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4. Welt-Pankreaskrebstag

Das vergessene Organ

Gut versteckt in der oberen Bauchhöhle, zwischen Milz, Leber und Magen, verrichtet ein kleines Organ tagein und tagaus seine Arbeit: die Bauchspeicheldrüse, in Medizinerkreisen Pankreas genannt.
„Die Bauchspeicheldrüse ist so unscheinbar, dass sie bei der Diagnostik oft außer Acht gelassen wird“, sagt Chefarzt Prof. Albrecht Stier (Foto: Fotolia)

Die Bauchspeicheldrüse produziert Verdauungsenzyme, die im Darm lebenswichtige Eiweiße, Kohlenhydrate und Fette spalten. Und sie produziert Hormone wie Insulin und Glukagon, die den Blutzuckerspiegel kontrollieren. Das tut sie ein Leben lang bestenfalls unbemerkt. Doch bei mehr als 16.500 Bundesbürgern im Jahr macht das etwa 60 Gramm schwere, 20 Zentimeter lange und drei Zentimeter breite Organ Probleme. Wird der Herd der Beschwerden nicht erkannt und wird nicht umgehend gehandelt, kann das dramatische Folgen haben. Denn insbesondere der Bauchspeicheldrüsenkrebs gehört zu den aggressivsten aller Krebsarten. Heilung ist statistisch leider nur bei jedem sechsten Patienten zu erwarten. Betroffenen bleibt in Abhängigkeit des Stadiums oft nur noch wenig Zeit.

Prof. Dr. med. Albrecht Stier, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie im Helios Klinikum Erfurt und Leiter des zertifizierten Darm- und Pankreaszentrums, gehört zu den renommiertesten Spezialisten, wenn es um Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse geht. Sprechen Patienten bei ihm vor, die in kurzer Zeit erheblich Gewicht verloren haben, sich im Alter plötzlich mit Diabetes konfrontiert sehen oder gar Anzeichen einer Gelbsucht zeigen, schrillen bei ihm alle Alarmglocken. „Die Bauchspeicheldrüse ist so unscheinbar, dass sie bei der Diagnostik oft außer Acht gelassen wird“, schildert Prof. Stier eines der größten Probleme, die die Mediziner mit der Erkrankung dieses Organs haben. Und das habe schwerwiegenden Folgen für die Patienten. Denn sowohl chronische Entzündungen als auch der gefürchtete Bauchspeicheldrüsenkrebs sind noch immer nur schwer behandelbar. „Dann braucht es das geballte Wissen vieler Experten, um die Lebensqualität der Betroffenen so lange wie möglich zu erhalten.“

Hand in Hand für die Gesundheit
Prof. Dr. med. Albrecht Stier, Chefarzt der Allgemein- und Viszeralchirurgie im Helios Klinikum Erfurt.

Im Darm- und Pankreaszentrum des Helios Klinikums Erfurt arbeiten u.a. Allgemein- und Viszeralchirurgen, Internisten, Radiologen, Onkologen und Palliativmediziner eng zusammen. Regelmäßig lassen sie ihre Prozesse von externen Spezialisten prüfen. „Die Zertifizierung durch die Deutsche Krebsgesellschaft ist für Betroffene ein sicheres Indiz dafür, dass sie hier in guten, in qualifizierten Händen sind“, begründet Prof. Stier, warum sich das Team jährlich der akribischen Prüfung unterzieht.

Bis zu 50 Frauen und Männer, in aller Regel im Alter von 50 bis 70 Jahren, werden pro Jahr im Erfurter Darm- und Pankreaszentrum wegen einer chronischen Bauchspeicheldrüsenentzündung oder wegen Bauchspeicheldrüsenkrebs behandelt. Hat der Tumor die Organgrenzen überschritten, kann eine Vorbehandlung mit Radio- oder Chemotherapie zur Schrumpfung der Geschwulst und zur anschließenden Operation führen. Ist der Tumor auf die Bauchspeicheldrüse begrenzt und hat nicht in andere Organe gestreut, planen die Allgemeinchirurgen eine der anspruchsvollsten Operationen, die es heutzutage gibt: Bis zu sieben Stunden ist volle Konzentration gefordert, um das erkrankte Organ zu erreichen und in Teilen bzw. ganz zu entfernen. „Der Eingriff birgt Risiken. Doch wir sind inzwischen in der Lage, in den meisten Fällen den Magen zu erhalten. Das ist ein echter Meilenstein in der medizinischen Entwicklung und ein Segen für die Patienten“, so Prof. Stier.

Nicht selten erhalten Betroffene nach dem Krankenhausaufenthalt Hilfe und Unterstützung durch Selbsthilfegruppen. „Auch das empfinde ich als Meilenstein in der Patientenversorgung“, betont Prof. Stier. Er empfehle grundsätzlich jedem seiner Patienten, sich über Selbsthilfegruppen mit Betroffenen auszutauschen. „Wer anderes als ein Betroffener kann einem Patienten gemeinsam mit seinem behandelnden Arzt mit Rat und Tat zur Seite stehen, Sorgen und Ängste nehmen und Unterstützung bei der poststationären Versorgung geben.“

Und was kann nun jeder Einzelne tun, damit es bestenfalls gar nicht erst zu einer Erkrankung kommt? An dieser Stelle rät der Spezialist zu mehr Achtsamkeit. „Alkohol und Rauchen fördern Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse. Lange Zeit glaubten Mediziner, dass auch Kaffee dem kleinen Organ großen Schaden zufügt. Aber diese Annahme ist inzwischen ausreichend widerlegt“, so Prof. Stier.

Und die Welt wird lila

Um dem „vergessenen Organ“ mehr öffentliche Aufmerksamkeit zu verschaffen, wird weltweit am Donnerstag, den 16. November 2017, der Pankreaskrebstag begangen. Auf Initiative des TEB e.V. Selbsthilfe (Tumore und Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse) ganz in Lila. Nicht nur Betroffene und Angehörige bekennen an diesem Tag weltweit Farbe - mit Schals, Pullovern, Blusen und Accessoires. Auch berühmte Gebäude wie die Frauenkirche in Dresden und Sehenswürdigkeiten wie die Sioux Falls in South Dakota sowie öffentliche Einrichtungen werden dann in lilafarbenes Licht getaucht. Erstmals mit dabei: das Helios Klinikum Erfurt. „Das frühzeitige Erkennen ist wichtig“, betont Prof. Stier. „Und deshalb wollen wir auch in Erfurt die Menschen dafür sensibilisieren und ein Zeichen setzen, wenn es um das Erkennen, Behandeln und Forschen rund um Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse geht.“

Weiterführende Informationen

Eingriffe an der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) gehören zu den großen, aber auch selteneren Operationen in der Bauchchirurgie. Da die Qualität des Behandlungsergebnisses in besonderem Maße von der Menge der erbrachten Leistungen abhängig ist, gibt der Gemeinsame Bundesausschuss* (G-BA) eine jährliche Mindestmenge von zehn Pankreasoperationen vor, die ein Krankenhaus durchzuführen hat. Ziel dieser Mindestmengenregelung ist es, eine angemessene Versorgungsqualität zu gewährleisten sowie das Versorgungsniveau kontinuierlich zu verbessern.**

In Thüringen zentrieren die Helios Kliniken Pankreasoperationen in drei Kliniken: dem Helios Klinikum Erfurt, dem Helios Klinikum Gotha und dem Helios Klinikum Meinigen. Hier werden die Mindestmengen (siehe unten) deutlich übertroffen. „Wir freuen uns, den Menschen in Thüringen und darüber hinaus drei top ausgestattete Kliniken mit hoher Expertise und großer Erfahrung bieten zu können, in denen Pankreasoperationen in exzellenter Qualität durchgeführt werden“, sagt Dr. Mate Ivancic?, Regionalgeschäftsführer der Helios Region Mitte. „Die Zentrierung der Bauchspeicheldrüseneingriffe in den drei Kliniken ist wesentlicher Bestandteil unseres Konzepts, eine qualitativ hochwertige wohnortnahe Versorgung in der Breite mit Spitzenmedizin in ausgewählten Zentren zu vernetzen. In den Helios Kliniken haben wir hierzu beste Voraussetzungen. Den Nutzen haben unsere Patientinnen und Patienten.“


Zahl der Pankreaseingriffe Januar bis Oktober 2017:

Helios Klinikum Erfurt: 18
Helios Klinikum Gotha: 25
Helios Klinikum Meinigen: 37

 

* Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland (www.g-ba.de).

** Regelungen des Gemeinsamen Bundesausschusses gemäß § 136b Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 SGB V für nach § 108 SGB V zugelassene Krankenhäuser (Mindestmengenregelungen, Mm-R); www.g-ba.de/downloads/62-492-1329/Mm-R_2016-12-07_iK-2017-01-01.pdf

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