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Anti-Drogen-Tag

Die Realität stellt jeden auf die Probe

Sie kann überall entspringen, ihre Fäden durch alle Bereiche des Lebens ziehen. Wer die Sucht hinter sich lassen will, braucht nicht nur Hilfe, sondern vor allem auch Eines: Einsicht.
Foto: Pixabay

Der Entzug von Drogen, Alkohol oder Medikamenten ist für Betroffene keine leichte Aufgabe. Während der Entwöhnungsbehandlung lernen Abhängige wieder, wie sich ein geregelter Tagesablauf ohne Suchtmittel anfühlt. Der härteste Test ist aber die Realität. Im alltäglichen Umfeld kommen alte Muster schnell wieder zum Tragen. Aber auch die Realität lässt sich erproben. Die Adaptionseinrichtung der Soteria Klinik Leipzig  ist so ein Ort, an dem Patienten lernen, sich auf ein selbstständiges Leben vorzubereiten. Hier wohnen sie nach ihrer ersten Phase der stationären Behandlung drei bis vier Monate in Einzelapartments und müssen sich, anders als in der Entwöhnung, selbst versorgen. „In der Klinik wird ein Exoskelett um den Patienten gelegt, das Stabilität und einen geregelten Tagesablauf bietet. In der Adaption entfernen wir das Exoskelett und konfrontieren die Patienten mit dem realen Leben“, sagt Dr. Benno Fabricius, Leiter der Adaptionseinrichtung.

Dr. Benno Fabricius ist Leiter der Adaption der Soteria Klinik Leipzig. (Foto: Christian Hüller)

Die oberste Regel lautet: Abstinenz, also frei von Suchtmitteln. Wer das missachtet, muss gehen. Das Herzstück der Adaption ist ein zehnwöchiges Praktikum, das alle Patienten absolvieren müssen, um die körperliche und seelische Belastung zu erproben. „Jeder muss sich seinen Praktikumsplatz selbst suchen,  Bewerbungen schreiben, pünktlich auf Arbeit erscheinen. Wer jahrelang nur von Alkohol oder Drogen lebte, stößt bei einem 35-Stunden-Job schnell an seine Grenzen“, weiß Dr. Fabricius. Er und sein Team, bestehend aus Ärzten, Pflegekräften, Ergotherapeuten und Sozialarbeitern, unterstützen die Patienten bei der Alltagsbewältigung und Wiedereingliederung in die Gesellschaft. Ohne diese Hilfe wären viele nach der Entwöhnung schnell überfordert. Einkaufen, soziale Kontakte pflegen, sich auf eine Sache konzentrieren: Was banal klingt, ist für viele, die aus der Sucht kommen, eine Herausforderung. Und nicht jeder schafft die Adaption. „Im besten Fall gehen die Patienten am Ende ihrer Zeit bei uns in eine eigene Wohnung und haben eine Arbeitsperspektive“, so Dr. Fabricius. Manche finden ihren Weg auch erst Jahre später, leben dann aber in voller Zufriedenheit.

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