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Wenn Schafe zählen nicht mehr hilft

Eine Nacht im Schlaflabor

Seit März gehört die Lungenklinik Diekholzen zu HELIOS. Marc Pingel, Volontär Unternehmenskommunikation in der Region Niedersachsen, verbrachte dort eine Nacht im Schlaflabor.
Dr. Oliver Tomsing zeigt die Geräte, mit denen der Schlaf der Patienten überwacht wird.

HELIOS Lungenklinik Diekholzen. Schlaflabor. 17 Uhr. „Haben Sie sich das gut überlegt?“, fragt mich Dr. Oliver Tomsing, Oberarzt in der Lungenfachklinik und Leiter des dortigen Schlaflabors, mit einem Augenzwinkern, als ich mit ihm über meine bevorstehende Nacht in eben dieser Abteilung sprechen möchte. „Ja, das habe ich“, antworte ich mehr oder weniger überzeugend, angesichts der Ungewissheit, was wohl in dieser Nacht auf mich zukommen wird. Denn eigentlich war es meine Chefin, die die grandiose Idee hatte, dass ich eine Nacht im Schlaflabor der HELIOS Lungenklinik Diekholzen verbringen soll. Gesagt, getan. Nun stehe ich also im Flur des Schlaflabors zur Vorbesprechung der kommenden Nacht.

Dr. Tomsing zeigt mir mein Zimmer, in dem schon alle Gerätschaften für eine Nacht unter totaler Überwachung bereit stehen. Ich sehe eine Unmenge an Kabeln und frage mich bereits jetzt, wie ich damit überhaupt schlafen soll. "Die Geräte sind ganz neu. Wir überwachen damit Ihre Hirnströme, Augenbewegungen, die Muskelaktivitäten im Gesicht, Atmung, ob Sie schnarchen, die Sauerstoffsättigung Ihres Blutes, Herzfrequenz sowie die Aktivität der Atemmuskulatur und der Beine. Außerdem ist hier oben noch eine Kamera, damit wir weitere Auffälligkeiten in Ihrem Schlaf, wie Schlafwandeln, feststellen können“, erklärt mir Dr. Tomsing.

Die Diagnose „Schlafapnoe“ kann Leben retten

Hier bleibt wirklich nichts im Verborgenen. Das ist auch gut und wichtig, denn es hat einen ernsten Hintergrund: Die meisten Patienten des Schlaflabors kommen nach eingehender Untersuchung durch Fachärzte im Vorhinein mit Verdacht auf Schlafapnoe nach Diekholzen. Überwiegend sind das übergewichtige Männer über 50, die schnarchen und Herz-Kreislauf-Probleme haben. Eine fatale Kombination, denn sie haben häufig Atemaussetzer in der Nacht, die den Körper immer wieder in kurze Schockmomente versetzen. Dadurch werden sie entsprechend häufig „geweckt“. Das macht einen erholsamen Schlaf unmöglich und führt dazu, dass sie tagsüber ständig müde sind. Häufig schlafen sie ungewollt kurzzeitig ein.

Dr. Tomsing erklärt: „Das ist bei bestimmten Berufsgruppen besonders gefährlich. Eine Studie hat gezeigt, dass bis zu einem Drittel aller Berufskraftfahrer unter Schlafapnoe leidet. Das kann tödliche Folgen haben!“ Nun gut, zum Glück gehöre ich nicht zur Hauptzielgruppe des Schlaflabors. Von der 50 bin ich noch recht weit entfernt, Herz-Kreislauf-Probleme sind mir nicht bekannt und schnarchen tue ich auch nur selten. Okay, das Übergewicht könnte mir zum Verhängnis werden. Aber falls irgendetwas nicht stimmt, werden wir es heute Nacht herausfinden. Ich fahre nochmal nach Hause und kehre später zum Schlafen nach Diekholzen zurück.

Marc Pingel wurde für die Nacht komplett verkabelt.

„Ankabelung“ für die Nacht

21 Uhr. Zur vereinbarten Zeit komme ich wieder in Diekholzen an. Es ist ein schöner Mai-Abend mit immerhin noch 14 Grad und letzten Sonnenstrahlen. Die Vögel zwitschern vergnügt vor sich hin, während ich den idyllischen Weg zwischen vielen grünen Bäumen von der Bushaltestelle bis zu Lungenklinik zurücklege. Im Schlaflabor angekommen, werde ich sehr freundlich von Schwester Sabine begrüßt. Sie heißt mich herzlich willkommen und zeigt mir mein Zimmer und den Aufenthaltsraum mit Getränken. Sabine ist gelernte Krankenpflegehelferin und arbeitet mit Unterbrechungen schon seit fast 30 Jahren in der Lungenfachklinik. Sie wird mich heute Nacht allerdings nicht betreuen, das übernimmt Nicole. Das gut gelaunte Energiebündel kommt kurz darauf in mein Zimmer und kündigt meine „Ankabelung“ für etwa 22.30 Uhr an. „Sei dann bitte bettfertig und geh nochmal für kleine Jungs“, rät sie mir in ihrer lockeren Art. Mit dieser Art verbreitet die ausgebildete Altenpflegehelferin seit 2007 gute Laune im Schlaflabor.

Ziemlich genau um 22.30 Uhr kommt Nicole dann auch wieder zu mir. Ich liege bereits wie verabredet im Bett und sie beginnt mich anzukabeln. Erst zwei Elektroden auf die Brust, dann sieben an Stirn, Wange und Hals, ein Kabel noch an den Zeigefinger und zwei an die Beine. Wenn ich jetzt noch zur Toilette muss, steht entweder eine Flasche bereit oder ich muss klingeln und Nicole stöpselt mich kurz ab. Doch dazu kommt es glücklicherweise nicht. Allerdings wird mir dennoch schnell bewusst, dass die bevorstehende keine besonders gemütliche und erholsame Nacht werden wird.

Schwester Sabine (links) und Nicole überwachen den Schlaf der Patienten.

Schlaflos im Schlaflabor

Als ich das Licht ausmache bin ich zwar durchaus müde, einschlafen tue ich aber dennoch nicht. Ich mache jede Bewegung ganz vorsichtig – ich will ja schließlich kein Kabel abreißen. Und davon liegen jetzt reichlich im Bett. So richtig bequem kann ich es mir also nicht machen. Ich wälze mich so gut es geht hin und her. Als ich das erste Mal auf die Uhr schaue ist es 2.30 Uhr. Bis jetzt habe ich noch nicht wirklich tief geschlafen. Das wird sich diese Nacht auch nicht mehr ändern.

Als Nicole mich um 5.30 Uhr weckt, habe ich gefühlt maximal zwei Stunden geschlafen. Und das nicht wirklich fest. Dementsprechend bin ich auch kaum ausgeruht. Nach der Abkabelung sagt Nicole zu mir: „Jetzt kannst du dich noch ein bisschen vom Schlaflabor erholen.“ Und recht hat sie. Ohne die Kabel schlafe ich relativ schnell ein, bis der Wecker um 7 Uhr klingelt. Nachdem ich mich im Bad für den Tag frisch gemacht habe, genieße ich bei Sonnenschein eine Tasse Kaffee auf der Terrasse des Schlaflabors. Kurz darauf gibt es Frühstück auf dem Zimmer. Brötchen und Aufschnitt lasse ich mir noch schmecken, bis Dr. Tomsing mich wieder besucht.

Dr. Oliver Tomsing kontrolliert die Werte der Nacht.

Keinerlei Auffälligkeiten
 
Zu meiner Erleichterung hat er keine Auffälligkeiten in meinem Schlaf festgestellt. Allerdings bestätigt er mir, unruhig geschlafen zu haben. „Das ist aber ganz normal in der ersten Nacht. Würden Sie noch zwei, drei Nächte bleiben, wäre Ihr Schlaf wesentlich ruhiger“, erklärt er mir. Gut zu wissen, ausprobieren möchte ich es trotzdem nicht.

Etwas müde, aber mit einem guten Gefühl, kann ich nun also das Schlaflabor wieder verlassen. Auf dem Weg zur Bushaltestelle lasse ich die Nacht noch einmal Revue passieren. Ich bin zufrieden, diese Erfahrung gemacht zu haben. Das Schlaflabor in der HELIOS Lungenklinik Diekholzen ist wirklich ein Wunderwerk der Technik und ein Segen für die Patienten, die dort hinkommen. Nichtsdestotrotz freue ich mich darauf, heute Abend wieder in meinem eigenen Bett zu schlafen.

Zur Information: Volontariat bei HELIOS

Kommunikation ist der Schlüssel zum gegenseitigen Verständnis. Nicht nur innerhalb eines Krankenhauses, sondern auch nach außen gibt es häufig ein großes Informationsbedürfnis. Seit einigen Jahren bildet HELIOS daher an verschiedenen Klinikstandorten Volontäre für den Bereich Krankenhauskommunikation aus. In der HELIOS Region Niedersachsen arbeiten derzeit zwei Volontäre, die innerhalb eines zweijährigen Volontariats die verschiedenen Kliniken der Region durchlaufen.

Dort lernen sie die mediengerechte Aufbereitung von Themen und die wichtigsten Darstellungsformen der Unternehmenskommunikation kennen und umzusetzen. Unter Anleitung der Regionalleitung Unternehmenskommunikation übernehmen sie die Umsetzung von Projekten, wirken mit bei der Erstellung von Broschüren und unterstützen bei der Vorbereitung und Durchführung von Veranstaltungen und Presseterminen. Sie sind involviert in die Pflege des Inter- und Intranets sowie die Konzeption von PR-Kampagnen. Hinzu kommen externe Blockseminare sowie zahlreiche interne Schulungen. Diese Reportage ist im Zuge der Volontärsausbildung von Marc Pingel entstanden.

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