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Neue Studie

Männergrippe: Leiden Männer wirklich mehr als Frauen?

In der Werbung wird bestätigt, was viele Frauen kennen: Bereits beim kleinsten Kribbeln in der Nase wird das selbst ernannte starke Geschlecht zu einem pflegebedürftigen Häufchen Elend. Alles Schauspielerei oder gibt es wirklich triftige Gründe dafür?
Männergrippe: Schuld sind die Hormone. © andriano_cz / Fotolia

Eine aktuelle wissenschaftliche Studie der John Hopkins University in Baltimore ist dem Mythos Männergrippe unvoreingenommen auf den Grund gegangen und hat Anhaltspunkte dafür gefunden, dass kränkelnde Männer nicht nur simulieren. Verantwortlich dafür ist das weibliche Hormon Östrogen, welches bei Männern nicht so zahlreich vorhanden ist. „Unser Immunsystem wehrt sich mit zwei verschiedenen Arten von Immunzellen gegen Krankheitserreger. Den Unspezifischen und den Spezifischen, quasi den Expertenzellen“, erklärt Dr. Stefan Köppen, Infektiologe und Chefarzt der Klinik für Gastroenterologie und Onkologie des Helios Klinikums Hildesheim. Von diesen Expertenzellen braucht jeder Körper Millionen, um Krankheitserreger bekämpfen zu können. Die Studien belegen, dass das weibliche Hormon Östrogen die Vermehrung der Zellen unterstützt und dabei nicht nur gegen bestimmte Grippeviren wirkt, sondern beispielsweise auch gegen Ebola und Hepatitis. Das männliche Hormon Testosteron verlangsamt diesen Prozess hingegen sogar. Das Immunsystem der Männer reagiert daher nicht so schnell und aggressiv auf Erreger wie das von Frauen. 

Ein Test hat gezeigt, dass auch die Zugabe von Östrogenen das männliche Immunsystem nicht aktiver werden lässt. „Männer sind genetisch bedingt einer höheren Viruslast ausgesetzt als Frauen“, so Dr. Köppen. Eine eigene „Männergrippe“ gibt es demnach zwar nicht, auch die Krankheitssymptome unterscheiden sich zwischen den Geschlechtern nicht. „Männer zeigen jedoch eine schwächere Immunantwort und sind daher anfälliger“, erklärt Dr. Köppen. „Auch Grippeimpfungen schlagen tendenziell schwächer an als bei Frauen.“

Haben Frauen die besseren Gene?
Eine gesunde Ernährung stärkt das Immunsystem.

Warum Frauen und Männer anders auf das Hormon Östrogen reagieren, lässt sich bisher nur vermuten. Das weibliche Immunsystem ist wahrscheinlich auf besonders hohen Schutz ausgelegt – und das nicht nur für die eigene Person. „Das menschliche Immunsystem hat sich über Jahrmillionen entwickelt“, erläutert Dr. Anna-Maria Kacprzyk, Chefärztin der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe am Helios Klinikum Salzgitter. „Bereits in der Steinzeit, als die Menschen noch in Höhlen lebten, mussten Frauen das ungeborene und neugeborene Kind besonders schützen. Vor diesem Hintergrund hat sich auch ihr Immunsystem entwickelt.“ Männer investierten ihre Energie eher in Wachstum und Fortpflanzung und damit auch in einen hohen Testosteronspiegel für ein aggressives Verhalten in Kämpfen, anstatt in das Immunsystem.

Ganz im Gegenteil könnte das besonders aktive weibliche Immunsystem sogar dazu führen, dass Frauen sich bei Krankheit besonders elend fühlen. „Fieber, Entzündungen oder auch Reaktionen des Körpers nach einer Grippeimpfung sind sozusagen Nebenwirkungen einer gesunden Immunabwehr. Frauen klagen hier tendenziell öfter über Beschwerden als Männer, widmen diesen aber oft weniger Aufmerksamkeit“, stellt Dr. Kacprzyk fest.

Was tun bei „Männergrippe"?
Besonders ältere Menschen sind bei einer Grippeerkrankung gefährdet.

Werden Männer von einer Grippeerkrankung heimgesucht, sollten sie sich auskurieren. Das gilt natürlich auch für Frauen. „Egal ob Mann oder Frau, generell gilt, dass sich vor allem Menschen im höheren Alter mit einer Grippe besonders schonen sollten, denn sie sind schneller körperlich geschwächt. Besonders wichtig ist es, viel zu trinken, bevorzugt Wasser oder Tee. Auch eine gesunde, vitaminreiche Ernährung stärkt den Körper und hilft ihm wieder fit zu werden“, so Konstantin Lekkos, Chefarzt der Klinik für Altersmedizin des Helios Klinikums Hildesheim. Sofern es das Befinden zulässt, bringen Spaziergänge an der frischen Luft den Körper wieder in Schwung. Die typerscherweise bei einer Männergrippe eingeforderte Fürsorge vom Partner darf natürlich auch nicht fehlen – „Das mögen aber auch Frauen“, so Dr. Lekkos.

„Unabhängig von den vermeintlichen genetischen Risikofaktoren leben Männer risikoreicher. Sie achten im Allgemeinen weniger auf eine gesunde Ernährung und impfen sich unregelmäßiger als Frauen“, betont Dr. Lekkos. „Daher appelliere ich an euch, liebe Männer, achtet auf eure Gesundheit.“

Mehr Informationen zur Studie gibt es unter:
Jackye Peretz, Andrew Pekosz, Andrew P. Lane, and Sabra L- Klein (John Hopkins University, Baltimore). Estrogenic compounds reduce influenza A virus replication in primary human nasal epithelial cells derived from female, but not male, donors. 2016. https://doi.org/10.1152/ajplung.00398.2015

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