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Tiergestützte Therapie

Paul – Therapeut auf vier Pfoten

Treue Augen, weiches Fell und eine feuchte Nase: Golden Retriever Paul ist der erste tierische Mitarbeiter am Helios Klinikum Hildesheim. Gemeinsam mit seiner Besitzerin Simone Siemke, Familien-, Gesundheits- und Kinderkrankenpflegerin im Bunten Kreis, ist der Vierbeiner in der tiergestützten medizinischen Behandlung im Einsatz.
Therapiehund Paul bringt Abwechslung in den Klinikalltag | Fotocredit: Chris Gossmann

Seit November 2018 bringen der zweieinhalbjährige Rüde und seine Besitzerin Simone Siemke Abwechslung in den Klinikalltag: Zwei- bis dreimal wöchentlich ist das Team im Bereich der Geriatrie, Kinderpsychosomatik oder auf der Palliativstation für die Patientinnen und Patienten im Einsatz, um deren medizinische Behandlung zu unterstützen. Hunde wirken sich nachweislich positiv auf die Gefühlswelt von Menschen aus – sie sind unvoreingenommene, bedingungslose und wertungsfreie Wegbegleiter. Erkrankte Menschen können im Umgang mit einem Therapiehund Gefühle wie Glück, Zuneigung und Verantwortung für sich wiederentdecken. Sie überwinden Ängste und steigern ihre kognitiven Fähigkeiten. Ob bei körperlichen oder psychischen Erkrankungen – die Krankheitsbilder, bei denen die tiergestützte Therapie anwendbar ist, sind vielfältig. Voraussetzung ist immer, dass der Patient nicht ängstlich oder allergisch auf Hunde reagiert und sich vorher mit dem Besuch von Paul einverstanden erklärt hat.

Eisbrecher, Tröster und Spielkamerad
Fotocredit: Chris Gossmann

„Auf der Kinderstation können die Kleinen dem Vierbeiner zum Beispiel Kommandos geben, ihm Tricks beibringen oder ihn belohnen. Einige der Kinder besitzen ein geringeres Selbstbewusstsein – im Umgang mit dem Hund vergessen sie jedoch alles um sich herum und gehen aus sich heraus“, so Simone Siemke. Auch kognitive und motorische Übungen für ältere oder demente Menschen hat Paul in der Ausbildung erlernt und bereits erfolgreich an seinen Patienten in der Geriatrie anwenden können.

Sein bisher schwerster Job? „Gleich zu Anfang bat eine Patientin der Palliativstation darum, noch einmal einen Hund streicheln zu dürfen“, so Besitzerin Simone Siemke. „Hier war nicht – wie so oft – Pauls Mobilität, sondern sein ruhiges Gemüt gefragt. So lag er eine halbe Stunde ruhig bei der Dame im Bett und ließ sich streicheln. Im Zimmer war es zudem sehr warm. Das auszuhalten, war für ihn eine große Herausforderung, die er gut gemeistert hat.“

Der Klinikalltag ist für Paul also nicht nur Spaß, sondern auch eine anstrengende Aufgabe – sowohl körperlich als auch emotional. In seinem Arbeitsvertrag ist daher klar geregelt, wie lange und wie oft er arbeiten und wann er eben einfach nur Hund sein darf. In der freien Zeit genießt er sein Hundeleben in vollen Zügen – insbesondere bei langen Spaziergängen mit seiner Besitzerin oder beim Spielen und Toben.

Gezielt ausgebildet
Therapiestunden inklusive Streicheleinheiten | Fotocredit: Chris Gossmann

Therapiehunde werden nach strengen Kriterien ausgewählt und ausgebildet. „Generell ist jede Rasse dafür geeignet. Wichtig ist nur, dass kein Aggressionspotential vorliegt und Herrchen und Hund einander vertrauen können“, so Siemke.

Auch Paul nimmt seit Juli 2017 an der Therapiehundeausbildung in einer Hildesheimer Hundeschule teil, die er im Januar 2019 beenden wird. In der zwanzigmonatigen Ausbildung, die praktische und theoretische Grundlagen für Hund und Halter umfasst, werden die wichtigsten Eigenschaften des Vierbeiners getestet. Dazu zählen unter anderem die Stressresistenz, der Grundgehorsam oder die Geduld des Hundes.

Wichtig: Einhaltung von Hygienemaßnahmen

Für gewöhnlich sind Therapiehunde eher in Schulen, Kindergärten, Jugendzentren, psychologischen Einrichtungen oder auch in Justizvollzugsanstalten anzutreffen. In Krankenhäusern gibt es deutschlandweit bisher nur sehr wenige Therapiehunde – in Hildesheim und Umgebung ist Paul der Erste. Aus hygienischen Gründen ist das Mitführen von Tieren in Krankenhäusern grundsätzlich nicht erlaubt. Der Aufenthalt von Paul stellt eine absolute Ausnahme dar und ist nur unter strengsten Hygieneauflagen und der Einhaltung einer klar geregelten Wegeführung möglich. Paul muss zudem ein tierärztliches Gesundheitsattest vorweisen sowie regelmäßig geimpft, entwurmt, gebadet und gebürstet werden. Vor und nach jedem Kontakt mit dem Hund werden Hände und Flächen zum Schutz von Mensch und Hund gründlich desinfiziert.

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