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Holen aus dem Frei

Sicherheit und Solidarität dank Flexi-Dienst und klarer Regeln

In der Helios Klinik Erlenbach sorgt eine neue Betriebsvereinbarung für weniger Holen aus dem Frei.
In Erlenbach unterhielten sich Betriebsratsvorsitzender Michael Fertig (l.), Stationsleiterin Bettina Haas (r.) mit Klinikgeschäftsführer Norbert Jäger und mit Pflegedirektor Heiko Basch (beide nicht im Bild) über das Thema Holen aus dem Frei. (Foto: Sylvia Breckl)

Wir wollen das „Holen aus dem Frei“ bei Helios reduzieren. Einige Helios KLiniken sind bereits sehr weit mit diesem Vorhaben. Wie sie dies erreicht haben und welche Erfahrnungen Sie auf dem Weg dahin gemacht haben, stellen wir hier regelmäßig vor.

„Nicht schon wieder ich“ – diese Aussage hört man in der Helios Klinik Erlenbach seltener. Wo vorher der Anruf der Stationsleitung Unmut bei der Pflegekraft ausgelöst hat, sorgt seit Januar eine neue Betriebsvereinbarung für eine für alle gerechte Vorgehensweise im Fall des Falles: „Wir brauchten dringend eine klare Regelung über sämtliche Abteilungsgrenzen hinweg“, erklärt Klinikgeschäftsführer Norbert Jäger. Über ein Jahr hat man auch mit Hilfe der Einigungsstelle verhandelt. Das Ergebnis: „Wir haben eine sehr komplexe Betriebsvereinbarung mit einem ganzen Maßnahmenbündel, die genau auf die Klinik zugeschnitten ist“, so Jäger.

Wo vorher die Stationsleitung herumtelefonieren musste, bis ein Freiwilliger gefunden war, steht jetzt ein klar strukturiertes Ausfallkonzept zur Vermeidung von Holen aus dem Frei – gemeinsam ausgearbeitet von Klinikgeschäftsführung, Pflegedirektion und Betriebsrat. Hier sind nicht nur Flexi-Dienste und Springerpool geregelt, auch ein Ampel-Arbeitszeitkonto und entsprechender Freizeitausgleich und die Antrittsprämie sind definiert.

„Was bis dato häufig zu Murren geführt hat, hat sich jetzt in Motivation gewandelt“, beschreibt Stationsleiterin Bettina Haas die positive Veränderung. „Für mich ist es eine Riesenerleichterung. Und es gibt uns allen Sicherheit in der Planung“, so Haas.

Dank einer geregelten Vorgehensweise fühlt sich keiner mehr benachteiligt – im Gegenteil, das neue Konzept fördert sogar die Solidarität untereinander: „Ich finde die neue Vereinbarung sehr sinnvoll. Ich weiß genau, wann ich Dienst habe,  und außerdem finde ich es super, auch mal andere Kollegen und deren Stationen kennenzulernen – das klappt sehr gut“, ergänzt Pflegekraft Janina Hablawetz.

Das Ausfallkonzept kann Personalmangel auf den Stationen nur auffangen, nicht lösen

Das Besondere an den im Rahmenplan eingeplanten Flexi-Diensten: Sie sind auf jeder Station und in jeder Schicht einsetzbar. Voraussetzung: Der Flexi-Diensthabende muss bis 20 Uhr am Vortag informiert werden, die Wochenenden sind Flexi-Dienstfrei. Dann wird auf den Springerpool zurückgegriffen.

Dafür hat man in Erlenbach eine eindeutige Verfahrensanweisung definiert: Fällt eine Pflegekraft aus, entscheidet zunächst die Stationsleitung, ob situativ – je nach Höhe der Belegung – eine Kompensation notwendig ist. Im Bedarfsfall wird die Pflegedirektion informiert: Ist ein Flexi-Dienst auf der Station vorhanden? Ist eine Kompensation über eine andere Station möglich? Ist ein Flexi-Dienst aus einer anderen Station möglich? Gibt es Mitarbeiter aus dem Springerpool? „Erst wenn all diese Maßnahmen nicht greifen, erfolgt ein Holen aus dem Frei“, erklärt Pflegedirektor Heiko Basch.

Dieser Aspekt ist auch dem Betriebsrat ganz wichtig. „Oberstes Ziel ist weiterhin, das Holen aus dem Frei gänzlich zu vermeiden“, betont Betriebsratsvorsitzender Michael Fertig. Dies sei auch mit dem Ausfallkonzept noch nicht gänzlich gelungen. Doch auch der Betriebsrat gibt zu, dass sich das Konzept mittlerweile gut eingespielt hat und sich alle Parteien aufeinander zubewegen.

Dass das Ausfallkonzept die mögliche Ursache – Personalmangel auf den Stationen – nur auffangen, nicht aber lösen kann, weiß auch die Klinikleitung, für die die Entscheidung zur Antrittsprämie keine einfache war. „Natürlich würden wir lieber mehr Pflegekräfte einstellen, auch um Überstunden abzubauen“, sagt Klinikgeschäftsführer Jäger. „Doch das gibt der Arbeitsmarkt derzeit nicht her.“ Das Zwischenfazit in Erlenbach lautet daher: „Ich bin begeistert und positiv überrascht, wie gut es läuft. Ich hatte mit größeren Widerständen gerechnet“, so Basch.

Wie sich die Zahlen im Vergleich zu den Vorjahren entwickeln, wird sich in Erlenbach noch zeigen, doch das erste Jahr macht allen Beteiligten Mut. Seit Einführung der FlexiDienste gibt es hier einen deutlichen Rückgang von Holen aus dem Frei. „Es ist ein lebender Prozess, kein starres Konzept, und wir diskutieren gemeinsam über Verbesserungen – das ist gut“, fasst der Pflegedirektor zusammen.

Ausführlichere Dokumentationen und Artikel zum Thema „Holen aus dem Frei“ finden Helios Mitarbeiter im Intranet: myhelios.helios-gesundheit.de/HolenausdemFrei  

Flexi-Dienste zur Kompensation von Ausfällen – Vor- und Nachteile:

 
Vorteile:

  • Reduktion von „Holen aus dem Frei“
  • Planungssicherheit für die Pflegekräfte und Abteilungsleitungen
  • Der betroffene Mitarbeiter wird bis spätestens 20 Uhr am Vortag informiert
  • Solidaritätsgedanke wird gestärkt
  • Der Flexi-Dienst kann zu jeder Schicht werden
  • Die Pflegekraft kann auf jeder Station eingesetzt werden
  • Abteilungsgrenzen werden aufgehoben
  • Zeitersparnis für die Leitungen


Nachteile: 

  • Nicht alle Ausfälle können kompensiert werden, z. B. Haupturlaubszeit
  • Keine Flexi-Dienste am Wochenende
  • Nicht möglich bei Abteilungen mit spezieller Qualifikation, z. B. Intensiv, Labor, Funktionsdienst 
  • Kostenfaktor durch Antrittsprämie
  • Aufwendiger für Pflegedirektion und Stationsleitung - Dienstplanerstellung

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