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Gesundheitsberufe der Zukunft

Trends wie Digitalisierung und zunehmende Selbstbestimmung der Patienten werfen Fragen auf, denen wir uns stellen müssen. Dabei kommt es darauf an, weit genug zu denken. Welche Berufe braucht die Gesundheitsversorgung der Zukunft?
"'Clever Googlen vorm Arztbesuch' wäre mein erster Vorschlag für einen Kurs einer zukünftigen Patientenakademie." Dr. Zineb Nouns, Leiterin des Zentralen Dienstes Akademie bei Helios.

Wir können nicht genau vorhersagen, wie Gesundheitsversorgung in Zukunft aussehen wird. Dennoch, Trends sind deutlich erkennbar: Der selbstbestimmte Mensch rückt mehr und mehr in den Mittelpunkt. Wir wollen Gesundheit erhalten, bevor wir Krankheiten behandeln und wir sehen eine Verschiebung vom stationären in den ambulanten Sektor. All das ist getrieben durch die Digitalisierung, die Wissen immer schneller produziert und verfügbar macht.

Für alle. Was bedeutet das für die Mitarbeiter und Patienten von morgen? Ich denke nicht, dass wir weit genug gehen, wenn wir uns fragen, was die Zukunft der Gesundheitsberufe sein mag. Die entscheidende Frage ist: Was sind die Gesundheitsberufe der Zukunft?

Sicherlich wird es auch in Zukunft die klassischen Berufe wie Pfleger und Ärztin geben. Ob aber die Aufgabenverteilung so bleibt wie heute, würde ich anzweifeln. In anderen Ländern gibt es oft deutlich mehr Berufsgruppen in der Patientenversorgung.

Bei der Stationsarbeit unterstützen Arztassistenten. Im ambulanten Sektor lassen sich nicht nur Ärzte nieder, sondern auch Pflegekräfte. Eigentlich kein neues Konzept: die Gemeindeschwester. Ein Pilotprojekt mit mobilen Gemeindeschwestern lief bereits erfolgreich in Mecklenburg-Vorpommern.

In den USA, aber auch in der Schweiz lassen sich Pfleger in sogenannten Mini-Clinics nieder, oft angebunden an Apotheken. Dort bieten sie eine Basisversorgung an, preiswert und auch ohne Termin. Bei Bedarf schalten sie Ärzte per Videokonferenz dazu. Das entlastet Notaufnahmen und ist ein erfolgreiches Rezept gegen Hausarztmangel in strukturschwachen Regionen.

Maschinen werden ein wichtiger Teil der Gesundheitsversorgung von morgen sein. Beratung durch intelligente Chatbots? Selbstbedienungsautomaten, die preiswerte Check-Ups anbieten?

In den USA stehen solche Automaten, die eine Basisanamnese erheben, Blutdruck messen oder einen Sehtest durchführen, heute bereits in Supermärkten. Sie werden genutzt. Zum Beispiel von Menschen, die ansonsten schlicht gar nicht zur Ärztin gehen würden. Das ist eine gute Entwicklung.

In England werde Selbstbedienungsautomaten in Ambulanzen regulär bei der Aufnahme eingesetzt. Diese Maschinen müssen entwickelt, trainiert und betreut werden. Die Daten, die sie produzieren, müssen  erstanden werden. Hier werden zunehmend Berufe wie Chatbottrainerin, Self-Service-Unitmanager und natürlich Datenanalysten gebraucht. Neben all den Entwicklern der Maschinen.

Zu den Gesundheitsexperten der Zukunft zählen auch die Patienten bzw. Noch-nicht-Patienten, die mehr und mehr motiviert sind, ihre Gesundheit nicht passiv einem System zu überlassen. Sie wollen aktiv und präventiv gesund bleiben. Mit Hilfe von Armbändern, Sensoren in Bekleidung oder sogar der Computertastatur verantworten sie ihre Gesundheit selbst.

Der technische Fortschritt ermöglicht Warnsysteme, die weit schneller als heute Hinweise auf eine Gesundheitsgefährdung geben können. Im Falle einer Krankheit wollen sie sich selbst informieren und dann auf Augenhöhe beraten werden. Von Gesundheitsexperten, anderen Patienten und ja, auch von Dr. Google. Dabei können wir helfen. „Clever Googlen vorm Arztbesuch“ wäre mein erster Vorschlag für einen Kurs einer zukünftigen Patientenakademie.

Vielleicht brauchen wir auch eine Berufsgruppe, die Menschen exklusiv durch das teilweise kafkaeske Geflecht, dass wir Gesundheitssystem nennen, begleiten. Gesundheitsassistenten, menschlich, kommunikationsstark. Gerade in der digitalen Welt von morgen werden die Menschen, das Gespräch, das Zuhören, die Hilfe bei Entscheidungen das Wertvollste sein, was wir als Gesundheitskonzern anbieten können.

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