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Hochrisiko-OP

Plauener Neurochirurg entfernt Patientin riesigen Hirntumor

Anja Fickert (38) erfährt im Plauener HELIOS Klinikum, dass sie einen 13 Zentimeter langen Hirntumor hat. Ein Überlebenskampf beginnt.
Dr. med. Farid Youssef operierte den Riesentumor heraus. Anja Fickert hat den Eingriff ohne Komplikationen überstanden.

Als Anja Fickert plötzlich Kopfschmerzen bekommt, die bis in den Nacken ausstrahlen, denkt sie: Ruhe und Tabletten helfen – und legt sich aufs Sofa. Aber die Schmerzen bleiben, einige Tage später wird zudem ihr Gesicht taub. Die Ursache für die Ausfallerscheinungen zeigt sich den Ärzten im Plauener HELIOS Klinikum auf den Röntgenbildern schnell: ein gigantischer Hirntumor, wie eine tickende Bombe.

Dass diese tickende Bombe in einer Acht-Stunden- Operation ausgeschaltet werden kann, grenzt für die Mediziner an ein Wunder. „Ihr hätte alles passieren können“, sagt Dr. Farid Youssef, Chefarzt der Neurochirurgie im HELIOS Klinikum Plauen. Der Hirnchirurg operierte den Riesentumor heraus. „Er war 13 Zentimeter lang, oben fünf, unten zwei Zentimeter breit und hatte die Form einer Eiswaffel“, so Youssef. „Auch die Fachliteratur beschreibt solche Tumorgrößen selten.“

Obwohl der Tumor gutartig ist, hätte er bei der 38-Jährigen früher oder später schwere Ausfälle verursacht und zum Tode geführt. Durch seine Lage im vierten Hirnventrikel, einem der Hohlräume des Gehirns, in denen das lebenswichtige Hirnwasser produziert wird, hatte er oben aufs Kleinhirn und den Hirnstamm gedrückt, was zu einer Verstopfung des Hirnwasserkanals führte und einen akuten Hirndruck verursachte. „Wenn man bedenkt, dass der Mensch täglich bis 400 Milliliter Hirnwasser produziert, die im Zentralnervensystem zirkulieren und unter anderem diesen Kanal passieren, weiß man, wie es um Anja Fickert stand“, so Youssef. Die Ärzte legten ihr deshalb noch vor der Operation eine Art Notausgang, eine sogenannte Ventrikeldrainage, damit das Hirnwasser ablaufen konnte.

Das Röntgenbild zeigt den rot eingerahmtenRiesentumor.

Dann beginnt der Hochrisiko-Eingriff: Das Risiko, zeitlebens an den Folgen der Operation zu leiden, beziffert Dr. Youssef auf 50 Prozent. „Durch den Druck auf den Hirnstamm hätte es jederzeit zu Funktionsstörungen des Kreislauf- und Atemzentrums kommen können. Viele der Hirnnerven befinden sich dort, sie wären dann ebenfalls in ihrer Funktion ausgefallen“, sagt der Neurochirurg. Die Operation hätte zu einer Querschnittslähmung führen oder ein Koma auslösen können. Anja Fickert übersteht den Eingriff ohne Komplikationen. Als sie aufwacht, sitzen ihr zwölfjähriger Sohn und ihr Lebensgefährte an ihrem Bett – erschöpft vom Warten, aber überglücklich. „Wir konnten den Tumor komplett entfernen, das hat auch die Röntgenkontrolle nach der Operation bestätigt“, so Dr. Farid Youssef.

Der Operation in Plauen folgt eine vierwöchige Rehabilitation in der HELIOS Klinik Schloss Pulsnitz, einem Zentrum für Neurologische und (Früh-) Neurochirurgische Rehabilitation. Mit speziellen Therapien wie der Gleichgewichtstherapie sowie Ergometer- und Laufbandtrainings lernt die 38-Jährige wieder, sicher zu gehen. „In der ersten Woche war der Rollstuhl noch mein ständiger Begleiter“, so Anja Fickert. In Pulsnitz geht es aber nicht nur um die körperliche Rehabilitation. Anja Fickert hat auch die Möglichkeit, das Geschehene mit den Neuropsychologen zu verarbeiten: „Die Diagnose war ein Schock. Wenn ich daran denke, was hätte passieren können, bin ich wahnsinnig froh und dankbar, dass alles komplikationslos verlief. Ab sofort feiere ich zweimal im Jahr Geburtstag.“ Bald schon möchte die Erzgebirgerin wieder in der Werkshalle neben ihren Kollegen stehen. Die Chancen dafür stehen gut.

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