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Nach schwerer Lungenentzündung

„Ich will wieder zurück auf die Bühne!“

Kardiologen des Helios Klinikums Erfurt therapieren Mundharmonika-Virtuosen aus Erfurt
Schon zu DDR-Zeiten war Gerhard Werner ein Meister auf der Mundharmonika - lange vor dem Erfolg des Castingshow-Siegers Michael Hirte.

Noch einmal ein Konzert vor großem Publikum spielen – das ist der große Wunsch von Mundharmonika-Solist Gerhard Werner. Bis vor kurzem fehlte dem 81-Jährigen dafür allerdings die nötige Luft. Ende Oktober stand es um seine Gesundheit schlecht. Werner hatte Probleme beim Atmen, ihn plagten wiederkehrendes Fieber und Wassereinlagerungen am gesamten Körper. Seine Hausärztin überwies ihn umgehend zur Behandlung ins Helios Klinikum Erfurt. Hier diagnostizierten die Experten bei Werner eine Lungenentzündung, die in Verbindung mit einer bereits bekannten Herzschwäche und einer chronischen Lungenerkrankung besonders schwer war. „Herr Werner kam in einem sehr schlechten Gesundheitszustand zu uns. Einfache Tätigkeiten wie Treppen steigen waren zu Beginn seiner stationären Aufnahme kaum möglich“, sagt Matthias Werner, Assistenzarzt der Kardiologie und zufälliger Namensvetter des Patienten. „Bei der Behandlung haben wir uns auf eine medikamentöse Therapie konzentriert. Sie sollte die Entzündungswerte in seinem Körper senken und die Herz- und Nierenfunktionen wieder stabilisieren.“

Während seines Krankenhausaufenthalts schöpfte Gerhard Werner Kraft aus dem täglichen Üben auf seiner Mundharmonika.

Therapie und stationärer Krankenhausaufenthalt machten dem leidenschaftlichen Musiker zu schaffen. Nicht nur körperlich, sondern auch psychisch: Die Hoffnung schwand,., noch einmal aus voller Brust Mundharmonika spielen zu können. Eine Passion, die ihn das ganze Leben begleitet hat. „Ich bekam keinen Ton mehr raus. Mir fehlte einfach die Luft“, blickt Gerhard Werner zurück. „Während ich im Krankenbett lag, hatte ich immer Musik im Kopf und dachte bei mir: Ich muss hier raus, ich muss auf die Bühne!“

Lange vor dem Erfolg des Castingshow-Siegers Michael Hirte gehörte Gerhard Werner zu den besten Mundharmonika-Solisten der Welt. Mit zehn Jahren bekam er seine erste Mundharmonika. Voller Begeisterung entwickelte er seine technischen Fähigkeiten weiter und erlernte das Spielen nach Noten. Seit den späten 1950er Jahren trat er öffentlich auf. Ab 1960 übernahm der gebürtige Erfurter das bereits bestehende Mundharmonika-Trio „Staccato“, mit dem er über die DDR-Grenzen hinaus Bekanntheit erlangte. Seit Anfang der 80er Jahre wurde er regelmäßig für Rundfunk- und Filmmusikaufnahmen sowie zahlreichen CD-Einspielungen engagiert. „Es gab Zeiten, da hatte ich mehr als 450 Auftritte im Jahr. Nach 10.000 Auftritten hatte ich dann irgendwann aufgehört zu zählen“, berichtet der Mundharmonika-Virtuose mit strahlendem Lächeln.

Besonders stolz ist Gerhard Werner auf seine Ende der 1990er Jahre veröffentlichten CDs.

Nach vier Wochen Krankenhausaufenthalt dann ist endlich wieder Hoffnung. Werners Körper hat sich erholt. Und er wagt einen Versuch: Ein kurzes Stück auf der Mundharmonika – es gelingt. Die Lunge macht mit. „Der Gesundheitszustand von Herrn Werner hat sich im Laufe der Therapie stabilisiert und deutlich verbessert“, resümiert Assistenzarzt Matthias Werner.

Ob der Musiker noch einmal auf der ganz großen Bühne steht, kann der Mediziner nicht vorhersagen. Aus medizinischer Sicht unterstützt er jedenfalls die Ambitionen seines Patienten: „Das Üben auf der Mundharmonika hat in den vergangenen Wochen seine Lungenflügel trainiert. Daran sollte er weiter anknüpfen – unabhängig davon, ob er noch einmal im Rampenlicht stehen wird.“ Eine Ermunterung, die sich Werner nicht zweimal sagen lässt. Ein Ständchen für das behandelnde Team, ein Ständchen für die Fans auf Facebook. Werner hat wieder Mut und gibt sich fast schon kämpferisch. „Ein bisschen üben noch. Dann schaffe ich vielleicht doch noch ein Konzert.“

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