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Notfallübung mit Schwerstverletzten

Einmal Opfer auf der Rettungsstelle

Montagmorgen und ich liege mit einer blutenden Kopfverletzung in der Rettungsstelle. Vor mir und nach mir werden weitere Unfallopfer in das Notfallzentrum Berlin-Buch geschoben. Aber wie kam es zu der Situation?
Massenanfall von Verletzten

Ich liege mit einer blutenden Kopfwunde auf einer Trage. Mir ist schlecht und ich muss mich ständig übergeben. Sehr zügig werde ich in die Rettungsstelle geschoben. In der Rettungsstelle herrscht Eile und Konzentration, denn hinter mir wird bereits eine weitere Verletzte mit offenen Brüchen in den Eingangsbereich geschoben. Sie schreit hysterisch und lehnt jede Hilfe ab. Andere Patienten sind gar nicht ansprechbar, intubiert und bluten sehr stark. Und ich bin wirklich froh, dass dies nur eine Übung ist!

Sämtliche „Opfer“, inklusive mir, nehmen an diesem Montagmorgen seit 7:00 Uhr an einer  Notfallübung teil – einem so genannten Massenanfall von Verletzten (MANV). In dem Szenario gab es einen S-Bahn-Unfall der Linie S2 mit 120 Verletzten. Davon werden 15 Verletzte in unser Notfallzentrum gebracht. Die 15 Verletzten, das sind 14 Pflegeschüler des Klinikums – und ich. Wir wurden geschminkt und auf unsere Rollen vorbereitet. Um 7:30 Uhr wird der interne Alarm ausgelöst, dann werden wir in Schüben in die Rettungsstelle gebracht.

Wozu das Ganze?

Kliniken mit Rettungsstellen führen diese Übung regelmäßig durch, um auch bei Notfallszenarien mit vielen Verletzten auf einmal professionell zu reagieren. Susanne Richter, die Leitung der Rettungsstelle, erklärt dazu: „Bei aller Routine gibt es doch immer wieder Situationen, auf die man nicht vorbereitet ist. Genau hier helfen die MANV-Übungen. Wir lernen Abläufe zu optimieren. Denn wenn es einen echten großen Notfall mit vielen Patienten gibt, wollen wir bestens vorbereitet sein.“

In der Rettungsstelle schauen hochkonzentriert viele Gesichter auf mich herab. Die anderen Opfer und ich werden nach unseren Namen gefragt, ob wir wissen was passiert ist. In der Zwischenzeit wird abgetastet, geschallt und untersucht. Auf meiner Anhängekarte für Verletzte stehen meine Daten, die noch einmal abgeglichen werden. Ich wurde am Unfallort nach einem Bewertungssystem als „Gelb“ eingeordnet. Die Ärzte bestätigen die Einordnung und ich komme ich den gelben Bereich. Dort werde ich umgebettet und an die Monitore angeschlossen. Ein aufmerksamer Pfleger tut so, als würde er mir über eine Infusion Flüssigkeit und ein Mittel gegen Übelkeit geben. Immer wieder kommt jemand nach mir sehen und langsam sinkt mein Adrenalinspiegel. Denn obwohl es nur eine Übung ist, bin ich doch ganz schön aufgeregt! Nach und nach werden sämtliche Patienten versorgt, langsam kehrt Ruhe ein.

Unsere Bilanz

Nun trifft sich das Notfall-Team, angeführt von Oberarzt Dr. Slatomir Wenske, und macht eine umfangreiche Auswertung: Was lief gut, wo gibt es noch Verbesserungspotenzial? Als Bilanz hält Dr. Wenske fest: „Die Übung lief sehr gut. Wir sind zufrieden, haben aber auch gemerkt in welchen Situationen wir beim nächsten Mal noch besser werden können. Dafür haben wir direkt Lösungen gefunden und umgesetzt.“ Darum ist die nächste Übung auch schon wieder geplant.

Ich habe mich jederzeit gut versorgt gefühlt, auch die anderen Patienten wurden optimal betreut. Ich mache noch ein Selfie mit meiner blutenden Wunde. Für’s erste möchte ich aber so schnell nicht wieder Opfer sein…!

Das interdisziplinäre Notfallzentrum mit integrierter Rettungsstelle am Helios Klinikum Berlin-Buch wird von Professor Dr. med. Christian Wrede geleitet. Jedes Jahr werden hier über 60.000 Patienten mit akuten Erkrankungen, Unfallverletzungen und mit lebensbedrohlichen Zuständen versorgt.

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