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Hamburg

Wenn der Wirbelsäulenkanal zu eng ist

Eine Wirbelkanalverengung zählt zu den häufigsten Erkrankungen der Wirbelsäule im Alter. Sie tritt besonders in der Lendenwirbelsäule oder der Halswirbelsäule auf. Patienten leiden unter Rückenschmerzen und ausstrahlenden Schmerzen in den Beinen.
Dr. Alexander Richter (links) und sein OP-Team am Mikroskop. Foto: Sven Brügmann

Spaziergang? Lieber nicht. Schon ein kurzer Weg ist mit Schmerzen verbunden. Keine 100 Meter können viele der Betroffenen mehr bewältigen. Quälende Schmerzen in den Beinen zwingen sie zum ständigen Stehenbleiben. Was im Volksmund „Schaufensterkrankheit“ heißt, hat als eine mögliche Ursache eine sogenannte Spinalkanalstenose – eine Verengung des Spinalkanals im Bereich der Lendenwirbelsäule.

„Das Bild der Spinalkanalstenose ist durch die demographische Entwicklung der Bevölkerung mehr und mehr zur Volkskrankheit geworden“, erklärt Privat-Dozent Dr. Ralf Hempelmann, Leitender Neurochirurg an der ENDO-Klinik Hamburg. „Ursache sind meist altersbedingte Bandscheiben- und Gelenkveränderungen in der Wirbelsäule.“

Gemeinsam mit seinem Kollegen Dr. Alexander Richter, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, führt Dr. Hempelmann jährlich rund 700 stationäre Eingriffe und etwa 2.500 ambulante Untersuchungen bei Wirbelsäulenpatienten durch. Das interdisziplinäre Ärzteteam der HELIOS ENDO-Klinik behandelt degenerative Erkrankungen der Wirbelsäule wie Bandscheibenvorfälle, Wirbelgleiten, Instabilitäten, Deformitäten sowie tumoröse, traumatische und entzündliche Wirbelsäulenerkrankungen und eben auch Wirbelkanalverengungen.

Das Rückenmark verläuft im Wirbelkanal, einer engen Röhre. Eine Struktur aus Knochen, Bindegewebe und Bändern ummantelt das weiche Rückenmark und im Bereich der Lendenwirbelsäule die Nervenwurzeln, die in die Beine ziehen. Bei starken degenerativen Veränderungen der Lendenwirbelsäule entstehen Knochenauswüchse an den Wirbelgelenken und Wirbelbögen, die den Wirbelkanal ganz erheblich einengen können. Dem Rückenmark und den Nerven fehlt dann der notwendige Raum. „Und ein verengter Wirbelkanal hat Auswirkungen auf die Beine. Diese Auswirkungen sind denjenigen von Durchblutungsstörungen ähnlich: Ein Bein oder beide Beine beginnen beim Gehen zu schmerzen und die Strecken, die der Betroffene zurücklegen kann, werden kürzer“, erklärt Dr. Alexander Richter. Insbesondere, wenn die Wirbelsäule aufgerichtet wird, kommt es zu Schmerzen im unteren Rücken, die bis in die Beine ausstrahlen können.

In schweren Fällen können Muskelschwächen in den Beinen und Empfindungsstörungen auftreten. Das wiederholte Stehenbleiben, dem die „Schaufensterkrankheit“ ihren Namen verdankt, sorgt für eine kurzzeitige Verbesserung. Typisch ist die Besserung der Symptome bei einer Gangpause und vorn übergeneigter Haltung (Aufrichtung der Lendenwirbelsäule und damit Erweiterung des Wirbelkanals). Dieses erklärt auch das Phänomen, dass die Patienten häufig in der Lage sind, uneingeschränkt Fahrrad zu fahren. Eine Einengung des Spinalkanals kann jedoch auch ohne Beschwerden vorliegen. Ärzte sprechen dann von einer klinisch „stummen“, bzw. kompensierten Einengung, bei der kein ärztlicher Handlungsbedarf besteht.

Die Schwere der Hauptsymptome kann deshalb nicht den Grad der gefundenen Stenose hervorsagen. Zur Bestätigung der Diagnose der Wirbelkanalverengung dienen bildgebende Verfahren wie die Magnet-Resonanz-Tomografie (MRT) und, falls diese nicht möglich ist, die Computertomografie (CT).

Die Symptome lassen sich manchmal mit konservativen Methoden lindern, wobei die Möglichkeiten durch die nicht zu behebende Ursache (knöchern- und weichteilbedingte Enge) eingeschränkt sind.

Neben krankengymnastischen Übungen können Wärmeanwendungen, Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente Beschwerden abmildern. „Wenn eine konservative Therapie nicht zur Verbesserung führt, so ist die operative Erweiterung des Wirbelkanals indiziert“, erklärt Dr. Ralf Hempelmann. Dieses wird mikrochirurgisch durchgeführt ohne die Stabilität des Bewegungssegmentes zu gefährden. Hierdurch sind diese risikoarmen Operationen auch im hohen Alter möglich. Rund vier bis acht Wochen nach der Operation kann der Patient meist wieder normale Alltagstätigkeiten erledigen.

Bei den über 65-Jährigen ist die operative Behandlung einer symptomatischen Spinalkanalstenose der häufigste operative Eingriff an der Wirbelsäule. Wissenschaftliche Studien konnten zeigen, dass operierte Patienten über einen Zeitraum von mindestens vier Jahren im Vergleich zu den konservativ behandelten Patienten profitieren.

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