Regionen
Nachrichten aus Ihrer HELIOS Region.

Kindernotfälle Teil 3 – Die Erste-Hilfe-Serie

Atemnot beim Kind: Schnelle Hilfe ist gefragt

Kleine Kinder sind neugierig und untersuchen alle Gegenstände, die sie finden – auch mit dem Mund was mitunter sehr gefährlich werden kann. Im dritten Teil unserer Serie stellen wir die Erste-Hilfe bei kindlichen Notfällen vor – diesmal: Atemnot und Erstickungsgefahr.
Fotocredit: HELIOS Kliniken

Nicht nur Murmeln oder Perlen können zu Erstickungsanfällen führen. Auch nicht richtig gekautes Essen, das statt in die Speiseröhre in die Luftröhre rutscht, löst Erstickungsanfälle aus. Die Folge sind Atemnot und Erstickungsgefahr - da ist schnelle Hilfe gefragt.

Atemnot und Erstickungsgefahr
Gelangt ein Fremdkörper in die Atemwege reagiert ein Kind unverzüglich mit Husten und versucht, das Objekt auszustoßen. Es treten plötzliche Atemnot, Würgen oder ein Pfeifen bei der Atmung auf. Wenn das Kind würgt, aber immer noch husten kann, dann sollte es weiter husten - das ist immer noch die beste Methode, die Atemwege zu befreien.

„Bleibt das Husten aus oder wird weniger und der Fremdkörper verschließt die Atemwege komplett, kann es rasch zu einem Schock und Ohnmacht führen, da kein oder zu wenig Sauerstoff in das Gehirn gelangt“ erklärt Dr. med. Ulrich Schubert, Oberarzt der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin der HELIOS Klinik Jerichower Land. Dann besteht akute Lebensgefahr!

Sofortmaßnahmen
Erleidet ein Kind einen Erstickungsanfall, weil es einen Gegenstand in die Atemwege bekommen  hat, darf man es nicht beatmen, solange sich der Fremdkörper noch in den Atemwegen befindet und das Kind noch bei Bewusstsein ist und hustet. Das heißt: Keine Mund-zu-Mund-Beatmung und dem Kind nichts zu trinken geben! In diesem Fall sollte der Nachwuchs versuchen, kräftig zu husten, um den Fremdkörper zu entfernen.
Steckt der Fremdkörper fest und ist sichtbar, sollte nur einmal versucht werden ihn zu entfernen. Es besteht die Gefahr, dass der Gegenstand sonst verrutscht und sich die Luftnot verschlimmert.

Die Tipps:

  • Das Kind mit dem Bauch über die eigenen Oberschenkel legen, so dass der Kopf und die Arme herunterhängen, anschließend mit der flachen Hand mehrfach kräftig zwischen die Schulterblätter schlagen, damit der Gegenstand wieder herausgespuckt wird.
  • Sollte der Fremdkörper sich dadurch nicht gelöst haben, dann werden beim Säugling Brustkorbkompressionen und beim Kind Bauchkompressionen (Heimlich-Griff) durchgeführt. Dazu wird das Kind von hinten umfasst und die eigene geballte Faust knapp unterhalb des Brustkorbs in die Magengrube gelegt. Dann wird mit den Händen ruckartig nach innen oben gedrückt. Durch den aufgebauten Druck sollte sich der Gegenstand lösen.
  • Sollte auch diese Maßnahme nicht helfen, muss der Notruf (112) getätigt werden.
  • Beruhigen Sie das Kind, denn Panik könnte das Atmen zusätzlich erschweren.
  • Atmet das Kind nicht, wird sofort mit der Wiederbelebung begonnen.



Wiederbelebung

Erkennen

Ist das Kind bewusstlos und sind kein Atem und Puls mehr fühlbar, muss sofort der Notarzt (112) alarmiert werden. Noch bevor dieser eintrifft, wird mit Wiederbelebungsmaßnahmen begonnen:

Atemwege freimachen

  • Das Kind auf den Rücken, am besten auf den Boden, legen.
  • Den Kopf leicht nach hinten drücken, um die Atemwege zu befreien.
  • Eventuell Erbrochenes oder Fremdkörper aus dem Mund holen, da diese zusätzlich die Atmung blockieren.


Beatmung

  • Normal einatmen und anschließend bei Babys mit dem eigenen Mund den Mund und die Nase des Kindes umschließen und mit fünf Beatmungen beginnen. Bei größeren Kindern nur die Mund- oder Nasenbeatmung durchführen.
  • Dabei überprüfen, ob sich der Brustkorb hebt.
  • Wenn nach den fünf Beatmungen keine Lebenszeichen (Husten, Abwehr) zu beobachten sind, muss sofort mit der Herzdruckmassage begonnen werden.


Herzdruckmassage Säugling/Baby

  • Bei Babys und Kleinkindern erfolgt diese durch leichten Druck (2 bis3 cm Tiefe) auf das Brustbein mit zwei Fingern, bei älteren Kindern durch Druck des Handballens auf das untere Brustbein.
  • Auf jeweils 15 Herzmassagen erfolgen zwei Beatmungen (Frequenz von 120/min). Das sind zwei Kompressionen pro Sekunde.


Wiederholen bis der Arzt kommt

Die Wiederbelebung wird solange fortgesetzt, bis das Kind wieder bei Bewusstsein ist oder der Arzt kommt. Selbst wenn das Baby sich danach offenbar gut erholt, muss es unbedingt einem Arzt vorgestellt werden, damit es untersucht werden kann.


Vorsichtsmaßnahmen
Damit ein Kind gar nicht erst Gegenstände in die Hände bekommt, die es verschlucken kann, sollte man folgende Dinge beachten:

  • Babys und Kleinkinder nicht unbeaufsichtigt lassen
  • Kleine Gegenstände in der Wohnung (Münzen, Knöpfe, Heftklammer etc.) nicht offen liegen lassen und auch in Schubladen oder Schränken unbedingt unter Verschluss halten
  • Auf kindersicheres Spielzeug achten (auf Murmeln, Kuscheltiere mit angenähten Knopfaugen oder andere Spielsachen, die sich leicht in Einzelteile zerlegen lassen, sollte man unbedingt verzichten)
  • Nüsse, besonders Erdnüsse, stellen für Kinder unter drei Jahren eine Gefahr dar. Sie können leicht eingeatmet werden und stecken bleiben. Besser darauf verzichten. Das gilt auch für Bonbons.
  • Kleine Kinder verschlucken sich oft an Karotten- oder Apfelstückchen. Auch Weintrauben, Tomaten und ähnliches Gemüse/Obst können zu Erstickungsanfällen führen! Bitte dem Nachwuchs die ganze Frucht oder ein großes Stück Mohrrübe geben statt alles klein zu schneiden. Das Kind beißt dann kleine Portionen ab, die es gut schlucken kann.
  • Dem Kind beibringen, dass es beim Laufen und Spielen nichts essen soll. So passieren viele Erstickungsunfälle erst gar nicht.



Erste-Hilfe-Kurse
In regelmäßig stattfinden Erste-Hilfe-Kursen für Eltern von Säuglingen und Kleinkindern zeigen Experten der HELIOS Klinik Jerichower Land wichtige Erste-Hilfe-Maßnahmen. Im Kurs werden u.a. die Versorgung bedrohlicher Blutungen des Kindes, lebensrettenden Sofortmaßnahmen oder auch die richtige Technik der Reanimation bei Säuglingen und Kleinkindern erlernt. Die Kurse sind kostenlos, eine Anmeldung erforderlich. Die nächsten Termine finden Sie hier.

zurück zur Übersicht

Das könnte Sie auch interessieren:

Kindernotfälle Teil I – Die Erste-Hilfe-Serie

Die Kleinsten in Not: Richtig handeln bei Vergiftungen

Wenn Kleinkinder ihre Umwelt entdecken, ist nichts vor ihren neugierigen Blicken und Händchen sicher: Die Steckdose im Arbeitszimmer oder das Reinigungsmittel im Küchenregal. In unserer Serie stellen wir die Erste-Hilfe bei kindlichen Notfällen vor – diesmal: Vergiftungen. mehr...

Kindernotfälle Teil 2 – Die Erste-Hilfe-Serie

Kleines Erste-Hilfe-Einmaleins: So sollten Wunden versorgt werden

Viele Kinder sind sehr aktiv. Kleine und größere Verletzungen oder Brüche sind da vorprogrammiert. Im zweiten Teil unserer Serie stellen wir die Erste-Hilfe bei kindlichen Notfällen vor – diesmal: Wundversorgung von Schürf- und Schnittwunden. mehr...

Kindernotfälle Teil 4 – Die Erste-Hilfe-Serie

Sommer, Sonne, Sonnenbrand: Hilfe bei Verbrennungen und Hitzekollaps

Obwohl viele Eltern sehr genau darauf achten, dass ihr Kind nicht ungeschützt in der Sonne spielt, passiert es aufgrund der zarten Kinderhaut immer mal wieder: es entsteht ein Sonnenbrand oder sogar eine Hitzekollaps. mehr...

Kindernotfälle Teil 5 – Die Erste-Hilfe-Serie

Badeunfälle bei Kindern

Endlich ist der Sommer da. Die Freibäder öffnen und auch die Badeseen locken Familien. Toben im Wasser ist toll und Kinder sollten das auch ausgiebig machen dürfen. Aber nie unbeaufsichtigt: Denn noch immer ist Ertrinken die zweithäufigste unfallbedingte Todesursache bei Kindern. mehr...

Kindernotfälle Teil 6 – Die Erste-Hilfe-Serie

Verbrennungen und Verbrühungen

Verbrennungen und besonders Verbrühungen gehören zu den häufigsten Unfällen im Kindesalter. Allein in Deutschland sind es jährlich etwa 6.000 Kinder, die deshalb im Krankenhaus stationär behandelt werden müssen. Verletzungen dieser Art zählen zu den schmerzhaftesten überhaupt. mehr...