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Wie eine grüne Tür zum Rettungsring wird

Das Schicksal von ausgesetzten Babys lässt Dr. Peter Seiffert keine Ruhe. Mit der Hilfe
von Unterstützern entstand in Duisburg eine der ersten Babyklappen in Deutschland.
Dr. Peter Seiffert lässt das Schicksal ausgesetzter Babys keine Ruhe. Foto: Roland Weihrauch

Sie war gerade geboren, noch so klein und zerbrechlich. Doch wurde sie nur wenige Stunden alt.
Mia starb – abgelegt in einem Altkleidercontainer.
Im vergangenen November fanden Mitarbeiter einer Sortieranlage in Polen in einem aus Duisburg stammenden Altkleidercontainer ein totes Baby. Wahrscheinlich der letzte Ausweg für eine verzweifelte Frau.

„Sie müssen sich vorstellen, dass es ein großer Schock für eine Frau ist, plötzlich unerwartet ein Kind zu bekommen“, erklärt Dr. Peter Seiffert, Chefarzt der Kinder- und Jugendklinik im Helios Klinikum in Duisburg.

„Es kommt häufiger vor, als man vermuten würde, dass Frauen eine Schwangerschaft nicht bemerken oder verdrängen. Deshalb ist es umso wichtiger, dass es Babyklappen gibt. Denn diese sind eine Art Rettungsring. Wir retten damit Leben. Nicht nur das der Babys, sondern auch das der Mütter. Denn wie kann eine Mutter mit dem Wissen weiterleben, ihr eigenes Kind getötet zu haben?“

Dr. Seiffert ist seit 1997 im Helios Klinikum in Duisburg, das zu dieser Zeit noch unter katholischer Trägerschaft stand.
Schon damals berührte ihn das Schicksal von ausgesetzten Babys, die aufgrund von Witterung und zu spätem Auffinden leider verstarben. Er wollte etwas verändern und versuchte eine Lösung zu entwickeln, gemeinsam mit seinem Team rund um Regina Lange, die heutige Stationsleitung des Perinatalzentrums.
Im Jahr 2000 wurde die erste Babyklappe in Hamburg eröffnet und Dr. Seiffert tat alles dafür, dass das St. Johannes Klinikum bald nachziehen konnte.
Das war nicht einfach, doch er fand Unterstützer, unter anderem in dem inzwischen verstorbenen Staatsanwalt Gerd Unterberg, der dem Team der Kinderklinik im St. Johannes Straffreiheit versprach.
Bis heute keine Selbstverständlichkeit, denn noch immer bewegt man sich mit einer Babyklappe in Deutschland in einer Grauzone der Gesetze.
Babyklappen sind mittlerweile geduldet, standen 2014 jedoch noch zur Diskussion. Gegner dieser Einrichtungen gibt es genügend. Im Jahr 2001 wurde die Idee dann Wirklichkeit und auch in Duisburg konnte eine Babyklappe eröffnet werden.
Es dauerte drei weitere Jahre, bis 2004 das erste Baby darin abgelegt wurde. Mittlerweile sind es insgesamt 20 Babys, die gerettet werden konnten. Doch es gibt noch mehr erfreuliche Neuigkeiten, die Dr. Seiffert und sein Team nie an ihrer Arbeit und ihrem Engagement zweifeln lassen:

„Drei Kinder, die in unserer Babyklappe abgelegt worden sind, leben mittlerweile wieder bei ihren leiblichen Müttern. Bei zwei weiteren gibt es schon wieder erste Kontaktaufnahmen zwischen Kind und Mutter“, berichtet der Chefarzt lächelnd.

„Und es passiert sogar ab und an, dass Familien auf unserer Station vorbeikommen, um mich zu besuchen, da die Kinder, ihre Adoptivkinder, Babys aus der Babyklappe sind. Meiner Meinung nach braucht jede Stadt mindestens eine Babyklappe, so wie es an jeder Schiffswand einen Rettungsring gibt.“

Schwanger und keiner darf es erfahren ...
Fast 100 Babyklappen oder Babynester gibt es in Deutschland. Bei Helios sind unter anderem die Kliniken in Aue, Erfurt und Schwerin dabei. Das Bundesfamilienministerium bietet umfangreiche Beratungsangebote für Schwangere in Not und klärt auch zu Möglichkeiten der anonymen oder vertraulichen Geburt auf. Mehr Informationen sowie Hilfstelefon und Beratungsstellen vor Ort sind hier zusammengestellt.

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