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Ehrenamtliche Hilfe für Eritrea

„Für die Kinder ist die OP wie ein Lottogewinn“

Seit 2007 unterstützt die erfahrene Kinderintensivschwester Kathrin Rudolph aus dem Herzzentrum Leipzig regelmäßig humanitäre Einsätze in Eritrea. Ihre Mission: Sie will in einem der ärmsten Länder der Welt herzkranken Kindern Leben schenken.
Mehr als 100 Kinderherz-Operationen können pro Jahr in Eritrea dank des humanitären Engagements von ausländischen Pflegern und Medizinern durchgeführt werden. Foto: privat

„Ich bin infiziert von dieser Aufgabe.“ Kathrin Rudolph brennt für ihr ehrenamtliches Engagement für kranke Kinder in Ostafrika. Begeistert berichtet die erfahrene Kinderintensivschwester aus dem Kinderherzzentrum Leipzig, was durch ihre Hilfe erreicht werden kann: „Mich fasziniert, wie wir mit unseren Möglichkeiten Kindern mit angeborenen Herzfehlern in Eritrea helfen können, welche Erfolge wir in kürzester Zeit sehen. Für die betroffenen Familien ist die Operation, wie ein Lottogewinn.“ Rudolph arbeitet vor Ort mit anderen Freiwilligen, allesamt Mediziner aus Deutschland, in einem eigens eingerichteten internationalen OP-Zentrum in Asmara, der Hauptstadt von Eritrea.

Kinderintensivschwester Karin Rudolph (2.v.l.) aus dem Herzzentrum Leipzig engagiert sich in Hilfseinsätzen für die Kinder aus Ostafrika. Foto: privat

Über 100 Kinderherz-OPs im Jahr

Das Land am Roten Meer gilt als sogenannter „Vierte-Welt-Staat“. Die Vereinten Nationen führen es als eines der 48 am wenigsten entwickelten Länder weltweit. Für die Kinder aus Eritrea gibt es im Land gerade einmal fünf Kinderärzte – und das bei über sechs Millionen Einwohnern. Eine Spezialisierung auf Kinderherzchirurgie gibt es nicht. „Deshalb ist Hilfe so wichtig. Unser Fachwissen ermöglicht es, herzerkranke Kinder zu versorgen, bestenfalls zu heilen.“ Über den Verein Archemed – Ärzte für Kinder in Not (siehe Infokasten) werden Mediziner, aber auch Krankenschwestern, wie Kathrin Rudolph ehrenamtlich nach Asmara entsandt. Pro Jahr können laut der Organisation mehr als 100 Kinderherz-Operationen erfolgreich durchgeführt werden.

Kathrin Rudolph hat selbst zwei Kinder und einen anspruchsvollen Job auf der Kinderintensivstation des Herzzentrums Leipzig. „Ich nehme mir einfach die Zeit“, so die 45-Jährige, die ihren Afrika-Einsatz in ihrer Freizeit absolviert und das Privatleben für ein bis zwei Wochen umorganisiert. Erste Berührungspunkte mit der humanitären Hilfe für Eritrea hatte sie mit Anfang 30 über die Kinderhilfsorganisation Hammer Forum. Diese habe die medizinische Infrastruktur in Asmara aufgebaut, erinnert sie sich. Viele Mitstreiter aus dem Herzzentrum engagieren sich heute in Eritrea, darunter auch Kinderärzte, OP-Schwestern, Kardiotechniker und Kolleginnen der Kinderintensivstation.

Die Intensivstation im internationalen OP-Zentrum in Asmara ist mit dem Nötigsten ausgestattet. Für Mitarbeiter wie Kathrin Rudolph ist die genaue Beobachtung der kleinen Patienten wichtig. Foto: privat

Eine prägende Erfahrung

Die jeweils bis zu zwei Wochen langen Einsätze im ehemaligen Bürgerkriegsland werden von Archemed genau geplant. Kathrin Rudolph erinnert sich an ihren letzten Aufenthalt im November 2018: „Ich habe mich sicher gefühlt. Unser Team bestand aus Herzchirurgen, OP-Schwestern, Anästhesisten, Kinderintensivschwestern und vielen mehr.“ Alle Kollegen seien sehr erfahren. Es komme die Expertise aus verschiedenen deutschen Herzzentren zusammen. „Wir sprechen auch fachlich die gleiche Sprache. Für die Kinder arbeiten wir alle zusammen“, freut sie sich.

Im Vorfeld werden die Kranken in Asmara bei einer ansässigen Kardiologin vorgestellt. Sie leiden an einem Herzklappenfehler, falsch verwachsenen Arterien oder einem Loch in der Vorhofscheidewand. Das deutsche Ambulanzteam stellt per Ultraschall die Diagnose. Nach der OP kommen die kleinen Patienten auf die Intensivstation in die Obhut von Kathrin Rudolph. Hier müsse sie auf ein Labor und andere gewohnte technische Hilfsmittel verzichten. „Die genaue Beobachtung der Kinder ist wichtig“, beschreibt die Pflegerin die Herausforderung. Überhaupt seien die Erfahrungen vor Ort prägend: „Die 12-Stunden-Schichten sind körperlich anstrengend, aber auch faszinierend. Ich komme jedes Mal geerdet und mit neuen Eindrücken nach Leipzig zurück.“ Kathrin Rudolph hofft, dass ihr siebenter Einsatz in Eritrea noch in diesem Jahr möglich wird. Sie ist überzeugt: „Nur wenn wir uns für diese Kinder einsetzen, haben sie eine Chance auf ein gesundes Leben.“

Gegen die Not in Eritrea

Archemed – Ärzte für Kinder in Not wurde 2010 als gemeinnütziger Verein gegründet und leistet medizinisch-humanitäre Hilfe für kranke Kinder und gebärende Mütter in Eritrea. Zu den freiwilligen Helfern aus Deutschland und dem benachbarten Ausland gehören Mediziner, Krankenschwestern, Hebammen, Medizintechniker, Handwerker, Ingenieure, Architekten – und einige Mitarbeiter des Herzzentrum Leipzig. Sie operieren im internationalen OP-Zentrum für Kinder in der Hauptstadt Asmara, betreiben Spezialambulanzen, versorgen Früh- und Neugeborene und geben das Wissen an einheimisches Fachpersonal weiter. Pro Jahr werden bis zu 600 Operationen an Kindern durchgeführt. Archemed will eine medizinische Infrastruktur aufbauen, um das Leben der Kinder in Eritrea entscheidend zu verbessern. Mehr zum Engagement: www.archemed.org

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