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Tag des herzkranken Kindes

Ein „altes“ Herz gibt Hoffnung

Menschen mit angeborenem Herzfehler werden im Kinderherzzentrum Leipzig bis ins Erwachsenenalter betreut. Eine besondere Geschichte aus Sachsen zeigt, wie Ärzte die Betroffenen begleiten.
Annett Fischer zeigt ein Bild aus Kindertagen: Nach ihrer ersten Herz-OP fühlte sie sich wie neu geboren.

Der Blick auf die Fotos aus Kindertagen ist für Annett Fischer wie eine Reise in eine andere Welt. Sie zeigen ein siebenjähriges Mädchen im Handwagen ihrer Eltern. „Das war so etwas wie meine Mobilitätsgarantie“, sagt die heute 45-Jährige. Trotz behüteter Kindheit in Thalheim im Erzgebirge, erfuhr sie lange Zeit wenig Verständnis für die schwere Krankheit. Erst mit zwei Jahren bekam der Grund für Schwächeanfälle und blau verfärbte Haut einen Namen: Fallotsche Tetralogie – ein komplexer angeborener Herzfehler, wodurch der Körper zu wenig Sauerstoff erhält.

„Das Ergebnis war wie ein Quantensprung für mich.“

„Am Anfang gab es keine Prognose und keine Behandlung. Ich sollte mich einfach nur schonen“, blickt Annett Fischer zurück. Erst mit neun Jahren folgte die erste von bislang vier Operationen. „Das Ergebnis war wie ein Quantensprung für mich. Ich konnte auf einmal rennen, lernte Schwimmen und Fahrradfahren.“ Prof. Ingo Dähnert, Direktor der Universitätsklinik für Kinderkardiologie am Herzzentrum Leipzig, kennt Annett Fischer seit knapp 20 Jahren. „In der DDR war die OP mit Herz-Lungen-Maschine nur sehr eingeschränkt möglich. Heute würden wir einen solchen angeborenen Herzfehler in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahres beheben.“ Die Krankengeschichte von Annett Fischer ist damit auch ein Spiegelbild der Entwicklung rund um die Herz-Kreislauf-Medizin.

Prof. Ingo Dähnert kennt seine Patientin Annett Fischer bereits seit fast 20 Jahren.

EMAH-Experten begleiten Patienten oft über Jahrzehnte

Seit Ende der 1990er Jahre wird Annett Fischer im Herzzentrum Leipzig betreut. Sie ist eine von 2.000 EMAH-Patienten, also Erwachsene mit angeborenem Herzfehler. In einem engmaschigen Kontrollverfahren checkt sie ihr Kardiologe aller drei Monate durch, einmal im Jahr geht es nach Leipzig. Hier wird sie im zertifizierten überregionalen EMAH-Zentrum betreut. „Die Profession ist nicht entscheidend, sondern die Kenntnis des Behandlungsfeldes. EMAH-Experten in Deutschland sind in aller Regel speziell weitergebildete Kardiologen und Kinderkardiologen“, erklärt Prof. Dähnert. Dadurch begleiten sie ihre Patienten zusammen mit dem Hausarzt und dem Kardiologen zum Teil über Jahrzehnte.

Annett Fischer fühlt sich im Herzzentrum bestens aufgehoben. „Es ist wie nachhause kommen, da ich hier schon viele Erlebnisse durchmachen musste. Ich kann mich immer auf die erfahrenen Mediziner verlassen und schätze die individuelle Betreuung.“ Ihre Eltern haben noch immer Angst, wenn sie in die Klinik geht. Auch deshalb engagiert sich Annett Fischer ehrenamtlich zum Thema EMAH, gibt Eltern Rat und Familien Halt. „Wenn sie so ein ‚altes‘ Herz wie mich sehen, gibt ihnen das auch Hoffnung.“ Den Handwagen hat die lebenslustige Frau heute gegen ein E-Bike eingetauscht, um mit ihrem Mann so manche Steigung gemeinsam zu erklimmen.

Wissenswert:

2.000 Erwachsene mit angeborenem Herzfehler werden von den Experten des Kinderherzzentrums Leipzig betreut. Hier finden Sie weitere Informationen zum Kinderherzzentrum.

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