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Sozialpädiatrisches Zentrum

„Mit zwei Jahren haben die meisten Frühchen aufgeholt“

Seit 1992 gibt es im HELIOS Klinikum Berlin-Buch das Sozialpädiatrische Zentrum (SPZ). HELIOS aktuell hat
mit der Leiterin, Dr. Antje Hoffmann, und Kinderärztin Dr. Carolin Boschan, die die Frühgeborenensprechstunde durchführt, gesprochen.
Kinderärztin Dr. Carolin Boschan (l.) und Dr. Antje Hoffmann, Leiterin des SPZ, diagnostizieren und behandeln Kinder, deren Entwicklung auffällig ist. Foto: Thomas Oberländer

Was sind die Aufgaben eines Sozialpädiatrischen Zentrums?

Dr. Antje Hoffmann: Wir diagnostizieren, wenn die Entwicklung von Kindern auffällig ist. Das kann Frühgeborene oder kranke Neugeborene betreffen oder Kinder, die aufgrund von chronischen Erkrankungen oder genetischen Defekten wie Trisomie 21 ein besonders hohes Risiko haben, sich nicht so gut zu entwickeln. Wir betreuen auch Kinder, bei denen die soziale Situation belastet ist – sie zum Beispiel minderjährige oder drogenabhängige Mütter haben – oder Familien in Konfliktsituationen. Hier begleiten wir die Entwicklung des Kindes und schauen, ob das soziale Netzwerk funktioniert oder gegebenenfalls Unterstützung notwendig ist.

Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit ein Kind ins SPZ kommt?

Dr. Antje Hoffmann: Zunächst muss der Kinderarzt das Kind an uns überweisen. Das passiert in der Regel, wenn er bei den Früherkennungsuntersuchungen eine Auffälligkeit feststellt, die er nicht selbst behandeln kann. Wir haben hier ein interdisziplinäres Team aus Kinderärzten, Psychologen, verschiedenen Therapeuten wie Physio-, Ergo- und Musiktherapeuten, Logopäden und Sozialarbeitern, Sonderpädagogen und Pflegenden. Dadurch können wir den Familien auf unterschiedlichen Ebenen helfen.

Sind frühgeborene Kinder besonders anfällig für Störungen in der Entwicklung?

Dr. Carolin Boschan: Ja, das bringt die Unreife der Kinder mit sich. Viele können die Reize, denen sie ausgesetzt sind, noch nicht verarbeiten und entwickeln eine Fütterstörung oder schreien sehr viel. Kinder, die lange beatmet wurden oder eine Operation hinter sich haben, liegen häufig über lange Zeit in einer Position und entwickeln Asymmetrien am Kopf oder auch im ganzen Körper, die dann korrigiert werden müssen.

Dr. Antje Hoffmann: In unserer Frühgeborenensprechstunde ist deswegen immer eine Physiotherapeutin dabei. Sie kann dann den Eltern gleich zeigen, wie sie ihr Kind anfassen und unterstützen können. Das ist sehr wichtig für das Kind und vermittelt den Eltern Sicherheit.

Die Beratung der Eltern macht wahrscheinlich einen großen Teil Ihrer Arbeit aus?

Dr. Carolin Boschan: Ja, das ist enorm wichtig. Die Eltern von Frühgeborenen sind oft traumatisiert und häufig hatten sie keine Gelegenheit, die Erlebnisse zu verarbeiten, weil sie durch ein krankes Kind gleich doppelt gefordert sind. Es ist ganz wichtig, ihnen zu vermitteln, dass sie kompetent für ihr Kind sind.

Wie lange begleiten Sie die Frühgeborenen?

Dr. Carolin Boschan: Die meisten Frühgeborenen können ihren Rückstand bis zum zweiten Lebensjahr aufholen. Dann gibt es eine große Untersuchung, den sogenannten Bayley-II-Test. Wenn die Ergebnisse gut sind, sehe ich die Kinder nicht mehr. Über das zweite Lebensjahr hinaus brauchen dann nur noch wenige unsere Unterstützung. Sehr komplexe Fälle behandeln wir manchmal über Jahre im interdisziplinären Team.

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