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Bunte Streifen für die Bewegung: Kinesiologisches Taping

Sicher haben Sie es schon einmal gesehen: bunte Streifen in zackigen Mustern zieren Muskel und Gelenke von Sportlern. Zunehmend „tapen“ auch Menschen, die keine Sportler sind, denn die elastischen, bunten Pflasterstreifen haben längst Eingang gefunden in die Behandlung orthopädischer Beschwerden.
Fotocredit: Thomas Oberländer | Helios Kliniken
Was genau ist Kinesiologisches Taping?

Die besonders elastischen Pflaster wurden vor einigen Jahrzehnten in Japan entwickelt. Durch die hohe Dehnbarkeit legt sich das Pflaster wie eine zweite Haut über den Körper, dehnt sich mit den Bewegungen aus und zieht sich auch wieder zusammen. Diese Elastizität gibt auch den Namen, das altgriechische Wort „kinesis“ steht für Bewegung, das englische Wort „tape“ heißt Band.

Die Pflasterstreifen werden entlang des Muskelverlaufs oder rund um Gelenke angebracht. Sie verbleiben mehrere Tage auf der Haut. Dabei wirken sie über die Nervenbahnen der Haut, regen die Blutzirkulation und die Lymphbahnen an und können hierdurch die Funktion von Muskeln und Gelenken verbessern und Schmerzen lindern. Selbstverständlich ist das Material der Pflaster hautverträglich und atmungsaktiv.

Seit seiner Entstehung aus der japanischen Heilkunde und Chiropraktik ist das Kleben dieser besonderen Pflaster von Sportmediziner, Orthopäden, Physiotherapeuten und Ergotherapeuten beständig weiterentwickelt worden.

Wann ist „Taping“ sinnvoll?

Ein sogenanntes Kinesio-Tape hilft bei Beschwerden an Gelenken, Muskeln, Sehnen und lindert vor allem Beschwerden, die mit Verspannungen, Fehlhaltungen oder Überlastung zu tun haben.
Dazu gehören

• Muskelverspannung oder zu geringe Aktivierung von Muskeln, z.B. Haltungsschäden, Muskelrückbildung (Atrophie)
• Überlastungen und Verletzungen an Muskeln wie Zerrungen, Faserrisse
• Syndrome an Sehnen, Bändern und Faszien, z.B. Sehnenscheidenentzündung, Tennisarm
• Schulterbeschwerden durch Fehlhaltungen und Anspannungen wie das Impingementsyndrom
• Gelenkbeschwerden wie Instabilitäten oder Arthrose
• Folgen von Verspannungen wie Kopf- oder Rückenschmerzen
• Nervenanregung bei Neuropathie oder bei Multipler Sklerose
• Abflussstörungen bei Lymphödemen oder sogenanntem Wasserbauch (Aszites)
• Unterstützung der Rückbildung von Narben

Fotocredit Thomas Oberländer | Helios Kliniken

„Wichtig bleibt bei Kinesiologischem Tapen, genau wie bei allen anderen heilpraktischen Maßnahmen, dass es mit dem behandelnden Arzt abgesprochen wird und in ein umfassendes Therapiekonzept eingebunden ist“, sagt Dr. med. Olaf Kunhardt, Facharzt der Orthopädie und Unfallchirurgie im Helios Orthopädisches Zentrum Wittenau.

Wann dürfen Kinesiologische Pflaster nicht genutzt werden?

Bei einigen Erkrankungen dürfen die Tapes auf keinen Fall genutzt werden, da Nebenwirkungen mit erkrankten Organen nicht ausgeschlossen werden können.

• Erkrankungen oder Irritationen der Haut, auch Sonnenbrände
• Thrombosen
• Krebserkrankungen und Behandlungen mit Chemotherapie oder Bestrahlungen
• Äußerliche Anwendungen wie Laser- oder Elektrotherapien dürfen nicht durch Kinesio-Tapes hindurch ausgeführt werden.

Wie genau wirkt das Kinesiologische Pflaster?

Nach wie vor gibt es noch keine allumfassenden wissenschaftlichen Studien, die die Wirksamkeit des „Tapens“ eindeutig darstellen könnten.
Grundsätzlich wird jedoch vermutet, dass durch die Pflasterung mit kinesiologischem Tape das Gewebe darunter mit jeder Bewegung leicht angehoben und massiert wird und somit Blutkreislauf und Lymphsystem angeregt werden.

Desweiteren helfen die Pflaster das vollständige Ruhigstellen der Gelenke zu vermeiden, indem sie die Gelenke stabilisieren, ohne zu komprimieren oder zu blockieren. Die Mobilisierung des Stütz- und Bewegungsapparates wird dadurch gefördert.

„Wir wissen mittlerweile, dass Bewegung in Maßen die Heilung bei vielen Gelenkverletzungen besser heilen kann. Hier kann das elastische Tape den Heilungsprozess fördern“, so Dr. Kunhardt.
Zudem vermeiden Patienten eher Schonhaltungen und Verspannungen, weil durch das Tapen an Gelenken bei Prellungen und Gelenkschmerzen häufig eine Schmerzlinderung eintritt.

In manchen Situationen, vor allem bei sportlichen Spitzenleistungen kann es auch sinnvoll sein, vorbeugend zu tapen, z.B. um Krämpfe durch Überlastung zu vermeiden.

Vielfalt an Techniken

Mittlerweile gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Techniken, die andauernd weiterentwickelt werden. Meist ausgehend von den zu kurierenden Beschwerden, ist das Angebot vielfältig – hier empfiehlt sich eine Rücksprache mit dem behandelnden Arzt. Vor allem in der Schmerzbehandlung gibt es unterschiedlichste Heransgehensweisen beim Taping.
Meist werden I-, Y- und X-Klebeweisen eingesetzt und verschiedene Kleberichtungen beachtet: zur Entspannung von Muskeln wird vom zum Ursprung geklebt. Bei schwachen Muskeln, also um den Tonus zu erhöhen, umgekehrt.

Zahlt meine Kasse die Behandlung?

Zwar gibt es einzelne Kassen, die gegebenenfalls einen Teil der Behandlung übernehmen, jedoch ist das Kinesiologische Taping eine so genannte Individuelle Gesundheitsleistung (IGeL), für die Patienten selber aufkommen müssen. Experten raten jedoch dringlich dazu, das Kleben der Pflaster nicht selbst vorzunehmen.

Dr. Kunhardt: „Es gibt ausreichend gut ausgebildete medizinische Fachleute wie Physiotherapeuten und Orthopäden, die eine solche Behandlung anbieten. Achten Sie auf Qualifikationen in diesem Bereich, nur dann können Sie sicher sein, dass Sie auch von der Behandlung profitieren können.“

Informieren Sie sich über unser Helios Orthopädisches Zentrum Wittenau. Vereinbaren Sie gern einen Termin.

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