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Neurologie-Chefarzt gibt Rat:

Behandlungsmöglichkeiten bei Epilepsie

Epilepsien sind eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen. Jedes Jahr sind 40-70 Menschen von 100.000 Einwohnern betroffen. Ein Drittel der plötzlichen Krampfanfälle tritt erstmals jenseits des 60. Lebensjahres auf.
Diagnosesicherung durch Elektroenzephalografie (EEG)
Diagnosesicherung durch Elektroenzephalografie (EEG) I Foto: Helios

Zum Europäischen Tag der Epilepsie am 11. Februar 2019 macht das Helios Hanseklinikum Stralsund auf die Erkrankung aufmerksam.

„Die Ursachen für eine Epilepsie sind vielfältig. Sie entstehen durch Hirnveränderungen, bei denen die elektrische Erregbarkeit erhöht ist", erklärt Prof. Jörn Peter Sieb, Chefarzt der Neurologie am Hanseklinikum. Die Erscheinungsformen einer Epilepsie variieren je nach Ursprungsort im Gehirn. Sie reichen von wenigen Sekunden andauernden Aussetzern (Absencen) über Zuckungen einer Extremität bis hin zu komplexen Bewegungs- und Bewusstseinseinschränkungen.

Hirnschäden durch unfallbedingte Verletzungen, Entzündungen oder Tumore können eine Epilepsie auslösen. Oft ist die Ursache aber nicht eindeutig. „Jeder Zehnte erlebt bis zu seinem 80. Lebensjahr einmal einen epileptischen Anfall. Er ist also keineswegs eine Seltenheit", sagt Doreen Mundt, Oberärztin der Neurologie in Stralsund. Etwa ein Prozent der Bevölkerung in Deutschland hat eine aktive Epilepsie. Ein einzelner epileptischer Anfall bedeutet jedoch noch nicht, dass eine Epilepsie besteht. Die Diagnose hängt insbesondere von der Wahrscheinlichkeit eines weiteren Anfalls, der Wiederholungswahrscheinlichkeit, ab. Sie ist auch das entscheidende Kriterium bei der ärztlichen Beurteilung der Fahrtauglichkeit von Epilepsie-Patienten.


Diagnosesicherung durch Elektroenzephalografie (EEG)


Um die Diagnose einer Epilepsie zu stellen, sind genaue Informationen zum Ablauf des Anfalls besonders wichtig. Der Betroffene hat häufig keine Erinnerung daran. Deshalb ist eine genaue Beschreibung zum Beispiel durch Angehörige oder sogar die Videodokumentation hilfreich. „Häufig ist die Diagnosefindung direkt eindeutig. Gelegentlich ist es jedoch überaus schwierig, zum Beispiel ein Herz-Kreislauf-Problem und einen epileptischen Anfall zu unterscheiden", erläutert Prof. Sieb. Mittels EEG sind die Mediziner in der Lage, die elektrische Aktivität des Gehirns zu messen. Das Ergebnis sei aber immer nur eine Momentaufnahme. Ein unauffälliges EEG schließe keineswegs epileptische Anfälle aus, macht die Oberärztin deutlich. Es gebe bestimmte Methoden, um die diagnostische Trefferquote zu erhöhen. Dies ist zum Beispiel das EEG nach einer durchwachten Nacht oder die Langzeitaufzeichnung auch über Tage hinweg.


Epilepsien behandeln

Die Lebensqualität eines Epileptikers hängt maßgeblich von seinen Anfällen ab. Um eine Anfallsfreiheit zu erzielen, steht dem behandelnden Arzt ein großes Spektrum von gut wirksamen und verträglichen Epilepsie-Medikamenten zur Verfügung. Die Auswahl erfolgt dabei individuell auf die Bedürfnisse und Nebenerkrankungen des Patienten angepasst. Darüber hinaus ist bei einigen Patienten die Epilepsie-Chirurgie eine aussichtsreiche Option. Bei der Vagusstimulation wird ein bestimmter Nerv, vergleichbar mit der Situation bei einem Herzschrittmacher, stimuliert, um die Anfallsbereitschaft zu mindern.

Erwiesen ist, dass eine gesunde Lebensführung mit ausreichend Schlaf und der regelmäßigen Einnahme der entsprechenden Medikamente die Gefahr von Anfällen deutlich reduzieren kann.


Wenn es doch zu einem Anfall kommt

„Epileptische Anfälle sind für den Laien meist überaus beeindruckend und es ist schwierig, das Richtige zu tun. Bevor der Notarzt gerufen wird, ist es besonders wichtig, den Betroffenen vor Verletzungen zu schützen. Der Patient sollte dabei aus dem Gefahrenbereich gebracht und sein Kopf geschützt werden", informiert die Neurologin zur Ersten Hilfe bei einem Anfall. Die Atemwege seien zudem unbedingt freizuhalten, wobei Beißkeile der Vergangenheit angehören. Für die Patienten ist es im Nachgang hilfreich, wenn der Hilfeleistende auf die Uhr geschaut hat. So lasse sich die Länge des Anfalls für den behandelnden Arzt dokumentieren. Notfallmedikamente erhalten Patienten und deren Familien nur in Ausnahmefällen.

Im Hanseklinikum werden jährlich ca. 150 Patienten als Notfall nach einem epileptischen Anfall stationär aufgenommen. Häufig wird dann erst die Diagnose einer Epilepsie gestellt und eine gezielte Therapie eingeleitet. Anders als vielfach angenommen, beginnen Epilepsien häufig erst im fortgeschrittenen Erwachsenenalter zum Beispiel nach einem erlittenen Schlaganfall.

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