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Geht nicht, gibt's nicht

… Das ist die Devise von Ellen Fiedler. Als Bau- und Projektsteuerin arbeitet sie im Helios Klinikum Bad Saarow und betreut derzeit zwei Großbauprojekte. Viele im Unternehmen kennen die große, schlanke Frau vom Bau, aber wissen sie auch, dass sie es mit einer ehemaligen DDR-Olympionikin zu tun haben?
Ellen Fiedler Bau- und Projektsteuerin im Helios Klinikum Bad Saarow

Ellen Fiedler kann in diesem Jahr gleich zwei Jubiläen begehen:
Vor 30 Jahren holte sie in Seoul die olympische Bronzemedaille über 400 Meter Hürden und Ende November feiert sie ihren 60. Geburtstag.
Zeitgleich wird in Bad Saarow ein neuer Bettenanbau mit 60 Betten zur Übergabe an das Klinikum vorbereitet. Ellen Fiedlers Job war es in den letzten zwei Jahren, die Bauherrenaufgaben wahrzunehmen und damit Bauzeit, -kosten und -qualität im Blick zu behalten. Sie macht das mit einer besonderen Mischung aus Durchsetzungskraft und Wertschätzung.
„Geht nicht, gibt’s bei mir nicht!“, sagt sie. „Manchmal muss ich die Jungs auf der Baustelle motivieren, manchmal aber auch etwas derber ansprechen, um mich durchzusetzen“.

Die bemerkenswerte Frau kann auf ein interessantes Leben zurückblicken. Schon mit zwölf Jahren wurde sie 1972 an die Sportschule nach Ost-Berlin delegiert, 200 Kilometer entfernt von ihrem Heimatort Demmin und ihrer Familie.
Die Trennung nahm sie sportlich, denn eine neue Welt tat sich ihr auf. „Ich konnte plötzlich in ferne Länder reisen, Mexiko, Libyen, USA. Als DDR-Athleten waren wir Exoten und wurden gerne von Prominenten zu Empfängen geladen, einmal sogar von Prinz Albert von Monaco“, erinnert sie sich. „Ich trainierte hart und nachdem im Sommer 1979 meine Tochter zur Welt kam, konnte ich meine Leistung in 400-Meter-Hürden noch weiter steigern.“
Die sportlichen Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. So erkämpfte sie sich bei der Leichtathletik-WM 1980 den zweiten Platz, gewann den Weltcup 1981 und holte 1983 bei der WM in Helsinki WM-Bronze. Als 1984 die 400-Meter-Hürden als olympische Disziplin anerkannt wurden, hätte es mit Ellen Fiedlers Erfolgssträhne gleich weitergehen können, doch aufgrund eines Olympiaboykotts nahm die DDR an den Spielen in Los Angeles 1984 nicht teil. Bitter für die Athleten, doch Ellen Fiedler blieb dran und holte vier Jahre später 1988 mit 29 Jahren ihre olympische Bronzemedaille in Seoul.
Bis dahin hatte ihr Leben mehr Höhen als Tiefen. Nach der Wiedervereinigung musste sich Ellen Fiedler dann komplett neu orientieren. Die sportliche Karriere war vorbei und die studierte Agrarwissenschaftlerin fand keine Anstellung, da ihr jegliche Berufspraxis fehlte. Ein Neubeginn in einer haustechnischen Installationsfirma ergab sich nur, weil deren Chef sehr sportbegeistert war. „Ich hoffe, Sie behalten Ihren Ehrgeiz, sind pünktlich und nicht so oft krank“, waren seine Worte zur Einstellung. So bekam Ellen Fiedler die Chance, mit einem Bein im Berufsleben zu stehen, Geld zu verdienen und sich neben der Arbeit weiterzubilden.
Sie wurde Kalkulatorin und Projektkauffrau im Baugewerbe. 1993 wurde Sohn Josef geboren. „Freie Stunden in der Elternzeit nutzte ich, um mich zu bilden – es gab hier doch einiges nachzuholen. Irgendwann fand ich die Baubranche spannend. Sie hat viel mit dem Leistungssport gemeinsam. Oberflächlichkeit, Unehrlichkeit, Faulheit und Arroganz rächen sich garantiert zum Ende.“

2009 kam Ellen Fiedler zu Helios, erst als Baucontrollerin, später als Assistentin in der Bau- und Projektsteuerung. Seit drei Jahren ist sie als Projektsteuerin tätig. „Es ist nie zu spät, für hohe Ziele zu kämpfen. Ich habe mir all meine Erfolge mit viel Fleiß erarbeiten müssen“, sagt die ehemalige Spitzensportlerin und lächelt selbstbewusst.

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