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Die Chefärzte des Lungenzentrums Prof. Kleine und Prof. Hirche im Interview.
Die Chefärzte des Lungenzentrums Prof. Kleine (l.) und Prof. Hirche (r.) im Interview

Sie laufen zusammen Marathon und haben seit Jahren ein freundschaftliches Verhältnis. Nun starten Prof. Peter Kleine und Prof. Tim Hirche ihr großes gemeinsames Projekt: den Aufbau und die Etablierung des Lungenzentrums an den HELIOS Kliniken Wiesbaden. Im Interview erzählen die Mediziner, was sie antreibt, welche Vorteile das neue Zentrum für Wiesbaden bringt und was das neue Lungenzentrum ausmacht.

Warum ist ein Lungenzentrum wichtig für Wiesbaden?
Hirche: Lungenerkrankungen werden immer häufiger. Dies ist insbesondere auf Umweltbelastungen und Tabakkonsum zurückzuführen. Außerdem werden die Menschen immer älter und mit zunehmendem Alter steigen die pneumologischen Erkrankungen rasant an. Zudem ist Hightech inzwischen auch in der Lungenmedizin angekommen. So ist etwa die künstliche Beatmung längst nicht mehr nur auf Intensivstationen möglich, sondern wird auch auf spezialisierten Normalstationen und im Heimbereich eingesetzt. Für diese Entwicklungen müssen wir uns auch in Wiesbaden neu aufstellen: Bisher wurden in der HSK allgemeine Lungenerkrankungen über andere Fachbereiche mitversorgt. Für spezielle pneumologische Fragestellungen wurden viele Patienten an Zentren außerhalb Wiesbadens verwiesen. Das hat weder den Patienten, noch den überweisenden niedergelassenen Ärzten gefallen. Mit dem neuen Lungenzentrum schließen wir diese Versorgungslücke für die Patienten aus Wiesbaden und der Region.

Im Lungenzentrum werden Pneumologie und Thoraxchirurgie verknüpft. Warum?
Kleine: Ziel des Lungenzentrums ist eine Versorgung von Patienten auf höchstem medizinischen Niveau. Dazu gehört, dass Pneumologen und Thoraxchirurgen unmittelbar zusammenarbeiten, also der Patient nicht von einer zur nächsten Klinik überwiesen werden muss. Wenn bspw. ein Patient mit chronischem Husten in das Lungenzentrum kommt, kann die Diagnostik weitgehend von den Pneumologen durchgeführt werden. Für Eingriffe außerhalb der Atemwege wird jedoch der Thoraxchirurg benötigt - das ist alles an unserem Zentrum möglich. Um den Bedarf eines Lungenzentrums zu verdeutlichen: In der Thoraxchirurgie an der Uniklinik Frankfurt wurden vor zehn Jahren rund 150 OPs im Jahr durchgeführt. In den letzten zwei Jahren haben wir über 1.000 OPs im Jahr durchgeführt. Die Zahlen haben sich demnach vervielfacht.

Welche Krankheiten werden am Lungenzentrum behandelt?
Hirche: Die Volkskrankheiten der Pneumologie sind Atemwegserkrankungen, neben akuten viralen und bakteriellen Infekten insbesondere Asthma und chronische Bronchitis (COPD). Im Zentrum sehen wir diese Patienten bei schweren Verläufen oder in  fortgeschritten chronischen Stadien. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Versorgung von Patienten mit chronisch überlasteter und erschöpfter Atempumpe. Diese Patienten können in unserer Klinik auf Heimbeatmungen eingestellt werden. Dazu kommen Patienten mit Erkrankungen des Lungengewebes (z.B. Lungenfibrosen) und Gasaustauschstörungen, sowie natürlich eine große Zahl von Patienten mit Tumorerkrankungen, insbesondere Lungenkarzinomen. 

Welche medizinischen Entwicklungen gibt es im Bereich der Pneumologie?
Hirche: Die Pneumologie gehört zu den Fächern, in denen in den nächsten Jahren die größten Durchbrüche zu erwarten sind. Für Lungenerkrankungen gibt es jetzt die ersten spezifischen Therapien, z.B. zugelassene Medikamente gegen Vernarbung der Lunge. Das ist eine hochspektakuläre Sache. In der Thoraxonkologie ist das Neueste zurzeit die Immuntherapie: Wenn bestimmte Voraussetzungen zutreffen, kann die Immuntherapie die Chemotherapie bereits heute in der Erstbehandlung von Lungenkarzinomen ersetzen.

Herr Prof. Kleine, welche Verfahren setzen Sie als Thoraxchirurg ein?
Kleine: In der Thoraxchirurgie sind rund die Hälfte der Erkrankungen bösartig, wie etwa Lungenkrebs oder Lymphknotenkrebs. Hinzu kommen Infektionen und eine Vielzahl verschiedener Erkrankungen. Für fast jede Erkrankung gibt es eine geeignete OP, die ich auch teilweise mitentwickelt habe. Wir operieren mittlerweile sehr viel minimalinvasiv, z.B. mittels video-assistierter Thorakoskopie (VATS). In der Hand des erfahrenen Untersuchers ermöglichen diese Verfahren heute an jeden Punkt in der Lunge oder des Mediastinums zu gelangen, sodass den Patienten häufig große und belastende Operationen am offenen Thorax erspart werden können. Immer größere Eingriffe können wir inzwischen mit den schonenden minimalinvasiven Operationsmethoden durchführen. Dies bedeutet weniger Schmerzen, kürzere Krankenhausaufenthalte und geringere Langezeitprobleme für unsere Patienten. Außerdem müssen wir schonende Operationsverfahren für die älter werdenden Patienten entwickeln, beispielsweise durch den Verzicht auf eine Vollnarkose.

Was wird neben ambulanten pneumologischen Leistungen an der DKD angeboten?
Hirche: Das Schlaflabor sowie die Beatmungsentwöhnung (sog. Weaning). Wir werden die Kapazität im Bereich Beatmungsentwöhnung deutlich erhöhen und ein regionales Weaningzentrum aufbauen in dem bis zu 120 Patienten pro Jahr versorgt werden können. Dafür werden der Leiter der Klinik für Intensivmedizin an den HSK, PD Dr. Bingold und ich unsere jeweilige Expertise bündeln und in einem spezialisierten Team diese Behandlung vornehmen. Denn es ist ein komplexer Prozess, Patienten, die über längere Zeit künstlich beatmet werden mussten, von dem Gerät zu entwöhnen und sie Schritt für Schritt wieder an die eigenständige Atmung heranzuführen. Ziel ist es, für die Patienten ein Höchstmaß an Selbstständigkeit im Alltag zurückzugewinnen. Der interdisziplinäre Versorgungsansatz und hohe Bedarf an konsiliarischen Leistungen dieser Patienten macht die DKD zu einem idealen Weaning-Standort, welcher im Zuge der aktuellen Umstrukturierungen ausgebaut und gestärkt werden soll.

In Ihrem Job müssen Sie sich täglich Herausforderungen stellen und top fit sein.  Was tun Sie, um den Kopf frei zu kriegen und um frische Luft zu schnappen?
Kleine: Um frische Luft zu schnappen, fahre ich gerne in den Rheingau, z.B. Eltville oder den Taunus. Wenn es weiterweggeht, dann auch gerne mal an die See. Zudem gehe ich sehr gerne joggen, da kann ich wirklich abschalten.
Hirche: Ich gehe am liebsten mit der Familie segeln, vom Schiersteiner Hafen aus erkunden wir den Rhein und die unzähligen Auen, da gibt es noch wirkliche Abenteuer zu erleben! Die Leidenschaft Joggen teile ich übrigens mit Peter Kleine. Gemeinsam haben wir schon an einigen Läufen teilgenommen, in den letzten Jahren z.B. am Marathon in Frankfurt.

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