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Naturheilkundler und Bestseller-Autor

Prof. Dr. Andreas Michalsen: 5 Wahrheiten zur Naturheilkunde

Er ist Experte auf seinem Gebiet: Prof. Dr. med. Andreas Michalsen, Chefarzt am Immanuel Krankenhaus Berlin und Professor für Klinische Naturheilkunde an der Charité, forscht und lehrt zur Naturheilkunde. Wann diese auch bei Krebs helfen kann, erläutert er im Interview.
Prof. Dr. med. Andreas Michalsen / Fotocredit: Immanuel Krankenhaus Berlin
1. Wo liegen die Möglichkeiten der Naturheilkunde und wo ihre Grenzen?

Die Möglichkeiten der Naturheilkunde sind ergänzend bei einer Krebsbehandlung, sie ist keine Primärbehandlung. Man kann also nicht primär durch Naturheilverfahren einen Krebs angehen. Damit sind die Grenzen der Naturheilkunde auch schon primär aufgezeigt. Ich würde aber fast bei allen Krebsformen den Patienten zusprechen, die Naturheilkunde ergänzend zu nutzen. Das kann von Yoga bis zu gesunder Ernährung und von Tai Chi bis zu Heilpflanzen reichen. Dann sind Naturheilverfahren sehr gut in der Lage, die Lebensqualität zu verbessern und Nebenwirkungen zu reduzieren.

2. Wie wichtig ist die Schulmedizin und wie lässt sich Schulmedizin und die Naturheilkunde bestmöglich kombinieren?

Ich selbst bin auch Schulmediziner. Die Schulmedizin bildet erst einmal die Basis. Im Anschluss folgt die Naturheilkunde mit zwei Möglichkeiten. Einerseits bietet sie die Möglichkeit, Behandlungen zu optimieren, mit Dingen, die in der Schulmedizin keinen Raum haben. So können wir dem Patienten beispielsweise Stressreduktion, Bewegungstherapie, Hydrotherapie oder spezielle Ernährungsformen empfehlen, die die Rückkehr eines Krebses (das sogenannte Rezidiv) durchaus vermindern können und ganz allgemein einen großen Einfluss auf die Lebensqualität und Gesundheit haben. Andererseits kann Naturheilkunde auch die Nebenwirkungen der Schulmedizin reduzieren. Das ist gerade auch für Krebspatienten ein großes Thema, zum Beispiel beim Fatigue nach einer Chemotherapie. Die Naturheilkunde hat hier auf jeden Fall enorm viel zu bieten.

3. Was ist der Kern ihrer Arbeit mit naturheilkundlichen Verfahren?
Mit Heilpflanzen den Körper optimal hinsichtlich seiner Selbstheilungskräfte unterstützen.

Der Kern ist, dass wir selber mehr in der Hand haben für unsere Gesundheit, als wir oft denken. Durch den Erfolg der technischen Medizin und den Erfolg der pharmakologischen Medizin ist bei vielen Menschen der Eindruck entstanden, es sei egal was man macht, Hauptsache die richtige Tablette und die richtige Operation ist dabei. Die wissenschaftlichen Daten der letzten Jahre zeigen, dass das eine Fehleinschätzung ist. Der Körper verfügt über immense Selbstheilungskräfte, die natürlich nicht wachgerufen werden, wenn man auf dem Sofa liegt und Kekse isst, sondern die stimuliert, sozusagen herausgekitzelt werden müssen. Das ist das große Thema der Naturheilkunde, wie man selber mit allen Faktoren der Natur von Stressreduktion, Entspannung, Bewegung, Wasser, Licht, Wärme und Kälte, Fasten, Ernährung, Heilpflanzen etc. dafür sorgen kann, dass der Körper optimal unterstützt wird, hinsichtlich seiner Selbstheilungsmöglichkeiten.

4. Was sind mögliche Behandlungskonzepte bei onkologischen Patienten?

Das variiert mit der Art des Tumors. Allgemein lässt sich jedoch sagen, dass nach einer Chemotherapie oder überstandenen Operation versucht wird, die naturheilkundlichen Verfahren zu integrieren. Das beinhaltet nicht nur Bewegung und z.B. ausgedehnte Spaziergänge, sondern auch Meditation oder Yoga. Oder auch die Calendula (Ringelblume) unterstützend bei Strahlentherapie, die Mariendistel bei Leberproblemen durch Chemotherapie oder Ingwer und Akupunktur gegen Übelkeit. Tees und Pflanzenmedikamente nehmen hierbei eine ergänzende Wirkung ein. Wir erforschen derzeit zudem das Kurzzeitfasten bei Chemotherapie. Die genaue Empfehlung geht dann also je nach Tumor und Problemsituation sehr ins Detail.

5. Haben Sie einen Tipp für unsere Patienten, bzw. welche Maßnahmen sollte jeder beherzigen?

Eine Krebsdiagnose ist ja immer erstmal ein Schock und zu Recht sind dann auch Ängste da. An dieser Stelle sollte der Betroffene die Situation drehen und wenden. Also nicht in Angst erstarren, auch keine Schuldgefühle entwickeln, sondern einfach sagen: „Gut ich versuche mal meinem Körper und mir etwas Gutes zu tun“ und dann möglichst viele Dinge frisch und unvoreingenommen ausprobieren. Dann folgt vielleicht gleich die erste Anmeldung für einen Yoga—Kurs, die Umstellung auf eine vegetarische Ernährung oder auch mal ein Fastentag. Also einfach alles ein bisschen mit Neugier und Offenheit und nicht mit Angst angehen. Patienten sollten sich sagen „Das ist jetzt meine Chance“!

Krebs?Weiter!Leben.
Copyright: peterzayda/fotolia

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