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Interview

"Besser geht immer"

Im Zentralen Dienst Medizin laufen alle Fäden des HELIOS Qualitätsmanagements zusammen.
Welche Zahlen werden hier gesammelt? Wie werden sie verarbeitet? Und welchen Nutzen können
Patienten und Mitarbeiter aus ihnen ziehen? Ein Gespräch mit Dr. Ekkehard Schuler, Leiter des ZDs.
Dr. Ekkehard Schuler, Leiter des Zentralen Dienstes Medizin / Foto: Thomas Oberländer

Herr Dr. Schuler, der Vergleich und die Veröffentlichung der medizinischen Qualitätszahlen sollen helfen, die Qualität in unseren Kliniken zu verbessern. Geht diese Strategie auf?

Ja, denn wir können über Jahre eine kontinuierliche Verbesserung feststellen. In den Kennzahlen, aber auch in den klinischen Prozessen selbst, finden wir messbare Größen, die uns verlässlich aufzeigen, wo wir uns noch verbessern können und müssen. Unser Vergleichswert ist dabei immer der Bundesdurchschnitt. In den letzten sechs bis sieben Jahren haben wir uns zum Beispiel in den großen Krankheitsbildern wie Herzinfarkt und Lungenentzündung stetig verbessert und sind hier schon seit längerem besser als der Bundesdurchschnitt. Trotzdem befinden wir uns derzeit vielfach erst im Mittelfeld – unser Ziel ist aber, Qualitätsführer zu werden.

Welche Zahlen werden im Zentralen Dienst Medizin gesammelt? Und wie werden sie erhoben und verarbeitet?

Bei uns werden zum einen alle DRG-Abrechnungsdaten gesammelt; also die Falldaten unserer stationären Patienten, die sowohl die Diagnose als auch die Behandlungen beinhalten. Zum anderen sammeln wir auch die gesetzlich vorgeschriebenen AQUA-Daten zu den Geburten, Frühgeburten und zum Dekubitus. Unsere Kliniken erhalten zu beiden Bereichen eine gesonderte Aufbereitung der Daten, die sie wiederum nutzen können, um bei Auffälligkeiten zeitnah reagieren zu können. Die Datenkommunikation erfolgt über den so genannten Berichtsmanager, ein internes Ablagesystem, auf dem alle Mitarbeiter alle Daten einsehen können. Im Rahmen einer Quartalsmessung werden zudem alle auffälligen Daten aufgezeichnet und innerhalb des elektronischen Reportings für den Medizinischen Beirat aufbereitet. Es ist dann jeweils der Ärztliche Direktor in der Pflicht, sich zu diesen Daten zu äußern und eine Rückmeldung an den Medizinischen Beirat zu geben. Das Reporting bietet die Möglichkeit zur Besprechung einzelner Fälle und somit zum systematischen und zeitnahen Austausch unter Experten. Gemeinsam können dann der Ärztliche Direktor und der Medizinische Beirat Verbesserungsvorschläge erarbeiten. Dazu nutzen sie dann unter anderem auch die Ergebnisse und Beschlüsse aus der Fachgruppenarbeit oder das HELIOS Netzwerk, sprich: die Kompetenz der anderen Kollegen.

Was haben die Mitarbeiter von den monatlich veröffentlichten Zahlen? Und wie können sie diese nutzen, um die Behandlungsqualität zu verbessern?

Unsere Zahlen stehen nicht nur im Intranet, vielmehr befassen sich die HELIOS Fachgruppen und Kliniken kontinuierlich mit ihnen. Dort werden die Daten weiter analysiert und es wird, wo erforderlich, nach Verbesserungsmöglichkeiten gesucht. Die Arbeit in den Kliniken erfolgt vor allem auch in den so genannten Selbstreviews, den Selbstbewertungen, in denen jeder Todesfall einer Fachabteilung widergespiegelt wird.

Krankenhaussterblichkeit und Abrechnungsdaten werden als „Routinedaten“ bezeichnet. Warum sind diese Routinedaten so wichtig und welche Aufschlüsse geben sie?

Die Routinedaten sind genauso wichtig wie die vorhin angesprochenen AQUA-Daten, sie sind aber leichter und kontinuierlich zugänglich und stehen dadurch bei Auffälligkeiten schneller zur Verfügung. Zudem sind sie manipulationssicher – man kann sie also nicht oder nur sehr schwer beschönigen. Hinzu kommt, dass die Codierung dieser Routinedaten durch offizielle Kodierregeln sehr einheitlich ist. Allerdings gibt es auch methodische Schwächen bei dieser Datenerfassung, wie zum Beispiel die Abgrenzung von manchen Risikokonstellationen, die der Patient bereits mitbringt – im Fachjargon „Present on Admission“. Hier fehlen bisher entsprechende Kennzeichnungen, wobei aber über das Unternehmen hinaus rege Fachdiskussionen stattfinden, um Verbesserungen zu erzielen. HELIOS arbeitet bereits seit 1999 mit den Routinedaten, das ist eine gut gelebte Philosophie von uns. Über die Jahre haben wir erkannt, wie viel Verbesserungspotential wir aus diesen Zahlen ableiten können. Wir haben aber auch erkannt, dass es manchmal etwas Zeit braucht, bis die Auswertung von Zahlen und Daten zu Verbesserungen in den Kliniken führt.

Wie findet man aufgrund unserer Qualitätszahlen die beste Klinik für sich? Worauf muss ein Patient beim Lesen der Tabelle achten?

Nehmen wir das Beispiel Darmkrebschirurgie. Bei neu diagnostiziertem Darmkrebs mit Notwendigkeit zu einer Operation sterben im Bundesdurchschnitt zirka fünf bis sechs Prozent der Erkrankten. Ist die Sterblichkeit in einer Klinik bei Darmkrebs hier eher niedriger und wurden parallel viele Darmkrebs-Patienten behandelt, ist dies ein guter Hinweis für eine gute Klinik im Bereich der Darmkrebschirurgie. Wir nutzen unsere Qualitätszahlen jedoch weder intern noch extern für Rankings, sondern hauptsächlich, um uns zu verbessern. Leider fehlen bislang auch bestimmte Informationen, wie die Langzeitdaten zum Überleben. So kann man auch bei einer vermeintlich guten Klinik in den HELIOS Routinedaten nicht direkt an diesen Daten sehen, wie hoch zum Beispiel die 5-JahresÜberlebensrate ist.

Innerhalb der Initiative Qualitätsmedizin (IQM) vergleichen die HELIOS Kliniken ihre Qualitätszahlen mit denen von mehr als 330 Kliniken anderer Träger. Belastet diese Konkurrenz oder spornt sie an?

Wir sehen da keine Konkurrenz. Die Idee, die hinter IQM steht, ist, gemeinsam die Routinedaten-Kennzahlen zu nutzen und sich gemeinsam zu verbessern. Das Messen ist da nur die erste Komponente. Das Peer- Review-Verfahren ist dabei das entscheidende Instrument, Daten zu hinterfragen, auf Augenhöhe mit den Kollegen zu sprechen und Verbesserungsmöglichkeiten zu finden.

Wie trägt das Peer Review, also die kollegiale Überprüfung von auffälligen Ergebnissen, konkret zur Verbesserung unserer Behandlungen bei?

Oft sind es die einfachen Sachen, die zu Verbesserungen führen können, wie zum Beispiel das Einhalten von anerkannten Behandlungsstandards oder auch eine bessere Dokumentation der Entscheidungsfindung im medizinischen oder pflegerischen Vorgehen. Das ganze kann man sich gut als Qualitätskreis vorstellen: Wir messen und bewerten die Behandlungsergebnisse, um letztlich die richtige „Diagnose“ im Rahmen der kollegialen Überprüfung stellen zu können. Mit Hilfe dieser Diagnose erarbeiten die Ärzte im Peer Review dann einen Plan, wie sich die jeweilige Fachabteilung beziehungsweise Klinik verbessern kann. Sind die im Plan festgehaltenen Prozesse dann umgesetzt, messen wir wieder aufs Neue – und können dann sehr oft bessere Kennzahlen finden.

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