Regionen
Nachrichten aus Ihrer HELIOS Region.

Eine Visite der besonderen Art

Rote Nasen schenken ein Lachen

Lachen macht gesund, so das Sprichwort. Und auch wenn es nicht immer Heilung bringen kann, so tut es dennoch gut und lässt einen die Sorgen des Alltags vergessen, ob auf der Kinder- oder Palliativstation.
Mandarine und Petronella auf ihrer Visite der besonderen Art.

Wer im Krankenhaus liegt, hat meist nicht viel Grund zu lachen. Farbe in den meist grauen Krankenhausalltag bringen Mandarine, Petronella und Socke. Wer sie sind? Clinic-Clowns. Einmal die Woche besuchen sie für mehrere Stunden die HELIOS Kliniken in Uelzen und Hildesheim. Während Mandarine die Uelzener Kinderstation aufmischt, sind Petronella und Socke in Hildesheim zusätzlich auch noch auf der Palliativstation unterwegs.

Chefarzt Dr. Swen Geerken gratuliert Katrin Behr alias Mandarine zum zehnjährigen Jubiläum. Clown-Kollegin Petronella feierte mit.

Humor hat viele individuelle Facetten

Wenn Katrin Behr in die Rolle von „Mandarine“ schlüpft, dann ist an ihr vieles orange: Mütze, Weste, Tasche, ein Ringelsöckchen. Ihre Haare glänzen bei ihren Auftritten Silber, die Clownsnase leuchtet knallrot. Bereits seit zehn Jahren besucht die gelernte Krankenschwester und Ergotherapeutin die Kinderstation des Uelzener Klinikums. Immer dabei: ein kleiner Rollwagen, prallgefüllt mit Luftballons, Seifenblasen-Lauge, Handpuppen, Stofftieren, einem Kartenspiel und vielem mehr. Doch was genau passieren wird, wenn sie die Tür zu einem Patientenzimmer öffnet, weiß Katrin Behr vorher nie: „Bevor ich die jungen Patienten besuche, erfolgt immer eine Übergabe mit dem Pflegeteam, nach den Besuchen gibt es eine zweite Besprechung, in der ich dann berichten kann, welche besonderen Wünsche oder Ängste die jungen Patienten und ihre Eltern haben.“ Die Zeit dazwischen ist immer individuell und einzigartig. Spontan entscheidet Mandarine, welches ihrer Hilfsmittel in den nächsten Minuten zum Einsatz kommt. Spielen, Basteln, Gesang, Zauberei, gemeinsames Geschichten erfinden – die Möglichkeiten, die sich ihr bieten, sind zahlreich.

Der Humor hat dabei viele, individuelle Facetten: Mal handelt Mandarine robust, mal ganz zart und leise. Und doch haben ihre Begegnungen mit den kleinen Patienten immer die gleiche Grundlage: Offenheit, Mitgefühl und ehrliches Interesse am Gegenüber. Ihre spielerische Arbeit kommt dabei sogar der alltäglichen Arbeit der Kinder- und Jugendabteilung zu Gute. „Sie lässt Kinder die Station als einen Ort erleben, an dem natürlich auch Platz für Freude und Zwischenmenschliches ist. Ich bemerke dabei immer wieder, dass sich mit Witz und Lachen schnell emotionale Brücken bauen lassen“, erklärt Chefarzt Dr. Swen Geerken. „Ängsten beugt der Clinic-Clown spielerisch vor, so dass unsere Patienten dann weniger, im Idealfall sogar gar keine Angst mehr vor der Behandlung im Krankenhaus haben.“

Mit Charme und Witz Brücken bauen: Im Idealfall nehmen die Klinikclowns Angst vor Behandlungen.

Schmerzen, Ängste und Sorgen für kurze Zeit vergessen machen

Mit Ängsten ganz anderer Art befassen sich Anke Küpper und Antje Kilian. Als „Petronella“ und „Socke“ besuchen sie regelmäßig die Palliativstation des HELIOS Klinikums Hildesheim. Seit  2001 steht für die ausgebildete Krankenschwester Anke Küpper als „Petronella“ donnerstags die „Clownsvisite“ im Klinikum an, die Theaterpädagogin Antje Kilian alias „Socke“ ist seit 2010 mit dabei. Die beiden erfahrenen Clowns kommen mit leisen Tönen in die Zimmer der Patienten, aber mit viel Empathie, Kraft und Optimismus. Durch ihr Spiel und die Kontaktaufnahme geraten Schmerzen, Ängste und Sorgen für kurze Zeit in Vergessenheit. Sie bringen Leichtigkeit in den schweren Alltag. Nicht nur für die Patienten, auch für deren Angehörige. Das erfordert besonderes Wissen um die Bedürfnisse von Menschen in der letzten Lebensphase in der funktionale Maßnahmen dominieren. Hier, unmittelbar zwischen Leben und Tod, erfahren sie oft die intensivsten Momente mit unheilbar kranken und sterbenden Menschen sowie ihren Angehörigen. Die Menschen sind meist sehr dankbar für die Besuche der Clowns, denn sie sind weder Angehörige, Pfleger oder Seelsorger. Sie wollen nichts von dem Menschen und das ermöglicht den zwanglosen Kontakt auf Augenhöhe.

„Lachen mit den Clowns bedeutet Ablenkung von Schmerzen, Angst und Heimweh und bringt stattdessen Spaß und Freude ins Haus. Humor besitzt eine große Kraft und bewirkt in der Sterbebegleitung viel Positives. Besuchen die Clinic-Clowns die Station ist die Stimmung anfangs gedrückt, aber nach einigen Minuten hat sich die Atmosphäre häufig geändert. Sie schaffen ein Stück Vergessen in den Zimmern und entführen die Patienten in eine andere Welt. Auch die Angehörigen erleben durch den Besuch der Clowns Abwechslung und Entlastung in einer schwierigen Situation. Nach dem Besuch hat man das Gefühl, es ist etwas von der Schwere gewichen“, sagt Prof. Dr. Frank Schmitz, Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie, Onkologie, Palliativmedizin, Rheumatologie, Infektiologie, Diabetes und Stoffwechsel am HELIOS Klinikum Hildesheim.

„Mandarine“, „Petronella“ und „Socke“ sind Mitglieder im Clinic-Clowns Hannover e.V., www.clinic-clowns-hannover.de. Der Verein unterstützt 18 Krankenhausclowns in Niedersachsen, deren Arbeit über Spenden mitfinanziert wird.

zurück zur Übersicht

Das könnte Sie auch interessieren:

Keine Angst im Krankenhaus

Mit „Bruno“ gegen Kindertränen

Seit nun schon zehn Jahren besuchen regelmäßig Gruppen aus Kindergärten das Projekt „Keine Angst im Krankenhaus“ im HELIOS Klinikum Uelzen. Als Teddydoktor entdecken die Fünf- bis Sechsjährigen die so genannte bundesdeutsche Rettungskette und versorgen Teddy „Bruno". mehr...

Als Ärztin in Afrika

Karibu Tansania – Herzlich willkommen in Tansania

Die Assistenzärztin Dr. Annika Sandbaumhüter vom HELIOS Klinikum Hildesheim hat zusammen mit ihrem Mann 14 Monate in einem afrikanischen Missionskrankenhaus gearbeitet und ihre Patienten dort unter einfachsten Bedingungen behandelt. mehr...

Ungewöhnliche Operation

"Ein handfestes Wunder"

Der 11-jährige Hamid aus Afghanistan kann endlich wieder stehen und gehen. Im HELIOS Klinikum Hildesheim gelang es, seine verkohlte Kniescheibe mit einer komplexen Lappenplastik zu ersetzen. mehr...