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Mehr Lebensqualität für Heidi B

'Stuhlinkontinenz' ist ein Tabuthema: Trotz 90-prozentiger Erfolgsaussicht nehmen die meisten der über fünf Millionen Betroffenen keine Hilfe in Anspruch.  Wir sprachen mit Dr. Albert Peters, Chefarzt der Allgemein-/Viszeralchirurgie in der Helios Klinik München Perlach über die Behandlungsmöglichkeiten.
Endlich wieder unbeschwert auf Tour: Dank Implantat sitzt Heidi B. wieder fest im Sattel ihrer heißgeliebten Harley und genießt ihr Leben in vollen Zügen. Foto: joe

Wer unter Darmschwäche leidet, kann den Stuhlabgang nicht mehr kontrollieren.
Bei Heidi B. kam die Inkontinenz ganz plötzlich: „Ich war beim Einkaufen – es war ein furchtbarer Moment“, erinnert sich die 80-Jährige. Sie zog sich immer mehr zurück. „Durchaus typisch“, bestätigt Chefarzt Dr. Albert Peters von der Helios Klinik München Perlach: „Eine Inkontinenz führt zur starken Beeinträchtigung der Lebensqualität. Die Schambarriere zu durchbrechen, ist der erste Schritt.“

Die häufigsten Ursachen reichen von chronischem Durchfall bis hin zu Beckenbodenschwächen und Schädigungen des Schließmuskels. Letztere sind oft Folge von Geburten. Frauen stellen daher 80 Prozent der Betroffenen. Aber auch die Ernährung und Übergewicht spielen eine Rolle.


Dr. Albert Peters ist Chefarzt der Allgemein-/Viszeralchirurgie in der Helios Klinik München Perlach und Spezialist für die Implantation von künstlichen Schließmuskeln.

Die notwendige Behandlung der Darmschwäche erfolgt im Stufenkonzept. Entscheidend ist der erste Schritt zum Arzt, den die meisten Menschen nicht wagen. Und das trotz guter Aussichten: „Wir geben gut 90 Prozent aller Patienten wieder eine gute Lebensqualität zurück “, betont Viszeralchirurg und Proktologe Peters. Zunächst werden Grunderkrankungen wie Fisteln therapiert. „Ergänzt durch Ernährungstipps hilft das bereits jedem Zweiten“, sagt Dr. Peters.
Elektrische Nervenstimulation ist ein anderer Weg, den Schließmuskel wieder zu kontrollieren. Heidi B. entschied sich für die Implantation eines künstlichen Schließmuskels (Neosphinkter). Dr. Peters ist einer der Spezialisten für den 45 bis 60 Minuten dauernden Eingriff. Dabei implantiert er eine runde Manschette und weitere Elemente unter der Haut um den After. Über eine Pumpe steuert der Patient dann wieder seinen Stuhlgang. Trotz einfacher Bedienung zögern viele Patienten. Nicht so Heidi B.: „Ich will wieder unterwegs sein!“ Und dank des Eingriffs ist sie das nun wieder unbeschwert.

So funktioniert ein künstlicher Schließmuskel (Neosphinkter)

Die implantierbare Prothese aus Silikon und besteht aus drei Elementen:
einer Schließmuskelmanschette (1), einer Pumpe und Ventilen (3) und einem Druckregulationsballon (oberhalb von 3).
Die Manschette wird unter der Haut um den After implantiert. Sie ermöglicht durch Füllen und Ablassen des Wassers die Stuhlentleerung. Durch Betätigung der Pumpe fließt die Flüssigkeit der Manschette ab und die Patienten können den Enddarm entleeren. Die Flüssigkeit, die sich während der Stuhlentleerung im Ballon befindet, fließt langsam wieder in die Manschette zurück und verschließt den Enddarm wieder.

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