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Qualität in der Hygiene zahlt sich aus

Deutschland diskutiert den Fachkräftemangel. Dieser führt im Klinikbetrieb dazu, dass Behandlungen verschoben und teilweise ganze Stationen geschlossen werden müssen. Auch viele Hygieneabteilungen in deutschen Krankenhäusern sind zu dünn besetzt. Priv.-Doz. Dr. Irit Nachtigall, MHBA, Regionalleiterin Hygiene in der Helios Region
Die Preisträgerin Priv.-Doz. Dr. Irit Nachtigall nach der Preisverleihung in der Mitte.

„Krankenhaushygiene wird in der Regel zuerst als Kostenfaktor betrachtet,“ begründet Priv.-Doz. Dr. Irit Nachtigall ihre Auseinandersetzung mit dem Thema. „Es war uns wichtig zu zeigen, welcher ökonomische Nutzen auch in dem Thema steckt.“ Gemeinsam mit Dr. Marzia Bonsignore hat sie in einer Arbeit untersucht, welcher wirtschaftliche Nutzen von einer systematischen Krankenhaushygiene ausgehen kann. Dafür wurden die beiden Autorinnen nun mit dem Stifterpreis der Krankenhaus-Hygiene-Kongress Stiftung (KHK-Stiftung) ausgezeichnet.

Ein Kernergebnis der Arbeit: ein konsequentes Hygienemanagement in den Kliniken könnte dem Gesundheitssystem – neben einer höheren Patientensicherheit – jährliche Einsparungen von etwa 2 Milliarden Euro einbringen. Ein Großteil des Betrags bliebe auch nach Abzug der – auf Grund der besseren personellen Ausstattung der Hygiene – gestiegenen Personalkosten übrig.

Jährlich treten in Deutschland rund 400.000 bis 600.000 Infektionen (nosokomiale Infektionen – NI) im Zusammenhang mit einem stationären Aufenthalt in einer Klinik auf. Sie gehören damit zu den häufigsten Komplikationen bei der stationären Behandlung von Patienten. Die Folge sind nicht nur verlängerte Aufenthalte und Leiden für die betroffenen Patienten, sondern auch hohe Folgekosten. 

„Eine Infektion als Folge einer stationären Behandlung eines Patienten verlängert dessen Krankenhausaufenthalt um 3-7 Tage, im Extremfall sogar um bis zu 16 Tage. Allein dies verursacht Mehrkosten zwischen 2.702 bis 13.000 Euro pro Fall – das unnötige Leid der Betroffenen dabei noch gar nicht berücksichtigt,“ erläutert die Preisträgerin. Die in der Öffentlichkeit besonders präsenten Multiresistenten Erreger (MRE) sind dabei lediglich für rund 6% aller nosokomialen Infektionen verantwortlich. Die häufigste bei einem stationären Aufenthalt erworbene Infektionsart ist die der Atemwege (24%) gefolgt von chirurgischen Wundinfektionen (22,4%) und Harnwegsinfektionen (21,6%).

Priv.-Doz. Dr. Irit Nachtigall, Regionalleiterin Ost, Hygiene.

„Auf Basis der geschätzten mittleren Kosten, die laut Studien mit den Infektionen einhergehen, und deren Häufigkeit lassen sich die verursachten Zusatzkosten für das Gesundheitssystem in Deutschland mit rund 2 Milliarden Euro beziffern“, erläutert Priv.-Doz. Dr. Nachtigall. „Diese ließen sich durch eine konsequente Händehygiene wie auch aufeinander abgestimmte Hygieneprogramme deutlich senken.“ Man schätzt, dass ungefähr ein Drittel der NI vermeidbar wären.

Erreichen lassen sich die Verbesserungen in der Krankenhaushygiene unter anderem durch speziell geschultes und verantwortliches Personal. Das kostet aber Geld. Würden alle Kliniken in Deutschland – so wie Helios – den Empfehlungen der Kommission für Krankenhaushygiene und Infektionsprävention (KRINKO) folgen, fehlen in deutschen Gesundheitseinrichtungen laut Hochrechnungen rund 550 Krankenhaushygieniker und 3.000 Hygienefachkräfte. Würde diese Lücke gefüllt, machten die zusätzlichen Personalkosten lediglich 15% der Kosten aus, die durch nosokomiale Infektionen entstehen. Geht man allerdings davon aus, dass das zusätzliche Personal einen signifikanten Rückgang bei den Infektionen herbeiführen würde, wäre sogar ein Gewinn möglich: nicht nur für Patienten, sondern auch den Träger der Einrichtung und das Gesundheitssystem insgesamt. 

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