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Überraschendes im Herzzentrum Leipzig

Und dann kam R2-D2 angerollt …

Der 14-jährige Jonas kam mit einem Herzfehler zur Welt. Im Herbst 2018 hatte seine Mutter Silke eine besondere Überraschung für ihren Herzenskämpfer parat.
Was für eine Überraschung: Jonas als Jedi-Ritter, seine Mutter Silke (links) als Prinzessin Leia und Lutz van der Horst (rechts) treffen im Herzzentrum Leipzig im Kampf gegen Darth Vader aufeinander. Foto: VOX

Der 2. August 2004 war für Silke Hausold ein Tag des Glücks, gleichzeitig aber auch ein Tag der großen Ungewissheit und der Angst. Am Morgen kam ihr Sohn Jonas zur Welt, Schwangerschaft und Geburt verliefen ohne Komplikationen. Einige Stunden später dann der Schock: Jonas hat einen Herzfehler und muss noch am selben Tag von der Saalfelder Klinik nach Leipzig ins Herzzentrum geflogen werden. Noch in der Nacht erreichte Silke Hausold die Nachricht, dass ihr Sohn außer Lebensgefahr sei. Die junge Mutter setzte alle Hebel in Bewegung, um am nächsten Tag ebenfalls im Herzzentrum zu sein. „Ich werde nie vergessen, wie ich das erste Mal die Intensivstation betreten habe“, erzählt Silke Hausold heute. „Ich hatte Angst meinen Sohn zu berühren, wollte nichts zerbrechen.“ Die Schwestern, Pfleger und Ärzte hätten ihr diese Berührungsängste langsam genommen. Doch zu diesem Zeitpunkt hat der Neugeborene noch einen langen Klinikaufenthalt vor sich.

Kinder regenerieren schneller als Erwachsene

Jonas wurde mit einem seltenen Herzfehler, der sogenannten Transposition der großen Arterien, kurz TGA, geboren. „Hierbei sind die großen Gefäße vertauscht“, erklärt Prof. Dr. Martin Kostelka, Leitender Kinderherzchirurg am Herzzentrum Leipzig. „Normalerweise entspringt die Hauptschlagader, die Aorta, aus der linken Herzkammer und die Lungenschlagader, die Pulmonalarterie, aus der rechten Herzammer. Bei der Transposition ist es verkehrtherum. Bei der Operation müssen wir die normale Anatomie wiederherstellen.“ In den ersten neun Tagen nach der Geburt wurde Jonas im Herzzentrum stabilisiert, am 10. Tag von Prof. Kostelka und seinem Team operiert. „Die Transposition lässt sich nur mit einer großen Operation am offenen Herzen und unter Verwendung der Herz-Lungen-Maschine beheben“, so der Kinderherzchirurg. „Das Herz wird zum Stillstand gebracht, dann werden die großen Gefäße durchtrennt und die zwei Millimeter kleinen Koronararterien herausgeschnitten und in die richtige Position implantiert.“ Die großen Gefäße wurden danach an die richtige Pumpkammer angeschlossen. Zu 99,5 Prozent verlaufe die Operation am Herzzentrum Leipzig erfolgreich, so Kostelka. Er selbst hätte in den letzten 20 Jahren 400 solcher Kinderherzen mit Transposition operiert und betont die Seltenheit: „Es gibt ein sehr großes Spektrum von angeborenen Herzfehlern und die Transposition macht gerade einmal vier Prozent von diesen aus.“ Heutzutage würde dieser Herzfehler zu 80 Prozent bereits während der Schwangerschaft diagnostiziert werden.

Die Operation dauerte fast dreieinhalb Stunden. „Warten hat für mich in diesem Moment eine andere Bedeutung bekommen“, erinnert sich Silke Hausold zurück. Aufatmen konnte sie erst, als sie erfahren hat, dass die OP gut verlaufen ist. Auf der Intensivstation erholte sich der kleine Junge schnell. Ein großer Vorteil, wie Kinderherzchirurg Prof. Kostelka weiß: „Der Unterschied zu Erwachsenen ist, dass Kinder ein enormes Potential zur Regeneration haben. Mit der richtigen medizinischen Versorgung blühen sie förmlich auf.“ Nach über drei Wochen in der Klinik, durfte Silke Hausold ihren Sohn endlich mit nach Hause nehmen. Es folgten noch viele Kontrolluntersuchungen – am Anfang sehr engmaschig, später wurden die Abstände größer. Mittlerweile muss Jonas lediglich einmal im Jahr in die Klinik, um seine Herzfunktion überwachen zu lassen. Eine zweite Operation war nicht nötig.

Das Jonas einen angeborenen Herzfehler hat, merkt man dem heute 14-Jährigen nicht an. Dennoch achtet Mutter Silke darauf, dass sich ihr Sohn nicht übernimmt und Pausen einlegt. „Mit so einem Herzen sollte man nicht ans Limit der körperlichen Leistungsfähigkeit gehen“, empfiehlt auch Kostelka. Für den Kinderherzchirurgen steht jedoch fest, dass die Pumpfunktion von Jonas‘ Herzen „top“ ist.

Zehn Tage nach der Geburt hat Prof. Martin Kostelka den heute 14-jährigen Jonas am offenen Herzen operiert. Mutter Silke ist stolz auf ihren Herzenskämpfer. Foto: Christian Hüller

Eine ungewöhnliche TV-Anfrage

Doch auch wenn Jonas heute gesund ist, wird Silke Hausold nie die Ängste und Sorgen vergessen, die sie oft begleiteten. Auf viele Fragen hatte sie zu Beginn keine Antworten. Hilfe und Unterstützung erhielt sie von den Herzkindern Thüringen – ein Verein, der Eltern zur Seite steht, deren Kinder einen Herzfehler haben. Dort lernte sie auch Sandra Hollmann kennen, die den Verein gründete. Die beiden Frauen verbindet das gleiche Schicksal: Der Sohn von Sandra Hollmann kam mit dem gleichen Herzfehler wie Jonas zur Welt. „Wenn wir beide ein Buch schreiben müssten, wäre die Geschichte dieselbe“, lacht Frau Hollmann. Ein Grund, warum sie im Februar 2018 mit einem ungewöhnlichen Anliegen auf Silke Hausold zukam. „Sandra rief sie mich an und sagte: ‚Ich habe eben eine Anfrage von VOX bekommen. Die suchen außergewöhnliche Kinder, die sie überraschen können. Da habe ich an dich und Jonas gedacht‘“, erinnert sich Frau Hausold. Der Fernsehsender nannte nur eine Voraussetzung: Das Kind müsse ein echter Star Wars-Fan sein. Die Idee war, eine Star Wars-Kulisse in einem Krankenhaus zu errichten, in dem das Kind auf die Helden der Saga trifft und als Jedi-Ritter gegen Darth Vader kämpfen muss – beobachtet von versteckten Kameras. Damit es eine Überraschung bliebe, dürfe Frau Hausold ihrem Sohn natürlich nichts von der TV-Produktion erzählen. Jonas‘ Mutter sagte zu. Weil sie wusste, was für ein großer Star Wars-Fan ihr Sohn ist und sie sich bei ihm mit der Überraschung bedanken wollte – für die Stärke, die Jonas all die Jahre bei den vielen Klinikaufenthalten und Herzuntersuchungen gezeigt hatte.

Sechs Monate Vorbereitung und ein großes Geheimnis

Es folgten viele Gespräche und Abtimmungen mit dem Produktionsteam von VOX. Auch Videos von Jonas musste die Mutter einreichen, damit sich der Sender überzeugen könne, dass ihr Sohn auch ein richtiger Fan sei. „Ich sagte Jonas, dass ich ihn bei einem Star Wars-Preisausschreiben angemeldet habe. Ich durfte ihm ja nichts sagen.“ Dann folgte auch schon der erste Drehtag bei Familie Hausold. Gleichzeitig suchte der Sender nach einer geeigneten Klinik, wo die eigentliche Überraschung in einer Star Wars-Kulisse gedreht werden konnte. Silke Hausold hatte eine klare Vorstellung: „Wenn ich die Wahl hätte, dann das Herzzentrum.“ Für die Leipziger Spezialklinik stand schnell fest, dass sie das Vorhaben unterstützen wollen. Zufällig stand in der Zeit eine Station leer, sodass bei der Produktion der Klinikalltag nicht behindert wurde. Schließlich stand der 13. September 2018 als finaler und wichtigster Drehtag im Herzzentrum fest – nach sechs Monaten heimlicher Vorbereitung. Noch einmal musste Silke Hausold alle Hebel in Bewegung setzen, denn der 13. September war ein Donnerstag und Jonas musste in die Schule. Doch die Klassenlehrerin zeigte sich verständnisvoll und stellte ihn frei. Es konnte losgehen. Unter einem Vorwand lockte Silke Hausold ihren Sohn ins Herzzentrum Leipzig. Damit es echt wirkte, musste auch Oma Marlies mitkommen, die bei Klinikuntersuchungen immer dabei war.

Jonas ahnte nicht, was ihm an diesem Tag wirklich bevorstand. Was denn aus dem Preisausschreiben geworden wäre, fragte er noch während der Fahrt, worauf seine Mutter dachte: „Jonas, wenn du wüsstest.“ Im Herzzentrum war alles vorbereitet. Die ausgewählte Krankenhausstation war nicht mehr wiederzuerkennen. Alles wartete auf den großen Höhepunkt. „Irgendwann schrieb mir der Aufnahmeleiter, wann ich wo zu sein habe. Die Oma sollte dann eine halbe Stunde eher drin sein. Dann kam per Handy die Info: ‚Kommt jetzt bitte zum Eingang‘“, schildert Silke Hausold. „Dann wurden wir abgeholt und sollten in der Kinderambulanz Platz nehmen. Und dann kam R2-D2 angerollt.“

Was dann passiert? Wir verraten noch nichts. Wie es Jonas ergangen ist und welche Rolle sein Kinderherzchirurg Prof. Kostelka an dem Tag innehatte, sehen Sie am 22. Juli 2019, 22:15 Uhr auf VOX in der Sendung Endlich kapiert.

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