Regionen
Nachrichten aus Ihrer HELIOS Region.

Welttag des Hörens

Sinnstifter Cochlea-Implantat

Der diesjährige Welttag des Hörens steht unter dem Motto „Hören. Der Sinn deines Lebens.“ Der Hörsinn prägt unser Zusammenleben wie kaum ein anderer. Was für Guthörende normal ist, bleibt für taube oder schwerhörige Menschen oft fremd. Cochlea-Implantate können Betroffenen einen neuen Weg ins Leben
Cochlea-Implantat mit Zubehör, das den Höralltag zusätzlich erleichtert (Foto: Steffen Leiprecht)

Für viele schwerhörige oder taube Menschen bedeutet die Stille Einschränkungen im Alltag. Einige fühlen sich isoliert und ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld zurück. Mit einem Cochlea-Implantat kann vielen geholfen werden: „Dabei handelt es sich nicht um eine Hörgerät, sondern um eine Hörprothese. Sie kommt dann in Frage, wenn konventionelle oder implantierbare Hörgeräte nicht mehr ausreichen“, erklärt Privatdozent Dr. Thomas Stark, HNO-Chefarzt am Helios Klinikum München West. Die Implantate eignen sich für hochgradig schwerhörige und ertaubte Menschen, deren Haarzellen, also die Sinneszellen in der Hörschnecke, geschädigt sind. Die Gehörprothese kann bei Kindern und Erwachsenen eingesetzt werden und ist nahezu für jedes Alter geeignet.

Foto: MED-EL

Prothese ersetzt Funktionen des Innenohres

Ein herkömmliches Hörgerät arbeitet als Schallverstärker und unterstützt das geschädigte Ohr. Im Gegensatz dazu übernimmt ein CI die Funktion des ausgefallenen Innenohres. Es besteht aus zwei Teilen: Der äußere Teil, ein batteriebetriebener Sprachprozessor mit Mikrofon und Sendespule, liegt hinter der Ohrmuschel. Der innere Teil, der bei einer Operation in den Schläfenknochen eingesetzt wird, setzt sich aus Elektroden und der Empfängerspule zusammen. Beide Teile sind magnetisch verbunden. Der Sprachprozessor (1) übersetzt die Geräusche in elektronische Signale und leitet die Informationen von der Sendespule (2) über die Empfängerspule (3) und Elektroden (4) in die Hörschnecke (Cochlea) (5) weiter. „Auf diese Weise wird der Hörnerv gereizt und gibt die Empfindungen an das Gehirn weiter. Hörgeschädigte können Geräusche und Sprache wieder wahrnehmen“, sagt Stark.

Das Verstehen muss neu erlernt werden

Der subjektiv wahrgenommene Höreindruck mit einem CI ist bei jedem anders. Hörgeschädigte müssen lernen, die ungewohnten Höreindrücke zu „übersetzen“. Geräusche und Klänge können zumeist von Anfang an richtig zugeordnet werden. Um komplexe Höreindrücke und Sprache wieder zu verstehen, spielen die richtige Anpassung des Sprachprozessors und regelmäßige Hörtrainings eine zentrale Rolle. Die Übungen werden auf den individuellen Stand des Hörvermögens zugeschnitten und variieren je nach Hörerfahrung, also dem Hörvermögen vor der Schwerhörigkeit oder Ertaubung: Je kürzer der Zeitraum der Hörschädigung war, desto besser kann sich das Hör- und Sprachverständnis in der Regel neu entwickeln. Ein Erwachsener, der sein Leben lang gehörlos war, erlernt ein anderes Hörverständnis als jemand, der erst seit Kurzem schwerhörig ist. 

Priv.-Doz. Dr. Thomas Stark, HNO-Chefarzt am Helios Klinikum München West (Foto: Steffen Leiprecht)

Grenzen des Cochlea-Implantats

Ein Cochlea-Implantat ist aktuell die einzige Prothese, die ein menschliches Sinnesorgan vollständig und erfolgreich ersetzen kann. Eines darf aber nicht vergessen werden: Die Prothese ist eine technische Hörhilfe. Sobald der Sprachprozessor ausgeschaltet ist, bleibt der Patient gehörlos. Außerdem ist ein CI nicht für jeden geeignet. Voraussetzung ist unter anderem ein funktionierender Hörnerv. „Neben dem Zustand der Hörnerven spielen noch andere Faktoren eine Rolle, wie der Zeitpunkt der Ertaubung oder die Sprachfähigkeit des Hörgeschädigten“, sagt der HNO-Spezialist. Je nach Schweregrad der Hörschädigung reicht die Spanne von Patienten, die mit dem CI ihre Umgebung besser wahrnehmen können bis zu einem fast normalen Hörvermögen.

zurück zur Übersicht