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Mit Erfolgsdruck richtig umgehen

Erfolgsdruck im Job kann uns helfen, leistungsstärker zu sein – aber auch krank machen. Wie Chefs und Mitarbeiter Dauerstress eindämmen und negative Folgen vermeiden können.
Wer immer hohe Ansprüche an sich stellt und alles richtig machen will, hat einen sogenannten „inneren Antreiber“. Foto: Miriam Dörr, Fotolia

Fast jeder kennt sie, oft gerade zum Jahresstart: Die Angst, etwas nicht zu schaffen, Erwartungen und berufliche Zielsetzungen nicht voll erfüllen zu können. Kurzfristig setzt ein solcher Erfolgsdruck Energien frei und ermöglicht Höchstleistungen. Aber als dauerhafter Begleiter kann er krank machen: Kopf- und Rückenschmerzen, Nackenbeschwerden, Schlaflosigkeit, Tinnitus oder Bluthochdruck sind mögliche Folgen.

Stress oft Auslöser für Erkrankungen

Was passiert in unserem Körper bei Stress? „Sind wir gestresst, produzieren unsere Nebennierenrinden das Hormon Cortisol. Das wiederum sorgt dafür, dass Zucker in unser Blut und an unsere Muskeln abgegeben wird“, erklärt Dr. Volker Reinken, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der auf psychosomatische Erkrankungen spezialisierten HELIOS Privatklinik Bad Grönenbach, der mit seinem Team regelmäßig Vorträge am HELIOS Prevention Center (HPC) hält. Entwicklungsbiologisch gesehen ist diese Körperreaktion nicht nur normal, sondern auch gesund: Unseren Vorfahren hat sie in lebensbedrohlichen Situationen schnell mit der nötigen Energie zur Flucht versorgt. Weil viele Menschen heute aber selten oder nie sportlich aktiv sind, kann der Körper diesen ursprünglich sinnvollen Stressbewältigungsmechanismus nicht mehr umsetzen. Bleibt Erfolgsdruck über einen langen Zeitraum bestehen, setzt sich die empfundene Spannung stattdessen häufig muskulär um, indem beispielsweise der Nacken verhärtet. Wird diese Spannung chronisch, treten Folgeerkrankungen wie Spannungskopfschmerzen, Rückenschmerzen oder Tinnitus, aber auch Depressionen, Burn-Out oder Herzkreislauf-Beschwerden auf.

Wie Erfolgsdruck entsteht

Doch wie entsteht Erfolgsdruck eigentlich? Warum sind manche Menschen stärker von ihm betroffen als andere? „Leistungsdruck kann verschiedene Ursachen haben, die zum Teil auch parallel auftreten“, sagt Reinken. Die eigene Persönlichkeitsstruktur spielt dabei ebenso eine Rolle wie Erwartungen des Chefs am Arbeitsplatz oder die Konkurrenz unter Kollegen. Wer immer hohe Ansprüche an sich stellt und alles richtig machen will, hat einen sogenannten „inneren Antreiber“, der permanent Stress erzeugt und den empfundenen Druck steigert. „Manche fühlen sich nur dann wohl, wenn ihr Erfolg auch permanent bestätigt wird. Weil sie sich quasi über ihren Erfolg definieren, kann ihr Selbstwert ins Wanken geraten, wenn diese Bestätigung ausbleibt“, so Volker Reinken. Deshalb: Je nachdem, wie Vorgesetzte mit Erfolg oder Misserfolg umgehen, wirkt sich auch dies auf das Stresslevel der Mitarbeiter aus. Wer versucht, mit Angst zu motivieren, erzeugt Druck. Besser ist die Motivation durch Begeisterung und Teamgedanke. Steht das Team im Mittelpunkt, beeinflusst das auch das Konkurrenzempfinden: „Eine gewisse Rivalität zwischen Kollegen ist normal. Um keinen zu hohen Erfolgsdruck aufzubauen, sollte ein Vorgesetzter aber nie dauerhaft die Leistung einzelner Mitarbeiter hervorheben, sondern immer versuchen, das Team als Ganzes zu stärken“, rät der Mediziner.

Gedanklicher Schritt zurück kann helfen

Empfindet man sich als Einzelner in der Spirale aus Angst und Druck, kann ein gedanklicher Schritt zurück helfen. Wer sich bewusst macht, welche vergleichbaren Herausforderungen er bereits bewältigt hat und welche Mittel dabei hilfreich waren, kann daraus Zuversicht und Ruhe für die gegenwärtige Situation gewinnen. „Außerdem ist es sinnvoll, Ziele in mehreren kleinen Schritten zu vereinbaren. Dann kann man auch Etappenerfolge genießen, statt nur auf das große Ganze, das ja nicht immer gelingt, hinzuarbeiten“, so Dr. Reinken. Ein gutes Zeitmanagement, transparente Prozesse und eine Arbeitsumgebung, die Gestaltungsspielräume für den Einzelnen bietet, können ebenfalls dazu beitragen, Erfolgsdruck zu verringern.

Work-Life-Balance

Wer einen ungesunden Erfolgsdruck verringen möchte, sollte nicht zuletzt auch außerhalb der Arbeit ansetzen: „Im Sinne der Work-Life-Balance ist es nötig, sich zu fragen, was wirklich wichtig ist. Ein so gewonnenes Wertebewusstsein hilft, sich gegenüber den Anforderungen des Arbeitsalltags besser zu distanzieren.“

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