eindruck: Wir sind überflüssig. Wir standen sogar schon auf der Streichliste, weil Wissensvermittlung damals keine große Rolle spielte.  

Was keiner wusste: HELIOS Gründer Lutz Helmig war damals Stammgast unserer Bibliothek. Sein Credo war: „Gutes Management im Unternehmen erkennt man an Bildungs- und Weiterbildungsmöglichkeiten.“ Das hat den Blick auf uns verändert. 

Inzwischen haben Wissen und Wissensvermittlung einen besseren Stand bei HELIOS.  

Alexander Schröder: In der Tat. Wissen ist heute bei HELIOS ein strategisches Ziel. Die Investition in die Mitarbeiter durch Weiterbildung und Wissensaufbau wird großgeschrieben. Das hilft uns natürlich bei der Argumentation, etwa wenn es darum geht, das Angebot zu erweitern.  

Betty Johannsmeyer hat viel Pionierarbeit geleistet. Unter ihrer Leitung ist etwas entstanden, das man kaum hoch genug würdigen kann: nämlich, dass alle unsere Mitarbeiter am Arbeitsplatz, zuhause und unterwegs auf Fachliteratur zugreifen können. Das ist ein tolles Alleinstellungsmerkmal! 

Die Idee, Wissen online zur Verfügung zu stellen, war 2002 innovativ. Wie haben Sie die Geschäftsführung davon überzeugt? 

Betty Johannsmeyer im Jahr 2008: Sie leitete die HELIOS Zentralbibliothek (HZB) bis 2012 und arbeitet bis heute an den Inhalten der Bibliothek mit.

Betty Johannsmeyer: Wir hatten anfangs weder die praktische Erfahrung, noch die technische Ausrüstung. Einige von uns Bibliothekaren – und auch viele Nutzer – hatten ja noch nicht einmal einen Computer gesehen. Aber in der Theorie waren wir gut – und so haben wir nach und nach Überzeugungsarbeit geleistet.

Nicht ohne Kämpfe wohlgemerkt: einerseits mit den Verlagen, die die Entwicklung verschlafen hatten und keine Geschäftsmodelle dafür besaßen. Andererseits immer wieder gegen interne Widerstände. 

Ich erinnere mich zum Beispiel an die Diskussion mit einem Geschäftsführer: Wir hatten ein günstiges Zeitschriftenpaket mit einem großen Verlag ausgehandelt – und dann kam die Vorgabe, die Zahl der Titel aus Kostengründen zu reduzieren. Da habe ich gefeilscht wie ein altes Marktweib. Am Ende konnten wir zwar nicht mit allen, aber doch mit den meisten Publikationen an den Start gehen.  


Inwiefern spiegelt sich die Vision der ersten Tage der Online-Bibliothek heute noch in der HZB wider?
 

Alexander Schröder: Der Anspruch damals war: Wir machen es den Menschen einfacher, indem wir das Wissen zu ihnen bringen. Daran orientieren wir uns noch heute, wenn wir überlegen, wie wir das Wissen noch nativer in den Arbeitsalltag integrieren können. Dabei beschäftigen wir uns viel mit neuen Technologien wie Big-Data-Analysen. Unsere Aufgabe ist es, aus diesen Datenbergen die wesentlichen Informationen herauszufiltern und nutzbar zu machen.  

Ein Beispiel: Zwar bringen wir unseren Mitarbeitern heute die Publikation an den Arbeitsplatz – nachschlagen müssen sie die gewünschte Information allerdings noch selbst. Künftig könnte sich das ändern. Nehmen wir einen Fachmediziner, der eine bestimmte Diagnose notiert: In Zukunft könnten ihm, noch während er die Diagnose notiert – also in Echtzeit –, weiterführende Hinweise zu seinen Eingaben angezeigt werden: zum Beispiel Informationen zum Krankheitsverlauf, Hinweise auf Behandlungsmethoden, Warnungen vor möglichen Komplikationen, etc. 

Betty Johannsmeyer: Ich finde so etwas toll! Vor 15 Jahren waren wir stolz darauf, Bücher online anbieten zu können und waren damit Vorreiter – jetzt muss man weiterdenken. Das Wichtigste ist, die Nutzer mitzunehmen. Es bringt nichts, wenn man ein tolles Angebot hat, aber niemand damit umgehen kann. 

Apropos Nutzer: Wie kommt das Bibliotheksportal bei ihnen an?

Alexander Schröder stieß im Jahr 2005 zur HZB und leitet heute den Zentralen Dienst Digitale Wissensmedien.

Alexander Schröder: Heute bekommen wir praktisch von jedem, der das Portal kennt, begeistertes Feedback. Ich kann mich aber noch gut an die Zeit vor zwölf Jahren erinnern, als ich in der HELIOS Zentralbibliothek angefangen habe. Als wir den Nutzern einmal mitteilten, dass sie Journals jetzt nur noch online lesen können, gab es einen regelrechten Aufstand. Wenn wir heute einmal ein Journal abbestellen, schreiben sie uns: „Wie schade, bei Ihnen habe ich mich daran gewöhnt, dass ich es jederzeit online lesen kann.“ 

Betty Johannsmeyer: In der Anfangszeit sind wir oft richtig beschimpft worden. Die tollste Anerkennung bekam ich aber später von einem Chefarzt, der mir sagte: „Früher habe ich immer nur rumgemeckert, jetzt bin ich Ihr größter Fan.“ In diesem Sinne kann ich sagen: Wir werden wieder Gegenwind bekommen – aber das nehmen wir in Kauf, um die Herausforderungen der Zukunft anzugehen. 



Welche Herausforderungen sehen Sie da ganz konkret? 


Alexander Schröder: Wie gesagt: Wer uns kennt, von dem bekommen wir tolles Feedback. Wir treffen aber immer wieder Mitarbeiter, die zwar schon einmal mitbekommen haben, dass es da etwas gibt, die aber die HZB bisher nie genutzt haben.  

Unsere Reichweite zu vergrößern und die Möglichkeiten der Weiterbildung mithilfe der HZB noch bekannter zu machen, ist daher sicherlich ein großes Ziel. Da werden wir uns künftig noch stärker engagieren, unter anderem beim anstehenden Pflegekongress in Berlin. 

Was macht Ihnen bei der Arbeit mit der HZB am meisten Spaß? 

Alexander Schröder: Mir machen neue Projekte Spaß, mit denen wir Anwendung und Dienstleistung verbessern. Unser neues System für die Literaturbestellung zum Beispiel filtert jetzt alle relevanten Metadaten aus den bestehenden Datenbanken, etwa PubMed-ID (PMID), Standardbuchnummer (ISBN), Artikel- oder Buchtitel. Nutzer können sofort sehen, ob ein Titel online zur Verfügung steht und – wenn nicht – diesen über ein Warenkorbsystem gleich bestellen. Auf diese Weise kann unser Kollege in der Ausleihe, Holger Laube, heute allein 12.000 Bestellungen im Jahr bearbeiten. 

Betty Johannsmeyer: Ich habe mir immer begeistert die Statistiken angesehen: Wie viele Benutzer sind gerade im Portal? Wie viele Artikel wurden heruntergeladen? Wie viele Recherchen wurden angefordert? Wie viele Fernleihen vorgenommen? Die steigenden Zahlen waren ein Zeichen dafür, dass wir angenommen und gebraucht werden. 

Alexander Schröder: Heute nutzen jeden Tag im Schnitt etwa 1.000 Menschen die HZB. In einer öffentlichen Bibliothek wäre das mehr als ein ordentlicher Besucherandrang. 

Zahlen und Fakten rund um die HZB:
  • Zugriff auf rund 1.000 Journal-Titel, 34.000 E-Books und 8 Millionen Artikel über die Datenbank PubMed
  • Zugang zu UpToDate und DynaMed Plus
  • Rote Liste und Fachinfo-Service online
  • Pschyrembel online
  • Und vieles mehr


Übrigens: Reinschauen ins Bibliotheksportal* lohnt sich derzeit doppelt. Im exklusiven Jubiläumsquiz können Sie exklusive Büchergutscheine gewinnen.

Hier geht es zu den Fragen* - viel Erfolg!


* Zugriff nur für HELIOS Mitarbeiter möglich

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