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Das Körperinnere in 3-D schafft ein realistischeres Bild

Dreidimensionale Videotechnik schafft ein realistischeres Bild. Nur ein leises Klicken ist zu hören, wenn die Urologen der Helios Bördeklinik die rot-blauen 3-D-Gläser vor ihre Operationsbrillen klappen – und doch eröffnen sich dadurch für sie neue dreidimensionale Welten.
Fokussiert – erst der Blick durch die 3-D-Brillen-Aufsätze ermöglicht räumliches Sehen. Chefarzt Dr. Rossen Vassilev, rechts im Bild, mit dem 3-D-Aufsatz auf seiner Brille. Foto: Caterin Schmidt

„Wir wollen jetzt aber keinen Kinofilm schauen“, lacht Chefarzt Dr. Rossen Vassilev von der Helios Bördeklinik und setzt seine 3-D-Brille auf. Der 53-Jährige hat Operieren klassisch in zwei Dimensionen gelernt und war am Anfang skeptisch gegenüber der dreidimensionalen Technik. Sein Kollege und Freund, Chefarzt Priv.Doz. Dr. Olaf Reichelt aus dem Helios Klinikum Aue, hatte ihn schließlich von den Vorteilen des 3-D-Operierens überzeugt. „Wer einmal in 3-D einen Eingriff vorgenommen hat, möchte nicht mehr zurück in zwei Dimensionen“, sind sich beide einig.

An den beiden schwarzen Löchern zu erkennen: Die zwei Kameras für den 3-D-Blick. Foto: Caterin Schmidt

Doch warum benötigen gerade Urologen die 3-D-Eingriffstechnik? „Wir nähen noch sehr viel per Hand. Im Gegensatz zu unseren bauchchirurgischen Kollegen, die große Organe wie den Darm mit einem automatischen Klammerer, dem Stapler, zusammenfügen, haben wir es in der Urologie mit sehr kleinen Strukturen zu tun. Für diese gibt es eine vergleichbare Technik wie den Stapler nicht“, erklärt Dr. Vassilev.
Um die filigranen Strukturen räumlich besser einschätzen zu können und vor allem um noch mehr Sicherheit beim Nähen zu haben, nutzen die Urologen das dreidimensionale Verfahren – so zum Beispiel bei der Nierenteilentfernung, Prostataentfernung oder der Nierenbeckenplastik. Letztere ist notwendig, wenn eine Engstelle im Harnleiter dazu führt, dass der Harn nicht mehr aus der Niere abfließen kann. „Dann verlegen wir den noch intakten Teil des Harnleiters an eine geeignete Position an der Niere und schaffen so einen neuen ‚Ausgang‘“, erklärt Dr. Vassilev. Die Verbindung zwischen Harnleiter und Niere wird dann per Hand genäht – das erfordert neben großer Erfahrung auch Zeit. „Eine chirurgische Nadel ist wie ein Halbkreis.
In 2-D weiß man je nach Winkel nicht immer genau, wo die Spitze gerade hinzeigt. In 3-D ist das sehr gut erkennbar.“ Einfacher ausgedrückt: Eine laparoskopische, also geschlossene OP, ist mit 3-D-Technik nahezu identisch mit einem offenen Eingriff, da ein realistisches Bild der Strukturen sichtbar ist.

Dr. Vassilev nennt auch das leichtere Erlernen als Vorteil: „Gerade junge Ärzte finden schneller einen Einstieg in das Operieren, weil sie nicht in 2-D umdenken müssen. Ein erfahrener Operateur arbeitet in zwei Dimensionen, denkt aber in drei. Diese Lernkurve wird durch das System verkürzt.“
Durch die bessere Orientierung beim Eingriff, verkürzt sich auch die Dauer einer Operation. „Das ist für Patienten angenehmer, weil wir so das Risiko von Herz-Kreislauf-Problemen minimieren.“ Text: Caterin Schmidt

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