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Besondere Brille

Entspannt während der Operation

HELIOS Kliniken in Erfurt und Berlin-Buch testeten audiovisuelle Brille.
Die audiovisuelle Brille lenkt die Patienten ab und reduziert Stress und Ängste vor, während und nach einer Operation. Foto: HappyMed

Ein weißer Sandstrand vor Augen und Meeresrauschen im Hintergrund – fast scheint vergessen, dass man gerade als Patient in einem Operationssaal liegt. Möglich macht dies eine audiovisuelle Brille namens HappyMed. Sie lenkt die Patienten ab und reduziert Stress und Ängste vor, während und nach einer Operation. Auf Knopfdruck taucht der Patienten in unterschiedliche Seh- und Klangwelten ein: Konzerte, Dokumentationen, Komödien oder Entspannungsvideos.

Entspannungstechniken werden in der Medizin schon seit Langem eingesetzt. Sie sollen den Patienten Angst und Unruhe vor Eingriffen nehmen, Schmerzen lindern und Narkosen erleichtern – mitunter sogar mit weniger Medikamenten als üblich.

HappyMed wurde speziell für die Anforderungen im medizinischen Umfeld entwickelt. Vier Monate lang haben Ärzte und Pflegende das System im Rahmen des helios.hub in den HELIOS Kliniken Erfurt und Berlin-Buch getestet.

In Erfurt ließen sich rund 80 Patienten mit Hilfe von HappyMed behandeln, betreut wurde das Projekt am Standort von Dr. Gerald Burgard, Chefarzt im Kollegialsystem der Abteilung Anästhesie, Intensivmedizin und Schmerztherapie. Er ist von dem audiovisuellen Komplettsystem angetan: „Patienten nehmen mit der Brille Wartezeiten kürzer wahr. Das hilft ihnen, Angstzustände schon vor einer Operation besser zu kontrollieren.“ Wichtige Voraussetzung dafür, dass sich die Patienten darauf eingelassen haben, sei eine gute Einstimmung auf die Technik durch das Personal gewesen, betont Dr. Burgard. „Wenn wir die Patienten unvermittelt mit der Brille konfrontieren, schrecken sie oftmals zurück. Daher ist es wichtig, ihnen das Gerät sowie die ‚Spielregeln‘ vorab zu erklären. Nur so können wir von Anfang an auf die Bedürfnisse des Patienten eingehen“, macht der Anästhesist deutlich. „Es gab auch Patienten, die während der Nutzung merkten, dass sie mit der Brille nicht in andere Welten eintauchen konnten oder wollten. Das hat mir gezeigt, dass das System zwar eine tolle Ergänzung unserer Arbeit ist, aber keinesfalls ein Allheilmittel.“

Im HELIOS Klinikum Berlin-Buch haben über 200 Patienten in unterschiedlichen Bereichen die Videobrille getestet, darunter zahlreiche Kinder und Jugendliche. „Kinder lassen sich leicht ablenken. Spannend erzählte Geschichten reichen da oftmals aus. Deshalb hat sich die Brille absolut bewährt. Die Ablenkung ist derart gut, dass sich Kinder damit sogar Venen punktieren lassen“, erläutert Professor Dr. Jochen Strauß, Chefarzt für Anästhesie, perioperative Medizin und Schmerztherapie in Berlin-Buch. Der Mediziner ist Experte für Anästhesie im Bereich der Kinderheilkunde und hat bereits Erfahrungen im Umgang mit neueren Ablenkungstechniken. So griffen er und seine Kollegen schon vor dem Einsatz der Videobrille regelmäßig auf Smartphones und Tablets zurück. Aber auch bei den erwachsenen Testpersonen kam das neue System von HappyMed gut an. „Langeweile kommt mit der audiovisuellen Ablenkung nicht mehr auf. Einige, die zum zweiten oder dritten Mal zu uns kommen, fragen inzwischen ganz gezielt nach der Brille. Grenzen gibt es lediglich dort, wo der behandelnde Arzt auf die aktive Mitarbeit des Patienten angewiesen ist“, sagt Professor Strauß.

Ob durch den Einsatz des audiovisuellen Systems auch weniger Beruhigungsmittel benötigt werden, kann Professor Strauß wegen fehlender Daten derzeit noch nicht sagen. „Fest steht, dass es Patienten gibt, die wir früher wegen ihrer Ängste mit Medikamenten beruhigt haben und die nun dieselben Prozeduren ohne medikamentöse Intervention überstehen.“ Um diese Erfahrungen auch wissenschaftlich belegen zu können, erarbeiten der Berliner Anästhesist und sein Team derzeit eine Studie, die die Notwendigkeit medikamentöser Interventionen mit und ohne Brille untersuchen soll.

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