Regionen
Nachrichten aus Ihrer HELIOS Region.

HELIOS Reha

Wie geht Schule in der Klinik?

Grund-, Haupt-, Real-, Berufsschule und Gymnasium in einem Raum. Was undenkbar scheint, ist in der HELIOS Klinik Hattingen Alltag. Das Rehabilitationszentrum für Neurologie, Neurochirurgie und Neuropädiatrie verfügt über eine staatlich anerkannte Schule mit fünf Lehrern.
Durch einen Verkehrsunfall erlitt Tuana ein Schädel-Hirn-Trauma. Der Schulunterricht mit Lehrer Dirk Leimkühler bereitet ihr Freude. Foto: Volker Martin

Ob Deutsch, Mathe, Englisch, Französisch, Latein oder Spanisch – die Kinder und Jugendlichen der Schule in der HELIOS Klinik Hattingen freuen sich auf jede Schulstunde. Wieder lernen zu können, haben sich viele von ihnen hart erkämpft, es ist keine Selbstverständlichkeit. Unfälle und Erkrankungen des Gehirns oder Rückenmarks haben dazu geführt, dass die jungen Menschen neuropädiatrisch behandelt werden müssen – meist über viele Wochen oder auch Monate hinweg. Damit sie mit dem Schulstoff nicht zu sehr in Rückstand geraten, verfügt die Klinik über eine staatlich anerkannte private Ersatzschule. Fünf Lehrer unterrichten in allen versetzungsrelevanten Fächern ganztags Schüler aller Schulformen, von der Vorschule bis zur Berufsschule, von der Förderschule bis zum Gymnasium. „Der Besuch der Klinikschule ist für unsere Kinder der erste Schritt zurück in den Alltag“, sagt Schulleiterin Elke Römer. Zudem ergänzt die Schule häufig die Therapien, denn sie fördert die kognitiven Fähigkeiten der Kinder, die nach Hirntumoren, Hirnblutungen oder Schädel-Hirn-Traumata häufig unter Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen leiden.

Englisch-Unterricht mit Schulleiterin Elke Römer. Die Kinder werden in Hattingen einzeln und in Kleingruppen unterrichtet. Foto: HELIOS

Auch Abiturprüfungen sind möglich

Wir funktioniert die Schule in der Klinik aber konkret? Rund 30 Schüler besuchen die Schule in der HELIOS Klinik Hattingen, darunter auch junge Patienten aus dem Ausland, die in den Fächern Mathematik, Englisch und auch Russisch unterrichtet werden. Einiges ist anders als in Regelschulen: „Die Kinder werden in kleinen Gruppen mit maximal fünf Schülern unterrichtet“, sagt Elke Römer. Viele erhalten Einzelunterricht, damit auf ihre individuellen Bedürfnisse eingegangen werden kann. Dazu stimmen sich die Lehrer mit den Herkunftsschulen ab, besprechen Stärken und Defizite und geben Empfehlungen für die schulische Wiedereingliederung nach dem Klinikaufenthalt. In den Kleingruppen finden sich Kinder unterschiedlichen Alters wieder. „Wir gucken, dass die Schüler zusammenpassen“, sagt Elke Römer. Im gemeinsamen Unterricht behandeln sie meist Themen mit individuellem Tempo. Klassenarbeiten, Vokabeltests und Prüfungen sind möglich, aber keine Pflicht. „Viele Schüler wünschen sich eine Klassenarbeit, um den eigenen Wissensstand zu prüfen“, sagt Elke Römer. Manchmal lassen sich die Hattinger Lehrer auch die Arbeiten der Heimatschulen zukommen und bereiten ihre Schüler gezielt darauf vor. Selbst eine Abiturprüfung in der Klinik wäre möglich, hat aber bislang noch nicht stattgefunden. Schüler der Jahrgangsstufe zwölf wurden aber schon in ihren Leistungskursen auf das Abitur vorbereitet.

Heute ist Laska da! Der Besuch des Schulhundes ist für alle Kinder ein besonderes Erlebnis. Foto: HELIOS

Lehrer sind Anlaufstelle für Eltern

Drei der Hattinger Lehrer sind für die Sekundarstufe II ausgebildet. Schulleiterin Elke Römer hat eine zusätzliche Ausbildung zur Sonderpädagogin absolviert, ihr Stellvertreter Peter Lautenbach ist Sonderschullehrer, ein weiterer Kollege Primarstufenlehrer. „Wir sind in unsere besonderen schulischen Aufgaben hineingewachsen“, sagt Elke Römer, die zu den Mitarbeitern der ersten Stunde bei der Eröffnung 1995 zählte. Unterstützung erhielt das Lehrerteam durch Ärzte und Therapeuten der Klinik, die ihnen die Besonderheiten bei Kindern mit neurologischen Erkrankungen vermittelten. „In Fortbildungen haben wir dann selbst noch einmal die Schulbank gedrückt, um uns auf unsere Arbeit vorzubereiten“, so Elke Römer.

Die Lehrer sind aber auch Anlaufstelle für die Eltern. Ist ein Kind jünger als zwölf Jahre, können Mutter oder Vater mit in die Klinik aufgenommen werden, entweder direkt im Patientenzimmer oder im Elternbereich. Die Eltern werden mit in das Therapiekonzept eingebunden und begleiten ihre Kinder auf dem langen Weg zurück in den Alltag. „In meinem Klassenzimmer ist schon manche Träne geflossen“, erzählt Elke Römer. „Mütter und Väter müssen nach einem Unfall oder einer plötzlichen Erkrankung verarbeiten, dass vieles nicht mehr so wird, wie es einmal war.“ Auch den Kindern müssen die Lehrer häufig die eigenen Grenzen aufzeigen. „Bei neurologischen Erkrankungen fehlt oft das Gefühl für die eigenen Defizite. Die Kinder erkennen ihre Schwächen nicht und überschätzen sich“, so die Schulleiterin. Ferien gibt es in der Schule im Hattinger Kinderhaus nicht. Die Schüler freuen sich auf jede Schulstunde, die Abwechslung in den Klinikalltag mit den zahlreichen Therapien bringt.

Therapiehund Laska hilft

An zwei Tagen in der Woche klopfen die Kinder fast im Minutentakt an der Tür zum Klassenzimmer von Elke Römer. Ein Schild an der Tür verrät warum: Heute ist Laska da! Elke Römer hat die fünfjährige Mischlingshündin zum Therapiehund ausbilden lassen. Schwanzwedelnd lässt sie sich streicheln, vollbringt Kunststücke für ein kleines Leckerchen und bellt auch nicht, wenn Schwanz oder Pfote einmal versehentlich unter das Rad eines Kinderrollstuhls geraten. „Viele Kinder haben ein eigenes Haustier, auf das sie während des Klinikaufenthaltes verzichten müssen, oder sie wünschen sich eines“, sagt Elke Römer. Ein Reha-Aufenthalt in Hattingen ist immer nicht nur eine Therapie für den Körper, sondern auch für die Seele der Schwerbetroffenen. Im Kinderhaus trägt Schulhündin Laska nicht unwesentlich dazu bei. Aber auch am Unterricht wirkt sie mit: Was heißt Pfote auf Englisch? Wie viele Pfoten hat ein Hund? Eine leichte Aufgabe für gesunde Kinder, eine Herausforderung für Kinder mit neurologischen Erkrankungen.

zurück zur Übersicht

Das könnte Sie auch interessieren:

Standpunkt

Wir schreiben Erfolgsgeschichten

Wir brauchen die Reha genauso, wie wir Krankenhäuser brauchen – weil Rehabilitation die zweite Seite der medizinischen Behandlungsmedaille ist. mehr...

Mit einem Klick auf die Karte gelangen Sie zu allen Beiträgen aus den jeweiligen HELIOS-Regionen.

News for international patients

Neueste Artikel
  • „Klinik go, Klinik fight, Klinik win“ mehr...
  • Zu hoher LDL-Cholesterinwert? – Risikofaktor für die Gefäße mehr...
  • HELIOS Frauen gehören zu den Schnellsten mehr...