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Über den Sinn und Zweck von Brandschutzübungen im Klinikum

„Wilder Aktionismus hilft niemanden!“

Wie in vielen anderen Krankenhäusern werden auch im Helios Klinikum Emil von Behring regelmäßig Übungen durchgeführt, in denen reale Szenarien simuliert werden. Neben den regelmäßigen Lösch- sowie großangelegten Katastrophenschutzübungen wurde nun eine Evakuierung simuliert – mit gespielten Patienten und echtem Disko-Nebel.

Herr Fischer, Sie sind Fachkraft für Arbeitssicherheit sowie Brandschutzbeauftragter hier im Haus. Worum ging es bei der Evakuierungsübung: Was und wo wurde geprobt?
Die Evakuierung einer Station ist im laufenden Krankenhausbetrieb schwer zu üben. Wir hatten das Glück, dass wir eine derzeit nicht belegte Station für die Übung nutzen konnten, so wurde der Arbeitsablauf nicht gestört und keine „echten“ Patienten beunruhigt. Wir haben ein Zimmer mit Disko-Nebel komplett verraucht. Elf Sicherheitsbeauftragte aus den verschiedenen Bereichen haben unsere Patienten gespielt. Als „Stationsteam“ haben wir dann fünf Gruppen von jeweils drei bis fünf Kolleginnen und Kollegen von den Stationen auf die leere Station gebeten und Ihnen die Aufgabe gestellt: „Ihr seid jetzt das Stationsteam dieser Station, habt auf diesem Flur 11 Patienten zu betreuen und werdet gleich ein Problem feststellen“. Und dann ging‘s auch schon los. 

Sind solche Übungen wirklich sinnvoll, wenn ein „echtes Unglück“ doch sowieso immer anders abläuft? Was war das Ziel der Übung?
Unser Gehirn ist so strukturiert, dass es immer nach ähnlichen Mustern oder Erfahrungen aus der Vergangenheit sucht. Wenn es aber auf kein Erleben zurückgreifen kann, fällt es viel schwerer, instinktiv zu reagieren. Wir müssen mehr nachdenken, und das kostet Zeit. Um in einem Ernstfall schnell agieren zu können, müssen wir Erfahrungen sammeln und diese abspeichern.

Daher ist ein wichtiges Ziel der Übungen, dass die Kolleginnen und Kollegen die erforderliche Handlungskette verinnerlichen: kurz innehalten, Situation wahrnehmen, nachdenken, sich an Gelerntes erinnern, dann handeln. Wilder Aktionismus hilft niemanden.

Außerdem wollten wir ein Gefühl dafür bekommen, ob unser Evakuierungsplan funktioniert und wie lange die Evakuierung eines Stationsflures dauert. Eine solche Übung gibt uns wichtige Hinweise, was wir künftig noch besser regeln oder kommunizieren müssen.

Was für Gedanken machen sich die teilnehmenden Kolleginnen und Kollegen im Vorfeld einer Übung?
Wir alle, die Kolleginnen und Kollegen der Pflege, der Ärzteschaft sowie der Funktions- und Servicebereiche sind Profis in dem, was wir täglich tun. Aber ein Feueralarm ist nicht alltäglich. Mancher macht sich Gedanken, in Panik zu geraten und nicht mehr agieren zu können. Bei dem einen oder anderen schwingt dann noch eine unbegründete Erwartungshaltung mit, nach dem Motto „Ich bin doch Pflegekraft, ich muss das doch jetzt können.“
Und obwohl jeder weiß, dass es sich um eine Übung handelt, schüttet der Körper das Stresshormon Adrenalin aus. Das mag den einen oder anderen zusätzlich unter Druck setzen. Stress finde ich aber vollkommen in Ordnung, denn so können echte Gefahren nicht nur fachlich besser gemeistert werden, sondern auch emotional.

Der Mann mit der Weste: Lutz Fischer im Einsatz.

Welches Feedback bekommen Sie von den Übungsteilnehmern?
Vor der letzten Übung plauderte ich mit einer Kollegin, die feststellte, dass es zeitlich gar nicht passen würde. Sie machte sich auch Gedanken um die Arbeit, die auf der Station liegen bleiben würde. Nach der Übung war sie total begeistert und bedankte sich. Grundsätzlich bekomme ich oft zu hören, dass Kolleginnen oder Kollegen finden, dass wir so etwas viel öfter machen sollten.

So eine Übung braucht viel Vorbereitung.
Ja, das stimmt, aber auch Einsatzbereitschaft und Teamgeist. Dafür sage ich „Herzlichen Dank!“ allen Kolleginnen und Kollegen, die an den Übungen teilnehmen, den Sicherheitsbeauftragten, die bei der letzten Übung mit viel Engagement und Kreativität überzeugend die Patienten gespielt haben – von verwirrt und gehbehindert über ängstlich bis renitent und auch der Pflegedirektion, die die Übung unterstützt hat und für diesen Tag zusätzliche Kräfte eingesetzt hat.

Ich hatte den Eindruck, dass alle Beteiligten viel Spaß bei der Sache hatten. Und das finde ich gut: Arbeit darf und soll auch Spaß machen, sogar die Übung für einen Ernstfall.

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