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Krankenhausseelsorge

„Es wird getrauert, gehadert, gefragt und gezweifelt“

Welche Chancen bietet die Seelsorge für Schwerkranke? Wo stößt sie an Grenzen? Wir sprachen darüber mit Pater Wolfang Felber, Jesuit, und Anne Heimendahl, evangelische Pfarrerin, beide Krankenhausseelsorger
im HELIOS Klinikum Emil von Behring in Berlin-Zehlendorf.
Klinikseelsorger Anne Heimendahl und Wolfgang Felber im HELIOS Klinikum Emil von Behring in Berlin-Zehlendorf. Foto: Thomas Oberländer

Wie hilft Seelsorge schwerkranken Menschen und ihren Angehörigen?

Heimendahl: Seelsorge kann einen Raum schenken, in dem getrauert, gehadert, gefragt und gezweifelt, gebetet oder geschwiegen wird. Themen wie Schuld, Leiden oder Tod dürfen angesprochen werden, was angesichts der hilflosen Sprachlosigkeit, die häufig in den Krankenzimmern herrscht, eine große Entlastung für die Betroffenen bedeutet. Als Krankenhausseelsorgerin nehme ich mir Zeit für Zuwendung, Gespräche und die Begleitung von Menschen. Wenn Patienten sich mit ihren Fragen und Nöten jemandem anvertrauen können, der absolut verschwiegen ist, ist das oft eine große Hilfe. Nicht selten werden uns gegenüber Lebensbeichten abgelegt.

Felber: Die Menschen, die wir begleiten dürfen, schenken uns ihr Vertrauen, öffnen sich uns und erlauben uns in den häufig sehr schwer zu ertragenden Zeiten der Krankheit, des Abschieds, einen tiefen Blick in das, was sie bewegt.

Spüren Sie Grenzen in Ihrer täglichen Arbeit?

Felber: Manchmal begegne ich Patienten, die eine magische Vorstellung haben von Gebet und Sakramenten. Ich höre dann Fragen: „Warum haben Sie nicht diesen kräftigeren Fluch-Psalm gebetet, um meine Mutter zu retten?“ „Erhöhe ich die Chancen auf Heilung, wenn ich mehr Sakramente empfange, mehr bete?“ Da ist viel Fingerspitzengefühl nötig, um Menschen mit dieser Haltung zu Gott nicht vor den Kopf zu stoßen.

Heimendahl: Grenzen liegen auch in uns selbst begründet – es gibt zeitliche Grenzen, selbst wenn wir gern rund um die Uhr da wären, und es gibt Grenzen der eigenen Belastbarkeit. Es ist eine Herausforderung, sich nicht nur immer wieder neu auf Menschen einlassen zu dürfen, sondern auch immer wieder und nicht selten endgültig Abschied nehmen zu müssen. Dabei besteht die Chance von Seelsorge wiederum in der Gestaltung von Abschieden: kleinen Abschiedsfeiern am Totenbett, den sogenannten Aussegnungen und Gedenkfeiern für die Angehörigen.

Sie werden auch zu Menschen gerufen, die keiner Kirche angehören – wie gehen Sie damit um?

Felber: Wir sind Seelsorger der beiden großen christlichen Kirchen. Unsere Motivation ist christlich – Kranke zu besuchen gehört zu den christlichen Tugenden; christliche Seelsorge fragt nicht, ob jemand getauft oder ein guter Christ ist – es geht um die Person, die vor uns ist.

Heimendahl: Auch Menschen, die sich als kirchenfern oder atheistisch bezeichnen, suchen in existentiellen Situationen und Krisen nach Orientierung und Halt. Seelsorge kann auch für diese Menschen zu einer Art Sinnsorge werden. Es kommt darauf an, dass die Beziehung miteinander – unabhängig von Religionszugehörigkeit, Kultur, Geschlecht – vertrauensvoll ist, dann können die Berührungspunkte die gleichen sein, wie bei Menschen, die religiös sind.

Zu den Personen

Anne Heimendahl (Jahrgang 1964), verheiratet, vier Kinder, ist seit 1998 Pfarrerin der Bremischen Evangelischen Kirche und seit 2014 Krankenhausseelsorgerin im HELIOS Klinikum Emil von Behring.

Wolfgang Felber (Jahrgang 1960) ist für das katholische Erzbistum Berlin für die Flughafenseelsorge zuständig. Daneben verantwortet er die englischsprachige Gemeinde All Saints in Berlin-Dahlem. Seit 2012 ist er zudem Krankenhausseelsorger im HELIOS Klinikum Emil von Behring.

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