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Erfahrungsbericht mit Herz

Brigitte Stieren: "Aber wir haben auch viel gelacht"

Jede achte Frau wird im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs erkranken. Mit der Situation umzugehen, ist für Betroffene, aber auch für Familie und Freunde, nicht leicht. Umso wichtiger ist ein offener Umgang mit dem Thema. Brigitte Stieren, eine ehemalige Brustkrebspatientin, hat sich bereit erklärt, ihre Erfahrungen zu teilen.

Brigitte Stieren ist ein lebenslustiger und offener Mensch. Sie spricht unbefangen über ein Thema, bei dem in unserer Gesellschaft oft Sprachlosigkeit herrscht: ihre Krebserkrankung. Vor elf Jahren hat Brigitte Stieren einen Tumor in ihrer Brust entdeckt, die Untersuchung des Knotens brachte die Gewissheit, dass es sich um eine bösartige Veränderung handelte. So wurde Brigitte Stieren Patientin im Brustzentrum Neckar-Donau.

Hier im Rottweiler Krankenhaus erfuhr sie, was eine Brustkrebspatientin erwartet. Chemotherapie, Operation, Bestrahlung, Reha. Schnell wird klar, dass die nun kommende Zeit einen Abschied vom bisherigen Alltag bedeutet. Doch wie geht man um mit einer Situation, die das ganze Leben auf den Kopf stellt? Brigitte Stieren sieht es eher pragmatisch. „Als klar war, dass ich einen bösartigen Tumor habe und behandelt werden muss, habe ich das getan, was mir am wichtigsten war. Ich habe sofort meine Familie informiert und dann meine Freunde angerufen.“  Die Angst, dass sie im Freundeskreis auf ihre Krankheit reduziert wird, hatte sie nicht. Der offene Umgang mit ihrer Erkrankung war ihr nicht zuletzt wegen ihres Sohnes ein Anliegen. „Man verändert sich ja auch im Laufe der Therapie, das sieht ein Kind. Und darüber muss man doch als Mutter dann reden, ganz offen.“ 

Nach dem Befund wurde sie von ihrem Rottweiler Frauenarzt im Brustzentrum Neckar-Donau vorgestellt. Seitdem weiß Brigitte Stieren auch, was ein Tumorboard ist – eine regelmäßige Konferenz von Medizinern verschiedenster Fachrichtungen, in der jeder einzelne Fall ausführlich besprochen wird. Aus der Diagnose wird dann, individuell für jede Patientin, die Therapie festgelegt. Diese Vorgehensweise stellt sicher, dass in die Behandlung alle medizinisch relevanten Aspekte einfließen, über alle Disziplinen hinweg, vom Frauenarzt bis zum Strahlentherapeuten. Hinzu kommt,

Im speziellen Fall von Brigitte Stieren wurde die  Operation des Tumors zunächst hinten angestellt. Die Mediziner hatten entschieden, die Patientin zunächst einer Chemotherapie zu unterziehen. Dr. Gerhard Bartzke, Chefarzt der Frauenklinik in der HELIOS Klinik Rottweiler und Leiter des Brustzentrums Neckar-Donau, erinnert sich noch genau: „Unser Ziel war es, den Tumor vor der  Operation möglichst zu verkleinern, was im Fall von Frau Stieren möglich war. Und wir konnten gleichzeitig kontrollieren, ob der Tumor auf die Chemotherapie reagiert“. Auch Brigitte Stieren hat diese Zeit nicht vergessen – sie kam alle drei Wochen ins Rottweiler Krankenhaus, wo ihr die Medikamente ambulant verabreicht wurden. „Auch wenn es sich komisch anhört, aber wir waren ein ganz netter Kreis von Frauen, den das gemeinsame Schicksal hier regelmäßig zusammengebracht hat.“ Über was unterhält man sich bei solchen unfreiwilligen Treffen? „Über alles. Die Kinder, den Alltag, natürlich darüber, wie man sich fühlt. Aber wir haben auch viel gelacht!“

Nach zwölf Mal Chemotherapie wurde Brigitte Stieren stationär im Krankenhaus aufgenommen. In der Radiologischen Praxis wurde das genaue Operationsgebiet mit einer Schlaufe markiert, anschließend wurde der durch die Medikamente inzwischen verkleinerte Tumor von Dr. Bartzke operativ entfernt. „Dank der vorangegangenen Therapie konnten wir glücklicherweise brusterhaltend operieren“, so Dr. Bartzke. 

Der Operation folgte ein kurzer Krankenhausaufenthalt, in dem die Patientin auch Kontakt zum Psychoonkologen hatte, der, wie auch die Seelsorger, zum Team eines Brustzentrums gehört. „Ich bin eine robuste Natur und habe die psychologische Betreuung nicht gebraucht. Aber ich weiß von anderen Frauen, dass ihnen dieses Angebot sehr geholfen hat!“ sagt Brigitte Stieren. Nach dem Krankenhausaufenthalt kam nahtlos der nächste Behandlungsschritt: die Strahlentherapie. 36 Mal fuhr Brigitte Stieren fast täglich zur Bestrahlung nach Villingen-Schwenningen, wo man die Patientin vom Tumorboard bereits kannte, denn auch die Strahlentherapeuten gehören als Partner zum Team des Brustzentrum Neckar-Donau.

Nach der letzten Bestrahlung war klar, dass die Behandlung bei Brigitte Stieren angeschlagen hatte, regelmäßige Nachkontrollen im Brustzentrum Neckar-Donau und beim Frauenarzt bestätigten dies. Heute gilt Brigitte Stieren als geheilt. „Ich hatte wirklich großes Glück, und das weiß ich zu schätzen. Und ich bin froh, dass ich so offen mit Familie und Freunde über diese Krankheit reden konnte und kann, das hat dem Krebs viel von seinem Schrecken genommen“.

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