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Start der Fastenzeit

Die ganze Schlacke muss weg – oder doch nicht?

Am Aschermittwoch beginnt sie wieder: die Fastenzeit. In vielen Ländern und Religionen ist sie verbreitet, doch seit einigen Jahren werden „Entschlacken“ und „Detox“ als neue Diäten für Körper und Seele angepriesen. Zurecht?
„Detox-Tee“ – Gesundheitsversprechen oder Industriemythos? Fotocredit: Pixabay

40 lange Tage dauert die Fastenzeit an. Traditionell in den Religionen als Zeit der Buße, Besinnung und Vorbereitung auf kommende Feste angesehen, ist Fasten längst auch zum kommerziellen Lifestyle-Event geworden. „Weil ‚Fasten‘ scheinbar doch noch zu medizinisch oder religiös klingt, hat sich die Industrie Formulierungen wie ‚Entschlacken‘ oder ‚Detox‘ ausgedacht, denn das macht dem gesundheitsbewussten Verbraucher noch etwas deutlicher, dass da angeblich Stoffe im Körper sind, die dringend rausmüssen“, fasst es Internist Dr. Roland Hiersemann anschaulich zusammen. Aber stimmt das eigentlich? Gibt es überhaupt Schlacke im Körper?

Keine Sammelstelle für „Schlacke“ im Körper

„Wenn der Körper sich nur durch Fastenkuren reinigen könnte, würde man von einer ernsten Erkrankung ausgehen. Glücklicherweise haben wir nirgends im Körper eine Sammelstelle für Gifte und Ablagerungen von Stoffwechselprodukten“, erklärt Dr. Hiersemann. Der Begriff „Schlacke“ ist hier somit fehl am Platz. Nahrungsgifte, Medikamentenrückstände oder Stoffwechselreste werden ganz natürlich durch Leber, Niere und Darm aus dem Organismus geschleust. „Sind die Organe gesund und die Verdauung gut, dann funktioniert dieser Prozess einwandfrei und bedarf keiner Fastenkur.“ Aber was ist dann dran am Lifestyle-Thema „Fasten“?

40 Tage reichen nicht zur Regeneration

„Der Grundgedanke des Fastens ist gut: Reduzierte Kost! Wir sehen immer wieder Patienten, die durch zu viel Fleisch und Wurst, Alkohol und Zucker an den typischen Volkskrankheiten leiden: Übergewicht, Diabetes, Herzerkrankungen“, betont der Internist. Diesen, vor allem verarbeiteten, Lebensmitteln in der Fastenzeit abzuschwören, kann tatsächlich helfen, Krankheitsprozesse zu stoppen oder krankhafte Veränderungen an Organen und Gefäßen rückgängig zu machen. „Viele Studien zeigen, dass der Körper erstaunlich gut darin ist, sich zu regenerieren. Ein kompletter Verzicht auf Nahrung ist dafür nicht notwendig. Allerdings reichen 40 Tage pro Jahr für Genesungsprozesse nicht aus. „Wer denkt, nach der Fastenzeit wieder unbeschwert zugreifen zu können, der irrt. Fasten ist keine Diät. Der Gewichtsverlust setzt sich vor allem aus Wasser und Muskelmasse zusammen. Es droht der berüchtigte Jojo-Effekt“, erklärt Facharzt für Innere Medizin.

Wozu dann all der Verzicht?

„Fasten ist ein guter Einstieg. Wer temporär, also wenige Tage auf feste Nahrung verzichtet, verschafft dem Magen eine Ruhepause. Meist zieht er sich leicht zusammen, sodass man schneller gesättigt ist. Je nach Dauer der Fastenzeit erholen sich auch die Geschmackspapillen auf der Zungenoberfläche – man schmeckt wieder mehr.“ Wundermittel wie „Detox-Tee“ oder spezielles Wasser zum Entschlacken empfiehlt Dr. Hiersemann jedoch nicht. „Das spielt nur für den Geldbeutel eine Rolle, nicht für die Gesundheit.“ Nach der Fastenzeit sollte man dann auch darüber nachdenken, wie viel und was man zu sich nimmt. „Pro Woche sind rund 300 Gramm Fleisch und Wurst empfohlen – viele verzehren diese Menge schon an einem Tag. Hier gilt es im Anschluss an das Fasten dauerhaft zu reduzieren. Mehr Gemüse, Ballaststoffe aus Hülsenfrüchten und weniger Alkohol helfen auf Dauer besser bei der Gewichtsabnahme als Detox-Kuren oder Entschlackungstees.“

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