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MENSCHEN

„Mein Leben wäre einfacher, aber nicht glücklicher“

Yoga, Fitnessstudio, gelegentlich ein Halbmarathon: Ihr sportliches Pensum klingt wie das jeder anderen aktiven Mittvierzigerin. Wäre da nicht ein entscheidender Unterschied: Sabine Bremenkamp leidet an Retinitis pigmentosa. Sie ist blind. Das hindert sie jedoch nicht daran, ihren Beruf am Helios Klinikum Duisburg auszuüben.
Sabine Bremenkamp
Sabine Bremenkamp mit ihrem Hund Lester. Foto: Valentin Riemer

Mit ihrem Handicap geht sie ganz offen um: „Hallo, ich bin blind“, begrüßt die 47-Jährige ihre Patienten gleich beim ersten Aufeinandertreffen, um Irritationen vorzubeugen.

Weil Blinden der Ruf vorauseilt, besonders gute Therapeuten zu sein, freuen sich viele Patienten auf die Arbeit mit der ausgebildeten Masseurin und Medizinischen Bademeisterin.

Ob da etwas dran ist? „Das würde ich selber nie von mir behaupten“, sagt die überzeugte Teamplayerin. „Ich habe so nette Kollegen und fühle mich in meinem Beruf gar nicht behindert. Hier bin ich die, die ich bin, und nicht die Blinde.“

Die positive Einstellung bricht nicht nur das Eis, sondern macht vielen ihrer Patienten mit einer schweren Erkrankung oder Behinderung Mut: „Wenn sie als Blinde das schafft, dann werde ich meine Krankheit auch ertragen und mit kleinen Hilfen meinen Alltag bewältigen können“, spiegeln sie zurück.

Die Frau mit dem tollen Hund

Bremenkamps wichtigstes Hilfsmittel ist Blindenhund Lester. Er hilft ihr Hindernisse zu umgehen, und zeigt an, wenn Höhenhindernisse oder Engstellen vor ihr liegen. Lediglich die korrekten Buslinien auf ihrem Weg durch die ganze Stadt kann er nicht erkennen. „Dabei helfen mir meistens Schulkinder. Für die bin ich keine Behinderte, sondern die Frau mit dem tollen Hund“, freut sich Bremenkamp. Im Geschirr weiß Lester genau, dass er im Dienst ist. „Dann ist er meine Lebensversicherung, mein Engel auf vier Beinen und mein Augenlicht.“ Natürlich würde die Ehefrau und Mutter von zwei Töchtern selbst gerne sehen können: „Mein Leben wäre einfacher, aber nicht glücklicher. Es ist wichtiger, zu wissen, was man hat, und nicht, was man nicht hat.“

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