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Kinderorthopädie

Zahnspange für den Rücken

Ein neues Verfahren erspart Kindern mit starker Wirbelsäulenverkrümmung schwere Operationen: Die zur Begradigung eingesetzten Metallstäbe wachsen mit.

400.000 Menschen in Deutschland leiden an Skoliose, häufig bereits im Kindesalter.

Seit ihrem vierten Lebensjahr litt Daliah unter einer starken Verkrümmung der Wirbelsäule, einer Skoliose. Weil sie noch so klein war, kam eine begradigende Operation des Rückens zunächst nicht infrage. Dafür implantierten Orthopäden Kindern mit starker Skoliose bislang Titanstäbe in den Rücken – ein schwerwiegender Eingriff, der zudem zweimal im Jahr wiederholt werden muss, um die Stäbe an das Wachstum der Kinder anzupassen. Mit den sogenannten mitwachsenden Stäben (engl.: „growing rods“) gehören solche Strapazen nun der Vergangenheit an: Bei dieser neuen Methode setzt der Arzt in einem minimalinvasiven Eingriff magnetische Teleskopstangen an die Wirbelsäule – eine Art Zahnspange für den Rücken. Die Magnetstangen lassen sich von außen per Fernbedienung ausfahren und wachsen sozusagen mit.

„Durch die mitwachsenden Stäbe wird die Skoliose korrigiert und die Wirbelsäule der betroffenen Kinder stabilisiert“, erklärt Priv.-Doz. Dr. Holger Mellerowicz, Chefarzt der Klinik für Kinderorthopädie und Kindertraumatologie am HELIOS Klinikum Emil von Behring. Der Zehlendorfer Kinderorthopäde setzte Daliah als einem der ersten Kinder in Deutschland im Frühjahr die „growing rods“ ein. Zu diesem Zeitpunkt lagen bereits mehr als sechs Jahre voller Physiotherapien, drückender Korsetts und Schmerzen hinter der heute Zehnjährigen. Trotz der Behandlungen war Daliahs Wirbelsäule um 67 Grad verkrümmt. Das schränkte sie nicht nur in ihrer Bewegungsfreiheit erheblich ein. Der durch die Skoliose eingequetschte Brustkorb bereitete ihr auch Probleme beim Atmen. Dank der „growing rods“ beginnt nun ein unbeschwerteres Leben für das Mädchen. Erfolge des neuen Verfahrens sind bereits sichtbar: Nach zwei Monaten ist die Skoliose schon um 50 Prozent zurückgegangen. Alle drei Monate verlängert Dr. Mellerowicz die Stäbe per Knopfdruck um fünf Millimeter – insgesamt wachsen sie um etwa fünf Zentimeter mit.

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