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Alles voller Technik

"Technik ist hier überall". Zwei 11-Jährige erkunden das Erfurter Klinikum vom Dach bis zum Keller. Die technikbegeisterten "digital natives" schildern ihre Eindrücke von diesem etwas anderen Rundgang.
Lara und Elias auf dem Dach des Erfurter Klinikums. Foto: Christian Fischer

Hier stehen echt überall Computer. Aber so richtig neu sind sie nicht und die Auflösung der Bildschirme – nicht mal IK – naja, da gibt’s eigentlich bessere“, Elias (11) weiß nicht recht, ob er begeistert oder enttäuscht sein soll. Gerade fällt sein Blick auf den bestimmt hundertsten Computer, den er heute gesehen hat. Dieser steht neben einem Bildschirm auf einem Stationswagen und wird zur Visite in die Patientenzimmer geschoben.

Die anderen Computer sind eher versteckt: Über der Tür in der Kleiderkammer, hinter einer Wand bei der Abgabe der Schmutzwäsche, oben direkt unter der Decke im Raum für die Rohrpost. Sie sind einfach überall und manche schon etwas in die Jahre gekommen. Jeder von ihnen hat überschaubare Aufgaben – ist ein „Rädchen“ im großen System. Einer ist nur dazu da, Wäschestücke zu zählen, die die Mitarbeiter nach der Schicht in den Schmutzwäschebehälter werfen. Ein anderer hält eine Pumpe in Gang, einige steuern Lüftungs- und Klimatechnik.

Fast nie haben sie Bildschirme – aber irgendwo müssen die doch zusammenlaufen? Vielleicht ist es ja doch ganz spannend. Wir haben Elias und Lara (beide 11) gefragt, ob sie einmal mit uns durch das Helios Klinikum in Erfurt gehen. Technik anschauen. Wie nehmen sie als digital natives die Technik im Krankenhaus wahr? Wie wirken die Systeme auf Kinder, die in einer digitalen Welt aufwachsen? Beide interessieren sich sehr für Technik. Lara hat ein Faible fürs Fliegen und ihre Drohne dabei. Vielleicht kann man sie auf dem Hubschrauberlandeplatz mal fliegen lassen. Dort oben will Sie zukünftig landen – als Hubschrauberpilotin. Elias will später mal Fußballspiele kommentieren. Aber Technik, die findet er nicht nur auf dem Rasen spannend. Interessiert, aber auch ein wenig abgeklärt lassen sie sich alles zeigen.

Ihre erste Erkenntnis: Technik ist überall im Krankenhaus – buchstäblich in jeder Ecke. Und nur wenig davon bekommen Patienten zu Gesicht. Vieles ist spannend, auch wenn sie es vorher nicht gedacht hätten. Die Rohrpost zum Beispiel. „Die ist ja älter als wir!“ Oder die Kleiderstelle, die auf Knopfdruck den richtigen Kasack in der richtigen Größe ausgibt. Oder die Dreirad-Lastenroller, mit denen Mitarbeiter durch die kilometerlangen Kellergänge von A nach B fahren. „Wenn man die mit einem Elektromotor ausstattet, geht das doch viel schneller – so einen Roller würde ich auch gern haben“, überlegt Lara.

Die TransCar fahren im Minutentakt und transportieren Wäsche, Essen oder Materialien.

Wobei - noch mehr Verkehr im Keller? Das könnte haarig werden. Denn alle paar Minuten kommt ein TransCar vorbei, ein flacher Transportroboter. Er piepst und ruft freundlich, aber bestimmt: „Das Fahrzeug nähert sich.“ 17 von ihnen sind in Erfurt im Einsatz. Ziemlich schlaue Kerlchen. Sie wissen, was sie zu tun haben, arbeiten ihre Aufträge ab – transportieren Wäsche, Essen oder Materialien – und merken, wenn ihr Akku schwächer wird. Dann begeben sie sich selbständig zum Laderaum. Es macht beiden Kindern großen Spaß, ihnen zu folgen und sie zu beobachten, wenn sie wie von Zauberhand über die Flure rollen und sogar den Aufzug rufen. 
Man merkt Lara und Elias an, dass sie am liebsten das große Verbotsschild missachten und auf den TransCar klettern und mitfahren möchten. Und auch, dass die anfängliche Abgeklärtheit langsam purer Faszination weicht. „Kann ich dem auch sagen, er soll mich nach Barcelona fahren?“, fragt Elias. „Nein“, erklärt Joana Wartig, Mitarbeiterin in der Logistik, „der folgt einem eigenen kleinen GPS-Programm und kennt nur die Gänge im Keller und ein paar Fahrstühle.“ Welche Gänge das sind, sieht Michael Großheim auf seinem Bildschirm in der Werkstatt und auch, welcher TransCar gerade wo unterwegs ist. In die sehr vereinfachte Grafik muss man sich erstmal ein bisschen „einsehen“, bis man hinter Linien und Kästen Wege und Stationen erkennt. „Warum stellt man das nicht mit richtiger Grafik dar“, fragt sich Lara. „Wir verstehen es auch so“, brummelt Großheim. Er repariert gerade einen der TransCars unter dem Licht einer alten OP-Lampe. Eigentlich gar nicht so kompliziert, das Innenleben: Ein paar Motoren und zwei kleine Computereinheiten, die das Ganze steuern. „Das hätt‘ ich mir irgendwie komplizierter vorgestellt“, sagt Elias.

Elias hoch konzentriert am Urologiesimulator

Die Frage, was komplizierte Technik ist und was nicht, stellt sich überhaupt ganz anders dar, als Elias und Lara es angenommen haben. Die Transportroboter sehen technisch von innen recht einfach aus.
Der Urologiesimulator auch von außen. Wie ein normaler Computer mal wieder, an den sie ein Endoskop gehängt haben. „Das kann man doch ganz einfach nachbauen“, überlegt sich Lara. Oberarzt Dr. Alexander Späte ist sich da nicht so sicher. „Die Technik bestimmt – aber nicht das Programm, das da drin steckt.“

Das Programm ist ein Simulator für Operationen und Untersuchungen an der Blase. Blasenspiegelungen, Tumorentfernungen und weitere medizinische Prozeduren können junge Ärzte damit üben, bevor sie erstmals an Patienten operieren.

Lara und Elias dürfen mal probieren und merken schnell, wie anspruchsvoll es ist, einen Tumor zu entfernen. Beim Schneiden auf das Pedal treten, ein leises Piepen ertönt. Nur nicht zu viel, sonst fließt Blut. Lara und Elias sind hoch konzentriert. Schnell ist der Wettbewerbsgeist geweckt, denn das Programm ist wie ein Videospiel aufgebaut. Wer bekommt mehr Punkte? Den Dreh haben sie schnell raus und auch die Orientierung im dreidimensionalen Raum. Ob ihnen da die Übung beim Videospielen hilft? „Haben Sie das programmiert?“, fragt Elias Dr. Späte. „Nicht wir direkt – aber andere Ärzte.“ „Schon cool“, meint Elias. „Nur das Piepsen würde mich verrückt machen“.


Im Audiologiezentrum wird das Hörvermögen von Patienten getestet.

Im Audiologiezentrum ist das Piepsen Programm und Elias stellt sich als sehr guter Hörer heraus. Von wo kommen die Töne? Ab welcher Lautstärke kann sie das menschliche Ohr wahrnehmen? Dort, wo sich sonst Ärzte aus Helios Kliniken und anderen Krankenhäusern weiterbilden, lernen sie Technik kennen, mit der man das Hörvermögen von Menschen testen und trainieren kann. Und sie lernen mit Izet Balji? einen Medizinphysiker kennen, der behauptet, dass man hier manchmal taube Menschen zum Hören bringt. Das fasziniert Elias am meisten – obwohl man dafür nicht mehr braucht, als eine Stimmgabel, erklärt Balji?. Ist das auch Technik? Irgendwie schon. Wenn auch 300 Jahre alt.


Als sie es schließlich vom Keller nach ganz oben auf den Hubschrauberlandeplatz geschafft haben, sind sie fast zu müde zum Fragen. Jetzt einfach genießen. Auch wenn der Wind zu stark ist, um ihre Drohne zu starten, der Hubschrauberlandeplatz hat es Lara angetan. Sie ist kaum wegzubewegen und macht Selfievideos und Panoramafotos zum Teilen mit Freunden. Obwohl nach dem Tag in der Klinik Hubschrauberpilotin nicht mehr ihr einziger Berufswunsch ist. Vielleicht doch Ärztin? Oder Medizinphysikerin?

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