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So sehe ich das

Warum sind Notaufnahmen immer so voll?

Die Gründe sind vielseitig – das Ergebnis eindeutig: Am Ende leidet der Patient. Dr. Jan Hammer meint, eine Lösung können KV-Ärzte und Kliniken nur gemeinsam finden.
Chefarzt Dr. Jan Hammer
Chefarzt Dr. Jan Hammer, Leiter des Notfallzentrums am Helios Universitätsklinikum Wuppertal und Leiter der Fachgruppe „Notfallmedizin“

Kaum ein Thema wird im Moment so häufig und so kontrovers diskutiert wie die Überlastung der Notaufnahmen. Während sich alle einig sind, dass es so nicht weitergehen kann, werden die Ursachen und die Lösungsansätze durch unterschiedliche Sichtweisen und Interessen sehr uneinheitlich bewertet. In dieser unübersichtlichen Situation ist die Notaufnahme zwar ein Austragungsort des Problems, die Leidtragenden sind meines Erachtens aber eindeutig die Patienten. Warum ist das so?

1. Mit der Entscheidung, ob eine medizinische Notfallsituation so gravierend ist, dass der Rettungsdienst oder ein Notarzt gerufen, die 116 117 als Kontaktnummer der Kassenärztlichen Vereinigung gewählt oder direkt eine Notaufnahme aufgesucht wird, lassen wir die Patienten schon am Anfang ganz alleine. Aus Unkenntnis und Überforderung mit der Auswahl der unterschiedlichen Versorgungsstufen steuern viele Patienten daher immer häufiger eine Notfallaufnahme an.

2. Aus vielerlei Gründen ist das System der niedergelassenen Ärzte nicht mehr in der Lage, die eigentlich 24/7/365 vereinbarte Sicherstellung der ambulanten Notfallversorgung zu gewährleisten. Nicht überall sind KV-Notfallpraxen vorhanden, nicht überall ist ein hausärztlicher Bereitschaftsdienst immer erreichbar, und leider sind auch nicht mehr überall ausreichend Hausärzte vorhanden. Und selbst wenn ein Hausarzt erreichbar wäre: Ein zeitnahes Röntgenbild bei Unfällen oder ein Ausschluss eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls bei entsprechender Symptomatik setzt die Ausstattung und Logistik einer Notaufnahme voraus.       

3. Bevor wir jetzt mit dem Finger nur auf andere zeigen -  auch wir können innerhalb unserer Notaufnahmen noch einiges tun, um unsere Patienten noch effizienter und ohne ellenlange Wartezeiten in den Notaufnahmen zu behandeln. Themen wie SOPs (Standard Operating Procedures), dringlichkeitsorientierte Patientenpfade, aber auch stringente Lösungen zum Betten- und insbesondere Entlassungsmanagement sind wichtige Aspekte der innerklinischen Patientensteuerung. Und mal ehrlich: Können wir immer guten Gewissens behaupten, dass zu jeder Zeit in allen unseren Notaufnahmen immer mit hinreichender Entscheidungskompetenz wirklich nur das gemacht wird, was medizinisch akut notwendig ist?

Wie kann eine Lösung der oben genannten Punkte aussehen?

Es klingt so einfach: Gemeinsam! Die Vorschläge vom Sachverständigenrat, welche jetzt auch politisch aufgegriffen wurden, gehen klar in die richtige Richtung. Eine gemeinsame telefonische Notfallnummer für die Patienten, ein gemeinsamer Anlaufpunkt von KV und Kliniken in den sogenannten integrierten Notfallzentren und perspektivisch auch ein gemeinsames Team aus Notfallmedizinern und qualifizierten Hausärzten in den Notfallzentren. Inwieweit dies gelingen kann, hängt stark von der Bereitschaft der niedergelassenen Ärzte ab, sich einzubringen. Es ist also nicht ganz unwahrscheinlich, dass in zahlreichen Regionen die Notfallversorgung ausschließlich durch die Notaufnahmen der Kliniken erfolgen wird. Dass nicht erst dann über eine adäquate Finanzierung der klinischen Notfallversorgung nachgedacht werden muss, steht außer Frage.


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