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Arbeiten im Ausnahmezustand

"Man muss die Arbeit definitiv mögen"

Was reizt Mediziner eigentlich an der Notfallmedizin? Wir haben nachgefragt! Alter Hase und junge Nachwuchsmedizinerin im Interview.
Zwei Ärzte im Gespräch
Prof. Dr. Christian Wrede, Chefarzt der Notfallmedizin im Helios Klinikum Berlin-Buch, und Assistenzärztin Simona Koprdova im Austausch. (Foto: Thomas Oberländer)

Prof. Dr. med. Christian Wrede, Chefarzt der Notfallmedizin im Helios Klinikum Berlin-Buch, ist seit über 20 Jahren leidenschaftlicher Notarzt. Er engagiert sich im Bereich Weiterbildung für Notfallmediziner und setzt dabei deutschlandweit einen neuen Maßstab in dieser Ausbildung. Seine Kollegin, Assistenzärztin Simona Koprdova, ist seit fast zwei Jahren in der Notfallmedizin tätig. Was reizt Mediziner eigentlich an der Notfallmedizin? Alter Hase und junge Nachwuchsmedizinerin im Interview.

1. Gibt es spezielle Eigenschaften, die ein Notfallmediziner mitbringen muss? Was für ein Typ Mensch muss man für diesen Beruf sein?

Koprdova: Man muss schnell, effektiv und unter Druck arbeiten können. Ja, man muss die Arbeit definitiv mögen.

Prof. Wrede: Ich glaube schon, dass man ein gewisser Typ für die Notfallmedizin sein muss. Interdisziplinäres Denken und Neugier, zupackendes, aber reflektiertes Handeln sowie Empathie für die Patienten und ihre Schicksale sind hilfreiche wie gleichermaßen notwendige Eigenschaften für einen guten Notfallmediziner.

2. Was reizt Sie an Ihrem Beruf besonders?

Koprdova: Mich reizt vor allem die Vielfalt, die Suche nach der richtigen Diagnose, die Möglichkeit etwas relativ schnell zu bewirken…zu verändern.

3. Was bringt Sie selbst an Ihre Grenzen?

Simona Koprdova: Die Nachtdienste am Wochenende.

Prof. Wrede: Notfallmedizin findet rund um die Uhr statt. Zwei Drittel der Patienten kommen außerhalb der regulären Arbeitszeiten. Die Dienstbelastung der dauerhaft in der klinischen Notfallmedizin tätigen Kollegen ist daher sehr hoch. Leider haben wir noch keine guten Lösungen, wie die Notaufnahme trotz allem auch dauerhaft ein attraktiver Arbeitsplatz sein kann. Das ist eine der Grenzen, die ich wahrnehme und die für mich schwierig zu überwinden ist.

4. Wie kamen Sie zu der Entscheidung die Richtung als Notfallmediziner einzuschlagen? War das schon immer ein Traum von Ihnen?
Simona Koprdova
Assistenzärztin Simona Koprdova im Interview (Foto: Thomas Oberländer)

Koprdova: Im Rahmen meiner internistischen Weiterbildung musste ich mehrere Stationen durchlaufen und schließlich habe ich festgestellt, dass mir die Notfallmedizin am besten gefällt.

Prof. Wrede: Als ich vor über 20 Jahren als Assistenzarzt etwa ein Jahr in der internistischen Notaufnahme des Universitätsklinikums Regensburg tätig war, hat mich bereits das breite Spektrum der Medizin in einer Notaufnahme fasziniert. Damals waren Notaufnahmen aber noch fest den Fachgebieten zugeordnet, eine Karriere primär in der klinischen Notfallmedizin damals in Deutschland undenkbar. Dies hat sich erfreulicherweise in den letzten Jahren geändert.

5. Ein Notarzt sieht in seiner Laufbahn viele schlimme Dinge, kommt in Grenzsituationen. Wie lernen Sie, diese Erlebnisse emotional zu verarbeiten?

Koprdova: Ich versuche durch Gespräche mit meinen Kollegen und Freunden sowie regelmäßigen Sport Erlebtes zu verarbeiten.

Prof. Wrede: Es gibt immer wieder emotional berührende Fälle, über die man noch lange nachdenkt. Es hilft mir in solchen Fällen durchaus, die medizinischen Abläufe zu rekapitulieren und mich zu fragen, ob ich zukünftig persönlich oder auch in den generellen Abläufen der Klinik etwas besser machen kann. Letztlich muss jeder aber lernen, sich solche Ereignisse nicht zu sehr zu Herzen zu nehmen.

6. Was würden Sie dem medizinischen Nachwuchs mit auf den Weg geben?
Chefarzt Prof. Dr. Christian Wrede im Interview (Foto: Thomas Oberländer)

Prof. Wrede: Es ist mittlerweile möglich, mit der Zusatzbezeichnung „Klinische Notfall- und Akutmedizin“ in Berlin eine spezielle Qualifikation vor allem für die interdisziplinäre Notfallversorgung zu erwerben. Diese Zusatzweiterbildung ist 2018 auch in die Musterweiterbildungsordnung der Bundesärztekammer aufgenommen worden und wird auch in anderen Bundesländern Einzug halten. Die klinische Notfallmedizin ist ein junges Fach. Diese Qualifikation ist ein erster Schritt, die Notfallmedizin zunehmend professioneller aufzubauen. Je mehr Ärzte, aber auch Pflegende, die mit der Notfallpflege ebenfalls eine eigenständige Qualifikation erwerben können, daran mitarbeiten, desto besser ist es am Ende für die Patienten. Aus diesem Grund rate ich jungen Ärzten zu dieser Weiterbildung.

Ausbildung im Bereich Notfallmedizin bei Helios:

Als Vorreiter hat die Berliner Ärztekammer 2014 die Zusatzbezeichnung „Klinische Notfall- und Akutmedizin“ in die Weiterbildungsordnung mit aufgenommen.

Diese insgesamt 36-monatige Weiterbildung dient der Erlangung fachlicher Kompetenzen in der klinischen Notfall- und Akutmedizin. Eine vorhandene Facharztkompetenz wird damit um die interdisziplinäre klinische Diagnostik und Behandlung von Notfall- und Akutpatienten ergänzt.

Voraussetzung zur Erlangung der Zusatzbezeichnung „Klinische Notfall- und Akutmedizin“ ist die Facharztanerkennung in einem Gebiet der unmittelbaren Patientenversorgung (z.B. Chirurgie oder Innere Medizin).

Mittlerweile ist die Zusatzweiterbildung in die Musterweiterbildungsordnung eingeflossen und wird deutschlandweit auf den Weg gebracht.

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