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Palliativmedizin

Wenn Sterben zum Alltag gehört

Ein kleiner silberner Wagen steht vor der Tür des Zimmers. Es ist still hier im Palliativbereich der Helios Bördeklinik. Nur das leise Klackern der elektrischen Kerzen auf dem Wagen deutet an, dass soeben ein Leben zu Ende gegangen ist.
„Weiterzuleben, während ein geliebter Mensch stirbt, ist eine ebenso große Last, wie der Tod selbst“, sagt Dipl.-Med. Jürgen Sopora. (pixabay)

„Diese kleine Geste ist für uns mehr als ein Zeichen des Andenkens an den Verstorbenen. Sie lässt uns auch innehalten und verweilen und ermöglicht es den Angehörigen und uns, dem Sterben zu begegnen und es zu begreifen“. Auch wenn Dipl.-Med. Jürgen Sopora die Anwesenheit des nahenden Lebensendes gewohnt ist, ist doch jeder Tod speziell. Seit sechs Jahren arbeitet der Palliativmediziner mit unheilbar Kranken in der Palliativmedizin der Helios Bördeklinik. „Unsere Arbeit wird oft mit Sterbebegleitung gleichgesetzt, dabei geht es auch in unserer Klinik eher um das Leben und weniger um den Tod. Wir wollen das Leben, dass unseren Patienten noch bleibt, so angenehm und beschwerdefrei wie möglich gestalten“, beschreibt es der 55-jährige.

Natürlich beschäftigen sich seine Patienten auch mit dem Tod. „Doch dabei steht eher die Zeit bis zum Tod im Vordergrund. Gerade bei schwer Erkrankten ist diese geprägt von körperlichen und seelischen Leiden, Übelkeit zum Beispiel, Appetitlosigkeit aber auch Angst.“ Diese Leiden gelte es zu lindern. Unterschiedlichste Therapien, von Dufttherapie bis zur Gabe von Cannabis stehen ihm und seinem Team dafür zur Verfügung. „Für uns stehen die Optionen im Vordergrund, die Erleichterung bringen, ob körperliche oder seelische. Das kann von klassischer Schulmedizin bis zur Erfüllung individueller Wünsche reichen“, so Sopora. Dabei erinnert er sich unter anderem an den Wunsch, den eigenen geliebten Hund noch einmal zu sehen. Soweit es die Krankenhaushygiene zuließ, konnte auch hier ein Weg gefunden werden.

Dipl.-Med. Jürgen Sopora, Palliativmediziner der Helios Bördeklinik | Foto: Helios Kliniken, Thomas Oberländer

Der Palliativmediziner weiß auch, dass es oft die Angehörigen sind, die den Tod mehr fürchten. „Weiterzuleben, während ein geliebter Mensch stirbt, ist eine ebenso große Last, wie der Tod selbst“, sagt Dipl.-Med. Jürgen Sopora. Daher stehen Mediziner und Pflegekräfte mit den Angehörigen im engen Kontakt.

„Unser Anliegen ist immer, dass Palliativpatienten wieder in ihr soziales Umfeld zurückkehren können – mit weniger Beschwerden und so selbstbestimmt wie möglich. Doch nicht immer lässt sich dieses Ziel erreichen.“ Auch an diesem Tag endet ein Leben in der Klinik. „Wir haben unsere Arbeit dann gut gemacht, wenn ein Mensch friedlich aus dem Leben geht, schmerzarm und ohne Angst. Denn in vielen Fällen ist der Tod auch eine Erlösung von einem langen Leiden“, sagt Sopora.

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