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Narkose

"Bei der Narkose ist oberstes Ziel die Patientensicherheit..."

Viele Patienten, die sich einer Operation unterziehen müssen, sorgen sich darum, wie sie eine Narkose vertragen und vor allem, ob sie diese überstehen. Prof. Dr. med. Henrik Rüffert ist Experte in Narkose-Fragen und ein seltener Spezialist für eine ganz besondere Narkosekomplikation.
Für die richtige Narkose müssen Ärzte sämtliche individuelle Merkmale des Patienten berücksichtigen. (Helios Kliniken)

Neben seiner Tätigkeit als Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie an der Helios Klinik Schkeuditz betreut er Patienten mit einer seltenen Veranlagung zur „Malignen Hyperthermie“ (MH) am Universitätsklinikum Leipzig. Mit seinen Kollegen untersucht und berät er jährlich etwa 100 bis 120 MH-Patienten, die zum Teil den Kontakt nach Leipzig auch aus dem Ausland suchen.

Teilnehmer aus 17 Ländern besprachen die neuesten Erkenntnisse über Maligne Hyperthermie. (Foto: twinsmania)

Prof. Rüffert ist zudem Mitglied in wissenschaftlichen Gremien der European Society of Anaesthesiology (ESA) und European Malignant Hyperthermia Group (EMHG), darüber hinaus beratend in der MH Association of the United States (MHAUS). Unter seiner Federführung hat die Helios Klinik Schkeuditz als Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität Leipzig das diesjährige internationale Jahrestreffen der EMHG in Potsdam ausgerichtet. Im Fokus des Kongresses stand die Patientensicherheit. Mit neuen Erkenntnissen in der Genetik konnte auch auf andere Auslösemechanismen einer malignen Hyperthermie hingewiesen werden, die bestätigen, dass die Komplikation weit mehr als eine Narkosekrankheit ist. Professor Rüffert erklärt: „Maligne Hyperthermie ist eine Narkosekomplikation, die unter Anästhesisten mehr als gefürchtet ist und stetiger Aufklärung bedarf.“ Spezifisch ist, dass der Patient eine genetische Veranlagung trägt, die unter dem Einfluss von bestimmten Narkosemedikamenten zu einer lebensbedrohlichen Erkrankung führt. Einen von 2-3000 Patienten trifft diese Veranlagung.

Prof. Dr. med. Henrik Rüffert ist Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie und Spezialist für Maligne Hyperthermie. (Foto: Lutz Weidler)

„In Deutschland haben wir neben Leipzig nur noch in Würzburg ein Zentrum, das sämtliche Belange um die maligne Hyperthermie abdeckt“, so Rüffert. Weltweit gibt es nur 15 EMHG akkreditierte Diagnostik- und Betreuungszentren für diese Erkrankung bzw. Veranlagung, darunter in Leipzig. Im Nordamerikanischen MH-Beratungsnetzwerk für Patienten und ärztliche Kollegen ist der Schkeuditzer Experte als einer von zwei Europäern ebenfalls aktiv.

Aktuell erweitern sich die Erkenntnisse zur Genetik der Erkrankung: „Das Wissen über krankheitsverursachende Gene und Mutationen steigt ständig, auch über die Prozesse in den Muskelzellen. Dies ist für Vorsorgeuntersuchungen innerhalb einer „MH-Familie“ sehr bedeutsam, da die Veranlagung mit 50 Prozent Wahrscheinlichkeit vererbt wird. So kann man im Vorfeld vermeiden, dass den Anlageträgern MH-auslösende Substanzen verabreicht werden und damit die Patientensicherheit weiter erhöhen“, so Rüffert. „Den neuen Erkenntnissen zufolge, können aber auch extreme körperliche Belastungen oder Hitzeexposition bei veranlagten Menschen eine MH ohne Narkose auslösen.“ Diese Erkenntnisse sind beispielsweise für Rettungsdienste wichtig.

Was bei maligner Hyperthermie passiert

Insbesondere schlafinduzierende Narkosegase (volatile Anästhetika) sind bei Patienten mit maligner Hyperthermie bedrohlich. Die Muskelzellen produzieren während der Narkose abnorm viel Energie, die zum Anstieg der Körpertemperaturen über 40°C und nachfolgend zum Kreislaufzusammenbruch und möglichem Tod führt. Diese Patienten können dennoch mit sicheren Alternativmedikamenten eine Narkose bekommen. Problemlos anwendbar sind auch örtliche Betäubungs- oder Regionalanästhesieverfahren.     

Austausch ist (über)lebenswichtig

Jährlich treffen sich die MH-Experten unter der Schirmherrschaft der „European Malignant Hyperthermia Group“. Diese untersuchen und betreuen weltweit MH-Patienten und Familien. Diesjähriger Ausrichter und Organisator des Kongresses war die Helios Klinik Schkeuditz. Der Kongress wurde dieses Jahr erstmals EU akkreditiert (EACCME®). Experten aus 17 Ländern nahmen teil, einschließlich Nordamerika, Australien und Neuseeland. Beeindruckend waren die exzellenten Gastvorträge durch Prof. Mark Stoneking vom Max Plack Institut für Evolutionäre Anthropologie Leipzig und Prof. Gerhard Hindricks vom Leipziger Herzzentrum.

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